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Mittelalterliche Papsturkunden im Stadtarchiv zu sehen

Wismar Mittelalterliche Papsturkunden im Stadtarchiv zu sehen

Morgen um 19 Uhr lädt die Einrichtung zusammen mit ihrem Förderverein zu einer ganz besonderen „Archivalie des Monats“ ein.

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Die wertvollen Urkunden sind nur morgen Abend im Archiv öffentlich zu sehen.

Quelle: privat

Wismar. Passend zur Papstwahl werden echte Schätze aus dem Stadtarchiv gezeigt — drei Papsturkunden und eine von zehn Kardinälen. Sie sind nur am morgigen Mittwoch um 19 Uhr zu sehen.

Als es am vergangenen Mittwochabend auf dem Petersplatz in Rom hieß „Habemus Papam!“, sagte sich Stadtarchivar Nils Jörn „Den haben wir auch! Und wir zeigen ihn sogar! Zwar nur einen Abend und nicht den aktuellen, wir zeigen drei mittelalterliche Urkunden von Papst Bonifatius IX.“

Er lebte von 1350 bis 1404 und war ab dem Jahr 1389 Papst. „Damit wird auch klar, wieso wir überhaupt diese Papsturkunden haben. Sie sind aus der Zeit, in der es zwei Päpste gab“, so Nils Jörn.

Während der Zeit des sogenannten Schismas regierte er in Rom, während in Avignon Clemens VII. amtierte. „Damit die überhaupt leben konnten und Einkünfte hatten, waren sie hektisch im Ausstellen von Urkunden.“ Das ließen die beiden Päpste sich natürlich bezahlen.

„Der Wismarer Rat war pfiffig. Er hat sich das Privileg vom Papst bescheinigen lassen, dass der Rat selbst entscheiden kann, vor welchem Gericht er verklagt wird“, erklärt Dr. Jörn. Ein juristischer Schachzug. Wie groß die Kirchenspende des Rates dafür war, ist nicht bekannt. Die Urkunde ist vom 1. Februar 1400. „Eine Zeit, über die wir als Historiker wenig gesicherte Informationen haben.“ Der Abt von Doberan wurde übrigens zum Beschützer dieses päpstlichen Privilegs benannt.

Die zweite Papsturkunde ist vom 28. April 1403. „Der gleiche Papst überträgt einem Magister Dankquard Clentze die Pfarre an St. Marien“, so Dr. Jörn. Etwas, was völlig unverständlich ist. „Das würde normalerweise der Bischof von Schwerin machen, nicht gleich der Papst.“

Ein Kirchenkritiker könnte natürlich auch hier über finanzielle Interessen spekulieren. Der Blick in „Reclams Lexikon der Päpste“ erklärt, was für ein Mensch Bonifatius IX. war. „Er war das genaue Gegenteil seines Vorgängers, wenig gebildet oder amtserfahren, dafür aber kontaktfreudig, praktisch und realistisch, geschickt in der Menschenführung, und von überzeugender Wortgewandheit.“

Den größten „Schauwert“ hat die Urkunde von zehn Kardinälen aus Rom, reich koloriert und mit zehn großen Siegeln. Acht davon sind noch intakt. Auch hier geht es um das liebe Geld. In der Urkunde vom 10. Juli 1475 wird ein Ablass verkündet: „Verherrlichen und Wiederherstellung der Klause der Heiligen Dreifaltigkeit in der Schweriner Diözese“. „Das war eine Lizenz zum Geldeinsammeln“, schmunzelt Historiker Nils Jörn.

Die Urkunden können sich Interessenten nur morgen anschauen. Danach werden sie wieder sicher und geschützt im Archiv verwahrt.

Der Eintritt zur „Archivalie des Monats“ kostet für Nichtmitglieder drei Euro. Das Geld kommt dem Förderverein zugute.

Förderverein
Der Verein „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar“ wurde im Februar mit fast 50 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Ziel des Vereins ist es, einerseits die Geschichte Wismars lebendig zu machen und andererseits dem Archiv zu helfen, wertvolle Archivalien zu zeigen und auch zu restaurieren.


Mehr Informationen unter www.archivverein-wismar.de.

Nicole Hollatz

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