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Neue erschütternde Details im Misshandlungsprozess

Grevesmühlen Neue erschütternde Details im Misshandlungsprozess

Im Prozess um die schweren Misshandlungen eines dreijährigen Jungen haben die Angeklagten weitere Taten eingeräumt.

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Nicole und Ronny B. im Schweriner Landgericht.

Quelle: Cornelius Kettler

Grevesmühlen. Mit weiteren erschütternden Details ist am Montag der Prozess wegen Kindesmisshandlung gegen Ronny und Nicole B. aus Grevesmühlen vor dem Schweriner Landgericht fortgesetzt worden. Beiden wird vorgeworfen, den damals drei Jahre alten leiblichen Sohn von Ronny B. Anfang 2016 so schwer misshandelt und vernachlässigt zu haben, dass der Junge schließlich in der Notaufnahme des Wismarer Klinikums landete. Unter anderem hatte das Kind 30 Prozent seines Gewichts verloren, er wurde mehrfach verprügelt, musste stundenlang mit durchnässten Sachen in einer kalten Badewanne sitzen und schlief auf einer völlig verdreckten Matratze.

Bei den Vorwürfen, die die beiden 32 und 36 Jahre alten Angeklagten inzwischen eingeräumt haben, handelt es sich vermutlich nur um einen Bruchteil der Taten. Am dritten Verhandlungstag gaben Ronny und Nicole B., die zum Verhandlungsauftakt noch geschwiegen hatten, die Vorwürfe weitgehend zu.Die 36-jährige Ehefrau des Vaters soll unter anderem den Dreijährigen mit dem Kopf in die verstopfte Toilette gesteckt haben. Das schreibt sie in einer SMS an ihren Mann, die dem Gericht vorliegt: „Aber das habe ich so nicht gemacht, ich habe ihn nur drüber gehalten, um zu zeigen, was er da angestellt hat“, erklärte sie auf Nachfrage des Gerichts. Die Nachricht sei falsch formuliert worden. Das bestätigte auch ihr Mann. Der 32-Jährige: „So was macht meine Frau nicht.“ Die Staatsanwaltschaft kritisierte daraufhin beide Angeklagten. Die Vertreterin der Anklage betonte, dass sie das Gefühl habe, dass in jeder Verhandlungsrunde häppchenweise Zugeständnisse gemacht würden. „Für mich ist das nur ein Heranhangeln an das, was ohnehin schon bewiesen ist.“

Zu Wort kamen erstmals auch Betreuer, die mit dem Jungen vor und nach der Tat in Kontakt standen. So berichtete eine Frau aus der Wohngruppe, in der der damals Zweijährige in Schwerin lebte, dass der Junge „der Sonnenschein der ganzen Gruppe war. Er war ein munteres und aufgeschlossenes Kind, das kontaktfreudig und neugierig war.“ Die Auffälligkeiten begannen, als der leibliche Vater im Jahr 2015 den Jungen immer wieder übers Wochenende zu sich nach Grevesmühlen holte. „Er weinte schon vorher und hielt sich an uns fest, er wollte dort nicht hin“, berichtete die Betreuerin. Dennoch entschied ein Gericht, dass das Kind Ende 2015 zu seinem Vater ziehen musste.

>Nach dem Klinikaufenthalt im Frühjahr 2016 kam der Junge in eine Kita der Diakonie. Sein damaliger Betreuer, Heilerziehungspfleger Dirk M., beschreibt das Kind anfänglich als wenig auffällig. „Er hatte die acht Wochen Eingewöhnungszeit, er war ein fröhliches Kind zu Beginn. Anfangs durfte man kein Essen von seinem Teller nehmen, als er begriffen hatte, dass er jederzeit essen durfte, wurde es besser.“ Doch dann traten andere Probleme zutage, der Dreijährige rastete immer wieder aus, stritt sich mit anderen Kindern, wurde aggressiv. „Es war dann schwer, an ihn ranzukommen, er brauchte eine Weile, dann konnten wir ihn überzeugen, dass er sich entschuldigen musste“, so Dirk M. Entgegen anderen Aussagen habe der Junge nie einen Integrationshelfer gehabt, so der 54-Jährige. Anfangs sei er auch als Regelkind aufgenommen worden, erst später wechselte er die Gruppe, wurde zu einem so genannten Integrationskind. Auffällig so, M., sei gewesen, dass er bei bestimmten Dinge regelrecht panisch reagiert habe. „Als wir einmal sagten, wir wollen zu einem Fest nach Grevesmühlen, hatte er richtig Angst. Es war zu merken, dass ihn etwas belastet.“ Auch der Umgang mit kaltem Wasser sei schwierig gewesen. „Aber er lässt aus seiner Vergangenheit nichts nach außen.“

Michael Prochnow

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