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Grevesmühlen Leser bald auf digitalen Pfaden unterwegs?
Mecklenburg Grevesmühlen Leser bald auf digitalen Pfaden unterwegs?
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15:16 06.11.2018
Wollen in der Stadtbibliothek Grevesmühlen einiges umkrempeln: die neue Leiterin Khadja Struck (48, l.) und ihre FSJlerin Susann Lohs (19). Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

Kinder nutzen gern die Stadtbibliothek in Grevesmühlen. In der obersten Etage stöbern sie im Schnitt eine halbe bis eine Stunde pro Besuch inmitten der Bücher. Ein Stockwerk tiefer ist das Reich der Erwachsenen. Auch hier ist oft reger Betrieb. Weniger interessant scheint das Haus für Jugendliche zu sein. Eine regelrechte Talfahrt machen die Zahlen in der Statistik, was junge Nutzer im Alter von 13 bis 20 Jahre angeht. Das und vieles mehr will die neue Leiterin der Stadtbibliothek ändern. Neue Besen kehren gut? Auf Khadja Struck trifft der Spruch in jedem Fall zu. Altbewährtes tauscht sie gegen neue Ideen – und hofft auf viele neue Nutzer. Nur zwei entscheidende Sachen könnten ihr im Weg sein: fehlendes Geld und Personal.

Jugendliche ansprechen

Mit 27 Jahren aus Marokko nach Deutschland ausgewandert, war Khadja Struck gezwungen, neue Wege zu gehen. In ihrer alten Heimat studierte sie Chemie, doch ihr Diplom ist hier nicht anerkannt worden. Im nordrhein-westfälischen Langenfeld begann die 48-Jährige eine Ausbildung in der Stadtbibliothek. Um dort Jugendliche zu locken, seien Arbeits- und Internetplätze eingerichtet worden. Auch das Angebot an Jugendbüchern sei deutlich verbessert worden. Und: Kinder bis 14 Jahre konnten kostenlos Mitglied der Stadtbibliothek sein. „Das wünsche ich mir auch für Grevesmühlen“, sagt sie. Zwar würden Kinder und Jugendliche in Grevesmühlen nur acht Euro im Jahr zahlen und unterm Strich sei das nicht viel Geld, „aber für einkommensschwache Familien ist das schon ein Hindernis“, glaubt sie. Ein weiterer Wunsch: „Ich möchte sonnabends öffnen.“ Doch bisher sei das von der Stadtverwaltung nicht geplant. Einen Versuch startet sie an den Adventssamstagen vom 8. bis 22. Dezember. Von 11 bis 16 Uhr will sie die Türen der Stadtbibliothek öffnen. „Ich erlebe es, dass viele Nutzer freitags nach der Arbeit angehetzt kommen, um noch Bücher zu holen oder abzugeben. Mit Öffnungszeiten am Samstag wäre es für die Kunden viel entspannter“, sagt die Bibliothekarin, die in Kirch Stück zu Hause ist.

Angebot digitaler Medien

Im kommenden Jahr, so ihr Wunsch, möchte sie auch die Onleihe realisieren – also das Herunterladen von Lesestücken auf den Computer oder das Tablet. Das Problem: Die sogenannte Erneuerungsquote der Bibliothek muss bei sieben Prozent liegen, so legte es die Fachstelle in Rostock für Grevesmühlen mit weniger als 20000 Einwohnern fest. Derzeit liegt die jährliche Erneuerungsquote – also das Anschaffen von neuen Büchern in den Regalen – bei unter vier Prozent. Zudem müssen die Bibliotheksmitarbeiter für das Angebot der Onleihe regelmäßig Fortbildungen besuchen. Da Khadja Struck die einzige Bibliotheksangestellte ist – derzeit wird sie von Susann Lohs unterstützt, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert –, ist die Umsetzung schwierig. Und: Für die Onleihe, die mit dem Erwerb von Lizenzen verbunden ist, muss die Stadt einen ordentlichen Batzen Geld in die Hand nehmen. Erfahrungswerte zeigen der neuen Leiterin, dass es eine fünfstellige Summe im unteren Bereich ist. In der näheren Umgebung gibt es in der Wismarer und Gadebuscher Bibliothek die Möglichkeit, digitale Medien für einen gewissen Zeitraum herunterzuladen.

Bibliothek kundenfreundlicher gestalten

Träumen von der Zukunft ist die eine Seite der Medaille, das Bestehende attraktiv zu machen die andere. Sowohl den Kinder- und Jugend- als auch den Erwachsenenbereich will Khadja Struck deutlich verändern. Beispiel gefällig? IIJO Dis. Sie können damit nichts anfangen? Wie eben so mancher Nutzer, der die Kombination aus Buchstaben und römischen Zahlen auf den Buchrücken sieht. „Letztlich können damit nur Bibliotheksangestellte etwas anfangen. Der Nutzer weiß aber nicht, ob es sich bei dem Werk um ein Anfänger-, Kindersach- oder Naturkundebuch handelt“, beschreibt Khadja Struck. Sämtliche Medien, von denen die Stadtbibliothek mehr als 32000 zählt, versieht die neue Leiterin mit Aufklebern, die detaillierte Beschreibungen enthalten. „Die Datenbank ist eine große Baustelle, die Medien müssen dringend katalogisiert werden.“ Ein weiterer Service wäre auch die Fernleihe. Bücher, die die Grevesmühlener Bibliothek aus Platzgründen nicht vorhalten kann, könnten aus anderen Bibliotheken besorgt werden. Das sei zum Beispiel auch für Studenten interessant.

Besonders freut sich Khadja Struck über die Zusammenarbeit mit den Schulen. „Meine Erfahrungen sind ganz andere“, erklärt die Mutter einer 17-jährigen Tochter. Die Schulen hätten das Angebot in ihrer alten Arbeitsstelle viel zu selten genutzt. Hier sei das ganz anders. Aber nicht bei allen Mentalitätsunterschieden kommt Nordwestmecklenburg gut weg. Als zugewanderte Ausländerin hat sie es doch manchmal schwer im Landkreis, wie sie sagt, auch wenn sie das nicht verallgemeinern möchte.

Was vermisst sie an ihrer alten Heimat, die sie mindestens einmal im Jahr besucht? „Das Wetter“, sagt sie spontan. Und die Kinder und Jugendlichen, die auch mit Kleinigkeiten zufrieden sind. „Ich sehe das an meiner eigenen Tochter, die eigentlich fast alles hat und dennoch teilweise unzufrieden ist.“ Das gebe es leider viel zu oft in Deutschland. Und welche Buchempfehlung hat die Leiterin parat? „Ich lese sehr gern Erlebnisberichte“, verrät sie. Das Werk „Ich bitte nicht um mein Leben“ von Marina Nemat, eine junge Christin, die dem iranischen Terrorregime entflieht, könnte sie jedes Mal aufs Neue lesen.

Image-Kampagne

Bibliotheken sind langweilig und verstaubt? Mit diesem Vorurteil will die Facebook-Gruppe95 aufräumen. Indirekt beteiligte sich auch die Stadt Grevesmühlen an der Aktion. Unter #thinkbib sammelt die Gruppe provokante, irritierende, lustige und freche Sprüche, die das immer noch herrschende Bild von langweiligen, verstaubten Bibliotheken infrage stellen. Zum Mitmachen animierte die Stadt auf ihrer Internetseite. Bei der Aktion handelte es sich um eine Imagekampagne, die auf der 2. Fachkonferenz der Kinder- und Jugendbibliotheken an der Akademie Remscheid geboren wurde.

Jana Franke

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