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Nachbarn mit Küchenmesser bedroht

Grevesmühlen Nachbarn mit Küchenmesser bedroht

46-Jähriger wohnt auf Bewährung im Haus. Wenn er trinkt, verliert er oft die Kontrolle.

Grevesmühlen. Mehrere Verfahren wegen Beleidigung, Nötigung und Bedrohung laufen gegen einen 46-Jährigen aus Dassow. Glaubt man seinen Nachbarn, sorgt der Mann regelmäßig für Unruhe in seinem Wohnblock. In dieser Woche muss er sich deshalb vor dem Grevesmühlener Amtsgericht verantworten. Für Richter Hinrich Dimpker ist er kein Unbekannter. „Sie wissen, dass ich stocksauer bin, wenn rauskommt, dass Sie was getrunken haben“, mahnt er zu Beginn der Verhandlung, spielt auf den Alkoholismus des Angeklagten an. Mehrmals habe der Mann schon mit über drei Promille in einer Zelle ausnüchtern müssen.

Neben dem Vorwurf, er habe Nachbarn mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser bedroht und beschimpft sowie grundlos die Polizei alarmiert, dreht sich die Verhandlung vor allem um den 30. September 2012. An diesem Tag soll der Angeklagte einen 14-Jährigen, der im selben Haus wohnt, bedroht und verletzt haben, weil er meinte, eine Sechsjährige vor ihm beschützen zu müssen. „Lass das Mädchen in Ruhe, sonst passiert was. Wenn ich runterkomme, bist du tot“, soll er ihm zugerufen und dann die Finger des Jungen in der Haustür eingeklemmt haben. „Ich hab geblutet wie Sau“, sagt der 14-Jährige aus, stellt den Angeklagten als aggressiven Alkoholiker dar. Es habe keinen Grund gegeben, das Mädchen zu schützen, er habe nur mit ihr getobt.

„Er spielt den Ritter“, formuliert es die Bewährungshelferin des 46-Jährigen diplomatisch. Sie sehe ihn als Opfer, das von der Hausgemeinschaft getriezt werde. Die Kinder provozierten ihn bewusst.

Der 14-jährige Zeuge räumt ein, den Angeklagten angespuckt zu haben. „Es gibt immer jemanden, der ihn als Ziel aussucht und wo er überreagiert“, so die Bewährungshelferin. „Wenn er getrunken hat, hat er das nicht mehr unter Kontrolle.“ Der Mann ist auf Bewährung in dem Wohnblock untergebracht. Er hat bereits einen Entzug hinter sich, ist rückfällig geworden. Auch sie habe schon die Polizei zu ihm schicken müssen, weil er telefonisch ein Blutbad angekündigt habe. Der Dassower leide unter Depressionen. „Wir brauchen professionelle, psychologische Hilfe“, sagt sie. In der zweieinhalbstündigen Verhandlung wirkt der Angeklagte erst ruhig, hält die Hände auf dem Tisch gefaltet. Dann schüttelt er ungläubig den Kopf, springt erregt auf und flüstert immer wieder „Das stimmt nicht“, als Zeugen ihn belasten. Laut deren Aussagen hat er zwei Gesichter, verliert die Kontrolle, wenn er betrunken ist. Bisher sei es bei Drohungen geblieben. Verletzt habe er mit dem Messer niemanden. Doch was, wenn er doch mal ernst macht, wenn es die Kinder und Jugendlichen mit ihren Hänseleien zu weit treiben? Wenn Frust und Alkohol ihn vollkommen die Kontrolle verlieren lassen?

„Ich streng mich ja an, habe ab dem 1. Mai auch Arbeit, das muss doch klappen“, beteuert er. Es wirkt so, als würde er es selbst nicht glauben. Zu viel ist in seinem Leben schiefgelaufen. Der arbeitslose Maurer kommt aus gutem Hause, war einst sportlich aktiv und hatte einen festen Job. Aus verschiedenen Gründen folgte der gesellschaftliche Abstieg. Heute lebt er von Hartz IV. Mehrere Hundert Euro schuldet er der Landeszentralkasse, wegen Verfahrenskosten und Polizeieinsätzen. „Ich zahle jeden Monat was ab“, sagt der 46-Jährige treuherzig. Warum er denn mit dem Messer gedroht habe, fragt ihn der Richter. Die Antwort: „Ich mach nichts — ich darf ja nicht!“ Er will sich wehren, ärgert sich über die Bewährungsauflagen, die ihn einschränken.

Dem Gericht fällt es schwer, die Glaubwürdigkeit der teils widersprüchlichen Zeugenaussagen zu beurteilen. Die Tatbestände vermischen sich, auch Dimpker hat Mühe, in den vielen Dokumenten, die vor ihm ausgebreitet sind, den Überblick zu behalten. Ein elfjähriger Zeuge wird als am glaubwürdigsten eingestuft. Seinen Schilderungen zufolge hat der 14-Jährige zu dem Angeklagten gesagt: „Halt die Fresse, du Arschloch.“ Der Elfjährige bezeugt, dass der Angeklagte provoziert worden ist, sagt aus, er habe auch gesehen, wie dieser absichtlich die Hand des 14-Jährigen in der Haustür einklemmte.

Die Fäden in diesem Fall zu entwirren, gelingt dem Gericht in dieser Woche nicht. Die Fortsetzung des Verfahrens ist für den 2. Mai angesetzt. Dann sollen zwei Polizeibeamten versuchen, etwas mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Melina Ulbrich

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