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Grevesmühlen Frau und Kleinkind sterben bei Brand in Klein Voigtshagen
Mecklenburg Grevesmühlen Frau und Kleinkind sterben bei Brand in Klein Voigtshagen
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15:53 20.01.2019
Das am 19. Januar 2019 ausgebrannte Wohnhaus in Klein Voigtshagen ist von der Polizei abgesperrt. Vor der Pforte sind Kerzen, Blumen und Stofftiere abgelegt worden. Quelle: MALTE BEHNK
Klein Voigtshagen

Am Tag nach dem verheerenden Wohnhausbrand in Klein Voigtshagen, bei dem eine 35 Jahre alte Frau und ein Kleinkind ums Leben kamen, liegt das 100-Einwohner-Dorf in Stille und tiefem Nebel. Vor dem abgebrannten Haus wurden Kerzen, Blumen und Stofftiere abgelegt. Die Menschen in Dassow und der zur Stadt gehörenden 100-Seelen-Gemeinde Klein Voigtshagen trauern um die Frau, die in Boltenhagen als Kellnerin arbeitete, und den kleinen Jungen, der im April zwei Jahre alt geworden wäre. Und sie hoffen, dass der 39-jährige Zimmermann, der bei einem Bauunternehmen in Kalkhorst arbeitet, den Kampf um sein Leben gewinnt.

Eine Frau und ein Kleinkind sind bei einem Brand in Klein Voigtshagen bei Dassow am 19. Januar 2019 ums Leben gekommen. Kerzen und Blumen zeugen von Betroffenheit.

Die Brandursachenermittler arbeiteten sich am Sonntag durch die verkohlten Überreste des Hauses. Frühestens Mitte der Woche wird nach Polizeiangaben mit ersten Ergebnissen gerechnet. Dem Vernehmen nach soll im Haus Freitagabend gefeiert worden sein. Der Brand soll im Erdgeschoss ausgebrochen sein. Von Behörden und Polizei wurden diese Hinweise gestern nicht bestätigt.

Am Sonnabendmorgen gegen 6 Uhr waren die freiwilligen Feuerwehren aus Dassow, Schönberg, Selmsdorf, Harkensee, Roggenstorf und Kalkhorst zu dem Löscheinsatz ausgerückt. Sie waren mit 60 Helfern im Einsatz. Den 39 Jahre alten Mann konnten die Feuerwehrleute schwer verletzt aus dem Haus retten. Er wird in der Uniklinik in Lübeck behandelt.

Feuerwehrleute finden zwei Leichen

Weil der Dachstuhl des Gebäudes eingestürzt und das Treppenhaus nicht betretbar gewesen sei, hatte die Feuerwehr anfangs Probleme, in das Haus zu gelangen, wie ein Polizeisprecher sagte. Als die Einsatzkräfte dann später ins Haus kamen, fanden sie die Leichen des Kleinkindes und der 35 Jahre alten Frau.

Brandursachenermittler der Polizei untersuchten noch am Vormittag die Einsatzstelle. Quelle: MALTE BEHNK

„Die Feuerwehr ist noch rein ins Haus“, weiß Anwohner Heino H., „da war schon alles zusammengebrochen.“ Das Feuer habe sich sehr schnell ausgebreitet, da in den Häusern alles aus Holz sei. Vor ein paar Jahren sei der gelernte Zimmermann (39) aus dem Nachbarort zugezogen, er habe im Dassower Sportverein Fußball gespielt. „Wir kennen uns hier alle“, sagt Heino H., dem das Unglück sehr nahe geht. „Es ist einfach unfassbar.“ Mit den Eltern des betroffenen Ehepaares sei er befreundet. Diese seien am Brandort erschienen und dort psychologisch und seelsorgerisch betreut worden.

Gegen 11 Uhr hatten die Feuerwehrleute den Brand gelöscht. Neben den Rettungskräften war der Kriminaldauerdienst der Polizei Wismar im Einsatz. Brandursachenermittler aus Schwerin übernahmen noch am Vormittag die Untersuchung der Brandstelle. Sie sollen herausfinden, wie das Feuer entstanden war.

Während des Einsatzes der Rettungskräfte war die Ortsdurchfahrt von Klein Voigtshagen komplett gesperrt. Anwohner versorgten die Feuerwehrleute, die seit dem frühen Morgen vor Ort waren, mit Kaffee und Tee.

„Wir leiden mit den Familien, die ich gut kenne. Es gibt kein anderes Thema. Aber wir halten zusammen und werden helfen“, sagte Landrätin Kerstin Weiss (SPD) am Sonntag gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Sie lebt in Dassow und hat zu der Familie und dem Haus eine besondere Beziehung: „Ich habe lange in diesem Haus gewohnt. Es ist schrecklich ....“

Auch Dassows amtierende Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD) ist schockiert von der Nachricht des Unglücks im Ortsteil Klein Voigtshagen. Sie fuhr am Sonnabend zum Brandort, um sich selbst ein Bild zu machen. „Das ist ein sehr tragisches Unglück.“ Die Kameraden von der Feuerwehr seien alle sehr betroffen gewesen, so ihr Eindruck. Sie habe auch mit der Familie telefonieren können, die tief erschüttert sei. Pahl kündigte an, für den überlebenden Familienvater und seine Angehörigen werde es „viel Hilfe“ geben. „Hier kennt jeder jeden. Wir sind füreinander da.“

Brandbekämpfer waren zuletzt oft gefordert

Die Feuerwehren im Landkreis Nordwestmecklenburg mussten im vergangenen Jahr zu vielen Bränden ausrücken. Einerseits spielte der trockene Sommer eine Rolle, als bei Landwirtschaftsbetrieben oder Recyclinghöfen gelöscht werden musste. Andererseits hatte vor allem die Grevesmühlener Feuerwehr viel zu tun, weil ein Brandstifter sein Unwesen trieb.

Bei diesen Großfeuern im vergangenen Jahr kam es glücklicherweise zu keinen Todesfällen. Dennoch müssen die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren bei vielen Einsätzen damit rechnen, Menschen nicht mehr helfen zu können. Um die Belastung durch solche Einsätze aufzufangen, gibt es in der Regel die Möglichkeit, das Erlebte im Gespräch mit den Kameraden zu verarbeiten.

Außerdem gibt es seit 2002 in Mecklenburg-Vorpommern das SbE-Team M-V, ein Nachsorgeteam, das Kräfte nach belastenden Einsätzen unterstützt und begleitet. SbE steht dabei für Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen. Für Nordwestmecklenburg ist der frühere Pastor Dietrich Voß aus Schönberg Teamleiter.

Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Bränden, die sich 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und passen Sie auf sich auf.

Malte Behnk/Andreas Ebel

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