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Grevesmühlen Nandu-Plage an der Ostsee: Wilde Laufvögel machen Menschen ratlos - und neugierig
Mecklenburg Grevesmühlen Nandu-Plage an der Ostsee: Wilde Laufvögel machen Menschen ratlos - und neugierig
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08:26 25.03.2019
Einer der wildlebenden Nandus frisst in einem Rapsfeld . Quelle: Jens Büttner/dpa
Utecht

Das Rapsfeld nahe Utecht am Ratzeburger See ist Nandu-Land. Gut ein Dutzend graue Laufvögel, wenig kleiner als Strauße, zupfen an den jungen Trieben. Einige liegen auch gemütlich in der Saat und springen erst auf, als Bauer Reinhard Jahnke bis auf wenige Meter herangekommen ist. Nach ein paar Schritten schon senken sie wieder den Kopf und knabbern am Raps. „Die wissen genau, dass sie hier keine Feinde haben“, sagt der Landwirt resigniert. Manchmal seien auch noch Touristen da und fütterten die Tiere mit Äpfeln und Chips. Jahnke findet das unmöglich.

560 Laufvögel leben im Grenzland von MV und SH

Im Grenzland von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, nahe des Ratzeburger Sees, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die einzige wildlebende Nandu-Population Europas fest etabliert. Bei der jüngsten Zählung im vergangenen Herbst wurden 560 Tiere erfasst - mehr als doppelt so viele wie im Frühling 2018. Sie alle stammen von einer Handvoll Nandus ab, die um die Jahrtausendwende aus einem Gehege bei Lübeck ausgebrochen waren.

Sommer 2018 tat der Nandu-Population gut

Kaum einer dachte damals, dass sie den Winter überleben würden. Doch die in Südamerika beheimateten Tiere trotzten Schnee, Nässe und Kälte und vermehrten sich - mangels natürlicher Feinde und dank eines hervorragenden Nahrungsangebots - prächtig. Der trockene, heiße Sommer 2018 hat ihnen gut getan, vermutet Jahnke angesichts der nach oben geschnellten Bestandszahl. Im vergangenen Herbst seien auffällig viele Jungvögel gezählt worden - obwohl Ranger und Bauern seit zwei Jahren die Nandu-Eier, die sie finden, anbohren, um sie unfruchtbar zu machen. Das soll die Entwicklung der Population eindämmen.

Doch der Mensch hat die Rechnung ohne den Nandu gemacht. Die mit dem Brutgeschäft betrauten Hähne, so vermuten Beobachter, merken rasch, wenn sich in den Eiern nichts mehr tut und bauen neue Nester, in welche die Hennen neue Eier legen. „Wir haben noch im August Nester gefunden“, berichtet Jahnke.

Landwirt hält Eier-Anbohren für idiotisch

Landwirt und Ökologe Thomas Böhm hält im benachbarten Schattin (Landkreis Nordwestmecklenburg) Galloway-Rinder. Das Eier-Anbohren hält er schlicht für idiotisch. „Das nützt alles nichts mehr.“ Die einzige Chance wäre gewesen, ganz am Anfang die wenigen ausgebrochenen Tiere zu schießen, sagt er. Der Nandu ist aus seiner Sicht ein ökologisches Problem. „Er schadet einheimischen Arten.“ Er sei ein Lebensraum-Konkurrent für Störche und Kraniche.

Auch die Touristen sieht Böhm nicht gerne. „Ihre Hemmungslosigkeit nimmt zu“, klagt er. Auf der Suche nach Nandus gingen sie in Naturschutz-Kernzonen, deren Betreten verboten sei, liefen auf Feldern herum und überstiegen Weidezäune. Das sei nicht ungefährlich. Mancher Tourist ignoriere selbst Warnschilder, die auf Bullen auf der Weide hinweisen. „Wir warten auf den ersten Unfall“, sagt Böhm.

Elektrozaun soll Nandus fernhalten

In Utecht hat Bauer Jahnke sein Rapsfeld mit einem Elektrozaun zur Straße hin abgesperrt. „Das sollte die Nandus abhalten, die von den Wiesen am See heraufkommen“, sagt er. Genutzt hat es nichts. Mitunter grasen 60, 70 Nandus auf dem Feld, berichtet Jahnke. Er hat es mit dem Abspielen vom Puma-Geräuschen probiert - Pumas sind Fressfeinde der Nandus in Südamerika. Aber auch das habe die Tiere nicht nachhaltig beeindruckt.

„Das einzige, was für ein, zwei Tage Wirkung zeigt, ist, mit dem Quad hinter den Nandus her über das Feld zu preschen.“ Das Gefährt sei laut und könne von der Geschwindigkeit her mit den Laufvögeln, die bis zu 60 Kilometer pro Stunde schaffen, mithalten. „Wenn sie dann am nächsten Tag das Quad am Feldrand sehen, laufen sie weg.“

An der Straßenseite des Feldes, dort, wo der Elektrozaun versagt hat, fehlt auf einem etwa 30 Meter breiten Streifen schätzungsweise die Hälfte der Pflanzen. Überall sind Nandu-Fußspuren zu sehen. Vor allem den eiweißreichen Raps lieben sie. Aber sie fressen auch Getreide, weiß Bauer Jahnke.

Nandu-Geschädigte wollen Geld vom Land

Er schätzt seine Verluste an die Nandus im vergangenen Jahr auf 7000 Euro. Dieses Jahr will er beim Landwirtschaftsministerium in Schwerin Entschädigung beantragen. Bisher gab es für Nandu-Geschädigte nichts. Dieses Jahr könnte es erstmals Geld aus einem Topf für Schäden durch Zugvögel geben, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, Petra Böttcher.

Ende März werden die Nandus wieder gezählt. Bauer Jahnke geht davon aus, dass im zurückliegenden, weitgehend milden Winter kaum Jungtiere gestorben sind. Da sie zwei bis drei Jahre bis zur Geschlechtsreife brauchen, rechnet er mit einer Explosion der Bestandszahl 2020. „Dann könnte die Grenze von 1000 überschritten werden, wenn nichts passiert“, prognostiziert er.

Geschäftsführerin Böttcher hatte im Herbst vorgeschlagen, männliche Tiere abzuschießen. Doch Ökologe Böhm ist sicher, dass es nichts bringt, solange nicht alle geschossen werden - was seiner Meinung nach wiederum wohl kein Politiker anordnen wird. „Die Nandus werden einfach mit einer höheren Reproduktionsrate reagieren“, sagt er.

Mehr dazu:

Wilde Nandus in MV: Zahl der Tiere mehr als verdoppelt

Nandu bei Verkehrsunfall in MV getötet

Iris Leithold/RND/dpa

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