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Nahverkehr: Viele Baustellen bei der Barrierefreiheit

Grevesmühlen Nahverkehr: Viele Baustellen bei der Barrierefreiheit

Nahbus-Chef, Senioren und Behindertenbeirat haben sich ausgetauscht

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Weil es vielerorts keine angepassten Haltestellen gibt, ist schon das Einsteigen in den Bus für viele Fahrgäste ein Problem. FOTO: K.-E. SCHMIDT

Grevesmühlen. . Beim öffentlichen Nahverkehr muss in Sachen Barrierefreiheit noch einiges getan werden. Das ist das Ergebnis der Gespräche zwischen Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau mit Senioren und dem Behindertenbeirat des Landkreises Nordwestmecklenburg, die am Mittwoch in der Malzfabrik stattgefunden haben. „Der ÖPNV ist alles andere als barrierefrei“, fasste Wolfgang Griese, Vorsitzender des Behindertenbeirates, zusammen. „Vor allem für Menschen mit Seh- und Mobilitätseinschränkungen ist es nicht leicht“, so der 68-Jährige. Doch auch Mütter mit Kinderwagen seien betroffen.

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„Der ÖPNV

ist alles andere

als barrierefrei. Vor allem für Menschen mit Seh- und Mobilitätsein-schränkungen ist es nicht leicht.Wolfgang Griese, Vorsitzender des Behindertenbeirates des Landkreises Nordwestmecklenburg

Niederflurbusse und passende Haltestellen sind notwendig

Deshalb ist die Anschaffung weiterer Niederflurbusse ein absolutes Muss, betonte der Behindertenbeirat. Laut Jörg Lettau zählen aktuell 50 Prozent des Fahrzeugbestandes bei Nahbus zu diesem Typ. Das Unternehmen habe bereits 25 Niederflurbusse bestellt. „14 sind schon da, elf weitere kommen im nächsten Jahr“, erklärte Lettau. Doch mit der Anschaffung der Busse sei es noch nicht getan. „Wir benötigen dafür auch kompatible Haltestellen“, betonte Griese. Enorme Einstiegshöhen, zu kleine Beschriftungen an den Fahrplänen, fehlende Blindenleitsysteme – an vielen Orten im Landkreis gebe es Nachbesserungsbedarf. „In dieser Sache sind wir auf einem Weg, der nicht zufriedenstellt“, so Griese. Denn die seit 2009 geltende UN-Behindertenrechtskonvention, die auch barrierefreies Bauen vorsieht, werde viel zu häufig missachtet. „Es werden dann doch die billigen Haltestellen-Varianten gebaut. Dabei ist gerade das Nachrüsten teuer“, hieß es vom Behindertenbeirat.

Lettau und das Gremium wollen sich demnächst nochmal zusammensetzen, um über die Problematik Fahrgasthaltestellen zu reden. Das Nahverkehrsunternehmen habe mittlerweile sogar einen Mitarbeiter für das Thema abgestellt, sagte Lettau. „Ein toller Kompromiss“, meinte Griese. Doch in Nordwestmecklenburg gebe es rund 2000 Haltestellen. Da sei ein Mitarbeiter zu wenig.

Mehr Verantwortung vom Landkreis gefordert

Deshalb sehen Behindertenbeirat und auch Nahbus-Chef Jörg Lettau den Kreis in der Verantwortung. Vor allem der Fachbereich Verkehr müsse in die Pflicht genommen werden. „Es handelt sich bei Haltestellen um Verkehrsbaumaßnahmen. Wir müssen Arbeit machen, die die Behörde machen müsste“, meinte Griese. Lettau schob allerdings auch die Frage ein, ob auf dem platten Land eine Vollausstattung hinsichtlich der Barrierefreiheit nötig sei. „Wir wehren uns gegen solche Differenzierungen. Man kann den Bedarf nicht voraussehen. Und abgespeckte Varianten sind gefährlich“, entgegnete Behindertenbeiratsmitglied Wolfgang Itter.

Wünsche für Buslinien geäußert

Weitere Themen bei der Diskussion in der Malzfabrik waren das fehlende Ansagensystem für Haltestellen, die mangelhafte Verknüpfung zwischen Bus- und Bahnverkehr sowie diverse Buslinienwünsche. So setzte sich Griese dafür ein, wieder eine Linie vom Wismarer Bahnhof nach Boltenhagen anzubieten. Gäste aus ganz Deutschland würden wegen des Ausbildungszentrums für Menschen mit Sehbehinderung im Ostseebad mit dem Zug in Wismar ankommen und hätten keine direkte Verbindung, um nach Boltenhagen weiterzureisen.

Auch eine Direktlinie von Wismar nach Lübeck wurde angesprochen. „Die wird es nicht geben, denn die Strecke ist länger als 50 Kilometer“, antwortete Lettau. Ein Zwischenstopp in Grevesmühlen sei nötig. „Doch man könnte schauen, ob der Bus, der in Grevesmühlen hält, unter einer anderen Nummer nach Lübeck weiterfährt“, stellte der Nahbus-Geschäftsführer in Aussicht.

Schritt für Schritt in Richtung Barrierefreiheit

Wolfgang Griese zeigte sich nach den Gesprächen zufrieden. „Es gab viel Verständnis füreinander.“ Auch er wisse, dass nicht alles sofort umsetzbar sei. „Doch diese Debatten bringen das Thema Schritt für Schritt voran. Ich bin guter Dinge, dass wir in Sachen Barrierefreiheit in Zukunft mehr und mehr umsetzen können“, betonte der Vorsitzende des Behindertenbeirates.

Daniel Heidmann

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