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Grevesmühlen Neuanfang im Nordwestkreis
Mecklenburg Grevesmühlen Neuanfang im Nordwestkreis
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03:46 18.07.2013
Sara Da Silva-Lourenco (22) und der 21-jährige Daniel Juan Barbosa fühlen sich bereits wohl in Deutschland. Fotos (3): Robert Niemeyer
Groß Schwansee

Die einen haben keine Azubis, dafür eine Menge freier Ausbildungsstellen, bei den anderen ist es genau andersherum. Da erscheint es nur logisch, beide zusammenzubringen. In Groß Schwansee sind gestern elf junge Spanier vorgestellt worden, die in diesem Jahr eine Ausbildung im Nordwestkreis beginnen möchten. Besonders die Hotel- und Gastrobranche, die derzeit nicht gerade mit Bewerbungen überhäuft wird, profitiert davon. Im Gutshaus Stellshagen, im Hotel Schlossgut Groß Schwansee sowie in der Spieloase Dorf Mecklenburg versuchen die Gäste aus Südeuropa ihr Glück. „Wir möchten damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten“, sagte gestern Dirk Heyden, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Schwerin. In Westmecklenburg werden insgesamt 60 Spanier ihr Glück versuchen.

Seit Jahresbeginn fördert die Bundesregierung die Anwerbung ausbildungsinteressierter Menschen aus dem europäischen Ausland. 140 Millionen Euro stellt der Bund für das sogenannte Programm MobiPro-EU in den nächsten drei Jahren zur Verfügung. Damit wird nicht nur die Suche nach geeigneten Kandidaten finanziert, sondern die Reisekosten und Deutschkurse. „Wesentliches Merkmal ist, dass dies eine gesteuerte Zuwanderung ist“, sagte Dirk Heyden.

In den ersten sechs Wochen absolvieren die Spanier, allesamt stammen sie von der Urlaubsinsel Mallorca, ein Praktikum in ihrem Betrieb. Wenn alles passt, werden die Ausbildungsverträge zum 1.

September unterschrieben. Über die Bundesmittel gibt es eine Praktikumsvergütung von 818 Euro, davon zahlen die Betriebe 200 Euro. Mit Beginn der Ausbildung übernehmen sie die tarifübliche Vergütung.

„Das ist für uns alle ein Riesenabenteuer“, sagte Gertrud Cordes, Chefin im Gutshaus Stellshagen, die gleich Stellen mit Spaniern besetzen möchte. „Ich habe im Hotelfach nicht eine Bewerbung in diesem Jahr gehabt“, sagte Cordes. Den ersten Blickkontakt mit den Kandidaten hatte es übrigens über das Internet per Webcam gegeben.

Auch der Geschäftsführer des Schlossgutes Groß Schwansee freut sich auf die neue Herausforderung. „Ich hoffe, dass wir ein gutes Miteinander finden und dass sie im Anschluss an die Ausbildung bleiben.“ Die neuen Mitarbeiter sollen sich auch im Alltag in Deutschland zurecht finden. Für die entsprechende Unterstützung habe der Betrieb gesorgt.

Die Chancen auf einen Verbleib stehen offenbar bereits jetzt gar nicht so schlecht. „Ich fühle mich fast schon wie zu Hause. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so schnell wohlfühle“, sagt der 21-jährige Daniel Juan Barbosa, gebürtiger Mallorquiner, der in Stellshagen als Bäcker anfängt. In Spanien habe es für ihn nur schlecht bezahlte Minijobs gegeben. Die Sprache hier sei zwar schwierig.

„Aber ich möchte es schaffen.“

„Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden. Ich hatte erwartet, dass der Empfang etwas kühler ist“, sagte Oscár Ruiz. Der 20-jährige gebürtige Argentinier zog als Kind mit seiner Familie nach Spanien. „Hier habe ich die Chance, eine gute Ausbildung zu bekommen.“

Einen ähnlich weiten Weg hat Sara Da Silva-Lourenco hinter sich. Geboren in Rio de Janeiro (Brasilien) zog sie vor sechs Jahren zu ihrer Mutter nach Spanien. „Die Wirklichkeit in Spanien ist noch schlimmer, als es in der Zeitung steht“, sagt die 22-Jährige. In Spanien sind mehr als 50 Prozent der potenziell Erwerbstätigen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Job. Auch sie hofft, dass sie in Deutschland als Hotelfachfrau eine Zukunft für sich und ihre Familie findet.

140 Millionen Euro für MobiPro-EU
Seit Januar gibt es ein Sonderprogramm zur Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa, kurz MobiPro-EU. Es richtet sich an junge Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die in Deutschland eine betriebliche Berufsausbildung oder eine qualifizierte Beschäftigung in einem sogenannten Mangelberuf aufnehmen. 140 Millionen Euro gibt der Bund dafür in dem dreijährigen Zeitraum des Programms aus.

Robert Niemeyer

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