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Musikverbot für Boltenhagens Kurpark

Boltenhagen Musikverbot für Boltenhagens Kurpark

Ein Anwohner ist gegen die Genehmigung der Veranstaltungen im Kurpark des Ostseebades vorgegangen / Und er ist offenbar im Recht / Sämtliche Veranstaltungen für 2017 wurden vorerst geblockt

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Der Blick vom Strand in Richtung Kurpark: Die Aufnahme stammt aus dem 19. Jahrhundert, die Kurmuschel wurde 1929 errichtet.

Boltenhagen. Das Ostseebad Boltenhagen könnte bald zum leisesten Veranstaltungsort in der Region mutieren. Der Grund: Ein Anwohner klagt gegen den Veranstaltungsbescheid der Konzertbühne. Zukünftig könnten im Kurpark keine Veranstaltungen mehr stattfinden, da sich der Anwohner aufgrund des Lärms gestört fühlt. Sonntags dürften Veranstaltungen beispielsweise nicht lauter als 55 Dezibel sein, ein Staubsauger oder Haartrockner haben im Vergleich rund 70 Dezibel. Allein beim Stimmen der Instrumente würde dieser Wert schon überschritten werden.

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Ein Anwohner ist gegen die Genehmigung der Veranstaltungen im Kurpark des Ostseebades vorgegangen / Und er ist offenbar im Recht / Sämtliche Veranstaltungen für 2017 wurden vorerst geblockt

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Musik wird oft nicht schön gefunden, Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Wilhelm Busch (1872)

Seit 1929 gibt es in Boltenhagen eine Konzertbühne. Damals war es noch der Konzertgarten eines Hotels. Seitdem finden dort regelmäßig Veranstaltungen statt, in der Saison gibt es jeden Tag ein Programm auf der Bühne. Der Kurpark und die Bühne sind seit Jahrzehnten das Zentrum des Ostseebades. Nun stellt sich die Frage, welche Art von Veranstaltungen in diesem Zentrum zulässig sind und ob die dort lebenden Menschen vor Lärm zu schützen sind?

Der Kurbetriebsausschuss hat sich mit dem Thema bereits befasst. Wie Kurdirektorin Claudia Hörl mitteilt, habe der Ausschuss die Empfehlung auf den Weg gebracht, einen Planer zu beauftragen, um nach Lösungen zu suchen. „Vielleicht gibt es Schallschutzmaßnahmen oder eine andere Lösung“, so die enttäuschte Kurdirektorin. „Wir haben viel Arbeit in die Veranstaltungen im Kurpark gesteckt und die Gäste erwarten auch ein abwechslungsreiches Veranstaltungsangebot, wenn sie nach Boltenhagen kommen. Weil sich ein Anwohner gestört fühlt, können wir so aber vielleicht nicht mehr weitermachen. Ich befürchte schon jetzt eine große Beschwerdewelle wegen nicht durchgeführter Veranstaltungen.“

Dieser Anwohner ist nach Informationen der OSTSEE-ZEITUNG ein Investor aus Boltenhagen, der offenbar eine Gesetzeslücke entdeckt hat. Denn der Kurpark ist nicht als eine Sonderfläche für Veranstaltungen im Bebauungsplan ausgewiesen und es gibt auch keine Sondernutzung in der Baugenehmigung. Dies wäre aber notwendig, um Veranstaltungen in einem Mischgebiet wie dem Areal des Kurparks uneingeschränkt durchführen zu können. Warum es diesen Planungsfehler gibt, ist unklar. Bürgermeister Christian Schmiedeberg dazu: „Die Situation ist total ärgerlich. Ich befürchte, dass Einschränkungen kommen werden. Das schlimmste wäre, wenn das Amt Genehmigungen für unsere Veranstaltungen nicht mehr erteilt. Davon gehe ich aber nicht aus. Wir wollen ein Planungsbüro beauftragen, um zu prüfen, unter welchen Bedingungen die Werte technisch eingehalten werden können. Allerdings sagt das Gesetz, dass nach jetzigem Stand im Mischgebiet zumindest zehn Veranstaltungen möglich wären.“

Gemeindevertreter Olaf Claus (Bolte) zeigt Unverständnis: „Die Kurmuschel, in unterschiedlicher Form, gibt es seit den 1930er Jahren. Da gab es immer Kurkonzerte und andere Veranstaltungen. Wir haben dort auch mit Menschen Schach gespielt, das war sicher auch laut“, sagt er. „Ich verstehe nicht, wie man dagegen klagen kann. Das geht gar nicht, da muss man sich als Gemeinde etwas einfallen lassen.

Eigentlich muss da ein Mediator her.“ Olaf Claus übt aber auch Kritik an der Gemeinde, beziehungsweise an früheren Entscheidungen. „Beim Neubau der Kurmuschel und der Umgestaltung des Kurparks wurde der B-Plan 2a aufgelegt, zu dem auch die Cafegärten und weiteres gehören. Damals hat die Gemeinde kein Lärmschutzgutachten erstellen lassen“, sagt er. Dieser Fehler in der Bauleitplanung räche sich nun.

Für das kulturelle Programm in Boltenhagen ist die jetzige Entwicklung aus seiner Sicht eine Katastrophe. „Das Angebot hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Da geben sich die Mitarbeiter der Kurverwaltung sehr viel Mühe“, sagt Claus lobend. Er besuche gerne die Konzerte im Kurpark.

Wie Gerhard Rappen, Amtsvorsteher des Amtes Klützer Winkel, zu dem Boltenhagen gehört, erklärt, „ist das eine unerfreuliche Situation“. Derzeit laufen Gesprächen zwischen Amt, Kurverwaltung und Gemeinde, um Lösungen zu suchen. Eine wäre die Änderung des Bebauungsplanes. Nur: „Das dauert Monate, die Saison 2017 wäre längst gelaufen, wenn wir den B-Plan ändern.“

Schlechter Scherz

Es war eine tolle Saison in Boltenhagen in diesem Jahr. Mit einem Programm im Kurpark, das wirklich herausragend war und mit seiner Mischung alle Generationen begeistert hat. Doch damit ist nun Schluss, weil ein Einzelner sich gestört fühlt.

Dass er die rechtlichen Möglichkeiten hat, einen fast 100 Jahre alten Veranstaltungsort lahmzulegen, ist die eine Seite. Dass er sie ausnutzt, kann man als schlechten Scherz bezeichnen, wenn die Lage nicht so ernst wäre. Hier ist die Politik gefragt, um eine Situation zu bereinigen, die es nie hätte geben dürfen. Und wer sich von Musik aus dem Kurpark gestört fühlt, der hat schlicht und einfach bei der Wohnungssuche geschlafen.

Malte Behnk und Michael Prochnow

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