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Grevesmühlen Mit dem Rad durchs Land – ohne einen Cent in der Tasche
Mecklenburg Grevesmühlen Mit dem Rad durchs Land – ohne einen Cent in der Tasche
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15:48 29.09.2017
Und weiter geht es: Nachdem Florian Bassfeld (27) in der Reethütte übernachtet hatte, führte ihn sein Weg weiter nach Neumünster. Chris Pallasch, Leiter des Steinzeitdorfes in Kussow, freute sich über den besonderen Gast. Quelle: Franke, Jana
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Kussow

„Man braucht erstaunlich wenig, um glücklich zu sein. Geld ist nur Mittel zum Zweck und spielt eine sekundäre Rolle.“ Florian Bassfeld ist seit 184 Tagen unterwegs - mit dem Fahrrad, ohne EC-Karte, ohne einen Cent in der Tasche. Startpunkt war seine Heimatstadt Stuttgart. Er machte Station unter anderem in Freiburg, München, Leipzig, Berlin, Rostock und auch im Steinzeitdorf in Kussow. Dort hat er in einer Reethütte genächtigt, um sich am nächsten Tag in Richtung Neumünster aufzumachen.

Anfang des Jahres stellte sich der 27-Jährige nach einem Burnout die Frage, ob er ewig als Leiharbeiter Geld verdienen möchte. „Ich war an einen Punkt gekommen, an dem es weder vor noch zurück ging“, sagt der Kfz-Mechatroniker, der nach der Ausbildung ein Maschinenbaustudium absolvierte. Er war unzufrieden, wollte sein Leben verändern. Und: „Ich wollte mich auf besondere Weise meinen Ängsten stellen“, erinnert er sich. Seine größte: kein Geld zu haben. Wie weit würde er damit kommen? Bis heute sind es genau 184 Tage.

Die meisten Menschen, so seine Erfahrung, sind hilfsbereit und gastfreundlich. Sie gaben ihm unter anderem Schlafplätze, Essen und sogar Satteltaschen, ein Vorderradgepäckträger und ein Zelt – und ja, der eine oder andere auch Geld. „Das lege ich dann immer für Reparaturkosten zur Seite“, erklärt er. Eines jedoch macht er nicht: betteln.

Nach wie vor ist Florian Bassfeld krankenversichert, auch ein Handy hat er dabei. Die Kosten für beides, rund 200 Euro im Monat, gehen von seinem Girokonto ab. Dort lagert die erstattete Kaution, die er nach der Kündigung seiner Wohnung in Stuttgart bekommen hat. 80 Kilogramm Gepäck trägt sein Discounterrad. Bis Dezember will er seine Tour fortsetzen.

Seine Erfahrungen postet er auf Facebook – „Dein Leben rockt – mit Florian Bassfeld“. 2782 Fans verfolgen sein Abenteuer; lesen von Höhen – wenn er zum Beispiel einige Tage von für ihn wildfremden Menschen begleitet wird – und Tiefen, wenn er nirgends Unterschlupf findet und am See schlafen muss, in dem er sich und seine Wäsche wäscht, oder wenn er abends im Supermarkt nach nicht mehr verkaufbarer Nahrung fragt, die sowieso entsorgt werden würde. 30 bis 60 Kilometer fährt er am Tag, nur zwei Wochen pausierte er – einmal bei einer Familie, bei der er Unterschlupf fand. Gegenleistung: am renovierungsbedürftigen Haus anpacken. Und im August parkte er sein Rad einige Tage, um mit seiner Familie seinen Geburtstag zu feiern. Die war von seinem Vorhaben zunächst nicht begeistert. „Aber jetzt finden sie es toll.“

Und nun, nie wieder arbeiten? „Im klassischen Job sehe ich mich nicht“, gibt er zu. Irgendwie sei seine Reise ja auch ein Job: Berichte schreiben und anderen Menschen Mut machen. Sein Lohn seien die Kommentare auf Facebook, wenn sich Leser motiviert und inspiriert fühlen. Sein nächstes Ziel: ohne Geld durch Großbritannien. Das große Ziel: eine Weltreise.

OZ

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