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Mit dem Rad durchs Land – ohne einen Cent in der Tasche

Kussow/Stuttgart Mit dem Rad durchs Land – ohne einen Cent in der Tasche

Florian Bassfeld (27) lebt seinen Traum: Im März startete er in Stuttgart / Eine Station war Kussow / Sein nächstes Ziel: Großbritannien erkunden

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Und weiter geht es: Nachdem Florian Bassfeld (27) in der Reethütte übernachtet hatte, führte ihn sein Weg weiter nach Neumünster. Chris Pallasch, Leiter des Steinzeitdorfes in Kussow, freute sich über den besonderen Gast.

Quelle: Fotos: Jana Franke

Kussow/Stuttgart. Die Kaffeetasse lässig in der rechten Hand, die linke in die Hüfte gestützt. Sein breites Lächeln im braungebrannten Gesicht bezaubert. Die herzliche, offene Art von Florian Bassfeld macht es angenehm, ihm einfach nur zuzuhören. Zu erzählen hat der 27-Jährige viel. Kaum zu glauben, dass er vor einem Jahr ein ganz anderer Mensch war – ein verschlossener, der sich kaum traute, jemanden anzusprechen. Ein Mann, der Träume hatte, die er aber nie lebte – bis zum 31. März 2017. Seitdem ist der Stuttgarter mit dem Fahrrad unterwegs – ohne EC-Karte, ohne einen Cent in der Tasche.

OZ-Bild

Florian Bassfeld (27) lebt seinen Traum: Im März startete er in Stuttgart / Eine Station war Kussow / Sein nächstes Ziel: Großbritannien erkunden

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Er steht vor der Reethütte im Steinzeitdorf Kussow, in der er auf Einladung des Leiters Chris Pallasch übernachtete, und sinniert über die Anfänge seiner abenteuerlichen Reise. Nach einem Burnout stellte sich Florian Bassfeld Anfang des Jahres die Frage, ob er ewig als Leiharbeiter Geld verdienen möchte. „Ich war an einen Punkt gekommen, an dem es weder vor noch zurück ging“, sagt der Kfz-Mechatroniker, der nach der Ausbildung ein Maschinenbaustudium absolvierte. Er war unzufrieden, wollte sein Leben verändern. Und: „Ich wollte mich auf besondere Weise meinen Ängsten stellen“, erinnert er sich. Seine größte: kein Geld zu haben. Wie weit würde er damit kommen? Bis heute sind es genau 184 Tage.

Ganz ohne „Knete“ geht es dann doch nicht, das merkte er schnell – und sang in der Fußgängerzone oder sammelte Pfandflaschen am Wegesrand. „Fünf reichen für ein Laib Brot“, rechnet er vor. Aber viel Geld brauche man nicht, um glücklich zu sein. Denn die meisten Menschen, so seine Erfahrung, sind hilfsbereit und gastfreundlich. Sie gaben ihm unter anderem Schlafplätze, Essen und sogar Satteltaschen, einen Vorderradgepäckträger und ein Zelt – und ja, der eine oder andere auch Geld. „Das lege ich dann immer für Reparaturkosten zur Seite“, erklärt er. Eines jedoch macht er nicht:

betteln.

Nach wie vor ist Florian Bassfeld krankenversichert, auch ein Handy hat er dabei. Die Kosten für beides, rund 200 Euro im Monat, gehen von seinem Girokonto ab. Dort lagert die erstattete Kaution, die er nach der Kündigung seiner Wohnung in Stuttgart bekommen hat. Friseur ist Luxus, einmal war er seit März dort. Ansonsten werden Bart und Haare mit einem Langhaarschneider „bearbeitet“. Mit dabei hat er außerdem zwei Paar Schuhe, eine Radlerhose, Regenjacke und -hose, Helm, zwei Shirts, Boxershorts und Socken. 80 Kilogramm Gepäck trägt sein Discounterrad. „Eigentlich wollte ich nur bis August unterwegs sein, aber ich bin noch immer on the road“, sagt er lachend. Bis Dezember will er seine Tour fortsetzen.

Seine Erfahrungen postet er auf Facebook – „Dein Leben rockt – mit Florian Bassfeld“. 2782 Fans verfolgen sein Abenteuer; lesen von Höhen – wenn er zum Beispiel einige Tage von für ihn wildfremden Menschen begleitet wird – und Tiefen, wenn er nirgends Unterschlupf findet und am See schlafen muss, in dem er sich und seine Wäsche wäscht, oder wenn er abends im Supermarkt nach nicht mehr verkaufbarer Nahrung fragt, die sowieso entsorgt werden würde. „Diese Hürde musste ich erst einmal nehmen – fragen, fremde Leute ansprechen“, sagt er. Zahlreiche Absagen kassierte er, irgendwann hörte er es: ,Ja, bedienen Sie sich!’ Frustrationstoleranz trainieren: abgehakt. Wieder einen Schritt weiter, seine Ängste zu besiegen.

30 bis 60 Kilometer fährt er am Tag, nur zwei Wochen pausierte er – einmal bei einer Familie, bei der er Unterschlupf fand. Gegenleistung: am renovierungsbedürftigen Haus anpacken. Und im August parkte er sein Rad einige Tage, um mit seiner Familie seinen Geburtstag zu feiern. Die war von seinem Vorhaben zunächst nicht begeistert. „Aber jetzt finden sie es toll.“

Sein Fazit nach 184 Tagen: „Man braucht erstaunlich wenig, um glücklich zu sein. Geld ist nur Mittel zum Zweck und spielt eine sekundäre Rolle.“ Und nun, nie wieder arbeiten? „Im klassischen Job sehe ich mich nicht“, gibt er zu. Irgendwie sei seine Reise ja auch ein Job: Berichte schreiben und anderen Menschen Mut machen. Sein Lohn seien die Kommentare auf Facebook, wenn sich Leser motiviert und inspiriert fühlen. „Das Wenn-dann-Denken habe ich abgelegt“, sagt er. Sein nächstes Ziel: ohne Geld durch Großbritannien. Das große Ziel: eine Weltreise. Wir werden es auf Facebook verfolgen.

Kostenloses im Internet

Es gibt sie: Menschen, die ohne Gegenleistung etwas abgeben. Im Internet finden sich einige Plattformen, die das beweisen: Freecycle ist eine Bewegung von Menschen (neun Millionen Mitglieder), die verschiedene Dinge verschenken. Eine Gruppe gibt es u. a. in Lübeck. Lebensmittel teilen anstatt sie wegzuwerfen kann man auf Foodsharing . Auf Book Crossing können Bücher weitergegeben und mithilfe eines Paketaufklebers zum Ausdrucken sogar kostenfrei verschickt werden. Weltweit kostenfreie Übernachtungsmöglichkeiten finden Interessierte unter Be Welcome . Mundraub zeigt eine Karte mit Fundorten für heimische Früchte, Nüsse und Sträucher im öffentlichen Raum. Mit anderen Worten:

legal pflücken, ernten und sammeln.

Jana Franke

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