Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Nach Horror-Tat: Eltern wollen Schmerzensgeld zahlen
Mecklenburg Grevesmühlen Nach Horror-Tat: Eltern wollen Schmerzensgeld zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:40 11.12.2017
Großes Medieninteresse am gestrigen Verhandlungstag: Den Angeklagten Ronny B. und seiner Ehefrau Nicole drohen Haftstrafen von mehr als vier Jahren. Quelle: Foto: Michael Prochnow
Anzeige
Grevesmühlen

Am kommenden Montag wird vor dem Schweriner Landgericht das Urteil im Prozess um die schweren Misshandlungen an einem dreijährigen Jungen aus Grevesmühlen verkündet. Gestern gab es die Plädoyers der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der beiden Verteidiger. Den Angeklagten Ronny B. (32) und seiner Ehefrau Nicole B. (36) drohen nach Forderung der Staatsanwaltschaft vier Jahre und zehn Monate beziehungsweise vier Jahre und zwei Monate Haft. Die Anwälte der Beschuldigten forderten eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sie wiesen in ihren Anträgen darauf hin, dass die staatlichen Organe in diesem Fall vollends versagt hätten. „Das Leiden des Kindes in den letzten Wochen hat auch das Jugendamt mit zu verantworten“, erklärte Rechtsanwalt Matthias Wulff, der Verteidiger von Ronny B.

Dass die Behörden teilweise eklatante Fehler gemacht hätten, das betonten auch die Vertreter von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Aber, so die Staatsanwältin in ihrem bewegenden Plädoyer, die Taten „haben allein die Angeklagten begangen“. Sie bezeichnete den leiblichen Vater des Jungen und dessen Ehefrau als „blanke Sadisten“. Sie schilderte in ihrer Ansprache die Leiden des damals drei Jahre alten Kindes, das irgendwann nicht mehr die Kraft gehabt habe, sich zu wehren. „Sie haben ein Kind, das ihrer Fürsorge übergeben worden war, gequält, gefoltert, misshandelt und in Todesgefahr gebracht.“ Auch die Einlassungen zu Beginn der Hauptverhandlung lässt die Anklage nicht als Geständnis gelten. „Die Angeklagten haben hier nur das eingeräumt, was anhand der Fotos und Videos ohnehin nicht zu widerlegen war. Ich bin überzeugt, dass wir nur die Spitze des Eisbergs erfahren haben.“ Das Kind, das in wenigen Tagen fünf Jahre alt wird, sei aufgrund der schweren Misshandlungen bis an sein Lebensende gezeichnet.

Die Folterungen durch die Angeklagten, der Essensentzug, die massiven Schläge und die Vernachlässigungen konnten nachgewiesen werden, weil Nicole B. die Taten filmte und fotografierte. Nur anhand der Daten auf ihrem Mobiltelefon war es den Ermittlern möglich, die Leiden des Jungen mit den Tätern in Verbindung zu bringen.

Vor allem Ronny B. betonte vor Gericht immer wieder, sich nicht an Details erinnern zu können. Die Verhandlung nahm er teilnahmslos hin. Die Chance, die ihm gestern zum Abschluss der Verhandlung der Vorsitzende Richter Armin Lessel in Form des letzten Wortes bot, nahm er lediglich mit dem Satz „Es tut mir leid, wie das alles gekommen ist“ wahr. Seine Ehefrau zeigte als Einzige Emotionen im Gerichtssaal. „Ich schäme mich dafür, dass ich so abartig war“, sagte sie gestern im Gerichtssaal.

Beide Angeklagten haben sich verpflichtet, Schmerzensgeld an den Jungen zu zahlen. 30000 Euro wollen sie aufbringen – in Raten von jeweils 100 Euro. In zwölfeinhalb Jahren soll die Summe dann auf dem Konto des Kindes eingehen. Theoretisch. Denn praktisch sind Ronny und Nicole B. hochverschuldet. Der Lkw-Fahrer hat gerade seinen Job verloren. Seine Kollegen hatten über die Medien von der Geschichte erfahren und ihm Gewalt angedroht. Daraufhin hatte der Arbeitgeber ihn entlassen.

Die Staatsanwältin warf den Angeklagten eine „fassungslose Gleichgültigkeit“ im Gerichtssaal vor und wies mehrfach auf die Grausamkeit der Handlungen hin. So hatte Nicole B. das Kind wiederholt aus dem Schlaf gerissen. „Sie haben ihm nicht einmal die letzte Flucht aus diesem grauenhaften Alltag gewährt.“

Rechtsanwalt Torsten Kossyk aus Grevesmühlen, der als Nebenkläger die Interessen des Jungen vertritt, rechnete ebenfalls mit den Angeklagten ab. „Sie sind nur knapp an einem Tötungsdelikt vorbeigeschrammt“, erklärte er in seinem Plädoyer.

Rolle des Jugendamtes

Erneut gab es im Rahmen der Hauptverhandlung massive Kritik an der

Arbeit des Jugendamtes Nordwestmecklenburg. Angefangen von der Entscheidung des Familiengerichts in Schwerin, das trotz der Bedenken der Heimleitung den Jungen zu seinem Vater gab, bis hin zur Verweigerung des Jugendamtsmitarbeiters aus Wismar, der die Anrufe beim Jugendnotdienst ignorierte. Dabei hatte Nicole B. am 19. April 2016 zweimal dort angerufen und geschildert, dass der Junge sich selbst verletze, die Nahrung verweigere und pausenlos weinen würde. Der zuständige

Jugendamtsmitarbeiter sah darin

allerdings keinen Notfall.

Michael Prochnow

In der Nacht zum 1. Dezember sind vermutlich mehrere Unbekannte in eine Autowerkstatt im Gewerbegebiet Sabower Höhe in Schönberg eingedrungen.

05.12.2017

Es weihnachtet in der Grundschule „Fritz Reuter“ in Grevesmühlen: Eltern, Geschwister, Omas und Opas und jeder andere, der Lust hat, sind am kommenden Freitag in ...

05.12.2017

Spenden für Grevesmühlener Tafel bleiben in Upahl

05.12.2017
Anzeige