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Nach fünf Jahren Prozess um getöteten Jäger abgeschlossen

Grevesmühlen Nach fünf Jahren Prozess um getöteten Jäger abgeschlossen

Der Grevesmühlener Thomas K. wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er soll bei einer Wildschweinjagd einen 50-Jährigen erschossen haben — so sieht es das Gericht.

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Erntejagden, wie hier auf einem Archivbild, sind in Mecklenburg-Vorpommern inzwischen verboten. Lediglich von Hochsitzen aus dürfen die Jäger noch aktiv werden.

Quelle: Archiv

Grevesmühlen. Es ist das Ende eines Prozessmarathons: Das Oberlandesgericht in Rostock hat die Revision von Thomas K. aus Grevesmühlen verworfen. Damit ist die juristische Aufarbeitung des Jagdunfalls, bei dem im Spätsommer 2008 auf einem Feld bei Naschendorf ein 50-jähriger Grevesmühlener getötet worden war, beendet. Das Berufungsurteil des Landgerichts Schwerin ist rechtskräftig. Der Angeklagte Thomas K. (41) aus Grevesmühlen wurde zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zudem muss er Schmerzensgeld an die Witwe des Opfers zahlen.

Fünf Jahre nach dem tragischen Vorfall wird die Akte geschlossen. Doch restlos aufgeklärt ist der Fall damit nicht. Denn die Entscheidung der Gerichte basiert auf einer Indizienkette, Beweise gibt es nicht.

Rückblende: Am 20. September begeben sich Jagdleiter Thomas K., das spätere Opfer Lothar D. sowie zwei weitere Jäger auf einen Maisschlag bei Naschendorf. Während das Feld abgeerntet wird, warten die Männer darauf, dass die Wildschweine aus der Deckung brechen. Später zeigt ein Modell im Gerichtssaal, wie die vier Jäger das Feld umstellt hatten. Lothar D. und Thomas K. können sich nicht sehen, als eine Rotte Wildschweine aus dem Feld rennt. Vier Schüsse gibt K. ab, einmal schießt Rentner Hans R. Zwei Tiere werden getroffen. Und Lothar D.

Der 50-jährige bricht auf dem Feld zusammen, die Jäger rufen den Notarzt. Die Polizei wird alarmiert. Dann passiert etwas, was die Ermittler vor ein großes Problem stellt. Die beiden erlegten Tiere werden vor dem Eintreffen der Polizei ausgeweidet und weggeschafft. Auch die Projektile sind verschwunden. Die Rettungsmaßnahmen auf dem Feld, bei dem der Notarzt und die Sanitäter versuchen, das Leben des 50-Jährigen zu retten, sorgen dafür, dass auch die letzten Spuren zerstört werden. Die Polizisten untersuchen zwar noch tagelang den Tatort, doch verlässliche Spuren gibt es nicht mehr.

Warum die beiden Schweine entsorgt wurden, ohne auf die Polizei zu warten, lässt sich vor Gericht nicht mehr genau klären. Es sei eine chaotische Situation gewesen, sagt Thomas K. später. Er, der vier Schüsse abgegeben hat, wird angeklagt. Rentner Hans R. wird als Zeuge geladen. Doch Zeugen gibt es nicht. Niemand hat gesehen, wie Lothar D. zusammenbrach, geschweige denn, wie er getroffen wurde.

Die Schussfolge lässt sich nur anhand der Aussagen der Jäger nachvollziehen. Die Ermittler präsentieren später ein Maisblatt mit einem Loch. Mithilfe eines Modells wollen sie beweisen, dass das Blatt von jener Kugel durchschlagen wurde, die K. abgefeuert und D. getötet hat. Das Problem: Es gibt kein Projektil im Körper des Toten. Wie bei der Obduktion herauskommt, hat die tödliche Kugel die Visiereinrichtung des Gewehrs des Opfers getroffen, die Splitter hatten im Körper des Jägers derart schwere Verletzungen hervorgerufen, dass er innerlich verblutete. Aus welcher Waffe die Kugel stammt, lässt sich nicht mehr ermitteln.

Die erste Verhandlung gegen Thomas K. beginnt Anfang März 2010 vor dem Wismarer Schöffengericht. Richter Kai Jacobsen führt die Verhandlung, die vor allem von juristischen Grabenkämpfen zwischen Richter und Verteidigung geprägt wird. Viele Jäger verfolgen den Prozess, die Witwe des Opfers tritt als Nebenklägerin auf.

Am Ende steht ein erstes Urteil (Bewährung wegen fahrlässiger Tötung), das viele Fragen offen lässt. Denn einen eindeutigen Beweis, dass Thomas K. den tödlichen Schuss abgegeben hat, gibt es nicht. Verantwortlich für den Unfall ist der 41-Jährige dennoch. Denn als Jagdleiter hätte er bei der Aufstellung der Schützen um den Maisschlag darauf achten müssen, dass so etwas nicht passieren kann. Die schnelle Schussfolge, in deren Verlauf er innerhalb weniger Sekunden vier Kugeln abfeuerte, wurde ihm vor Gericht ebenfalls vorgeworfen. Er habe sich mitreißen lassen, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte geht in Berufung. Vor dem Schweriner Landgericht wird die Wismarer Entscheidung bestätigt. Doch auch hier gibt es mehr Fragen als Antworten. Die Verteidigung legt Revision ein, will die Entscheidung des Landgerichtes überprüfen lassen.

K. beteuert immer wieder, dass er selbst ein großes Interesse daran habe, den Fall aufzuklären. Der Fall beschäftigt ihn bis heute. Aber die Frage, ob er Lothar D. fahrlässig getötet hat, ist trotz der Entscheidung des OLG nicht restlos geklärt. Auch wenn der Fall, dass Rentner Hans R. als Todesschütze in Betracht kommt, nach Ansicht der Ermittler unwahrscheinlich sei. Gänzlich auszuschließen ist er nicht.

Das Landgericht in Schwerin bestätigte in der Berufungsverhandlung zwar das Urteil aus Wismar. Aber dort lastete man Thomas K. neben dem Umstand, dass er den tödlichen Schuss abgefeuert habe, vor allem seine Verantwortung als Jagdleiter bei dem tragischen Unglück an.

Gesetzesänderung
Nach einer Serie von tödlichen Jagdunfällen im Jahr 2008 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern das Gesetz geändert, das die sogenannten Erntejagden regelt. Somit darf nur noch von Hochsitzen aus geschossen werden, damit sichergestellt wird, dass die Projektile in den Boden einschlagen, wenn das Wild verfehlt wird. Damals starben drei Menschen, einer davon in Naschendorf, bei der Jagd.


Erst vor wenigen Wochen war ein Traktorfahrer auf der Insel Rügen durch die Kugel eines Jägers schwer verletzt worden. Der Mann war getroffen worden, als er mit seinem Fahrzeug auf einem Acker unterwegs war.

 

Michael Prochnow

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