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Grevesmühlen Noch neun Monate bis zum neuen Tarifkonzept für Nahbus
Mecklenburg Grevesmühlen Noch neun Monate bis zum neuen Tarifkonzept für Nahbus
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00:00 05.11.2016
Wir brauchen belast- bare Zahlen.“ Heiner Wilms, SPD-Fraktion

Zumindest eine gute Seite hat das Nahverkehrskonzept von Nordwestmecklenburg, das seit Jahresbeginn im Einsatz ist: Der ländliche Raum wird deutlich besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln versorgt als es vorher der Fall war. Das war es dann allerdings auch schon. Die Liste der Nachteile ist erheblich länger. Und ganz oben steht der Fahrpreis.

Der beträgt nämlich vier Euro, egal ob der Fahrgast die vier Kilometer von Klütz nach Boltenhagen fährt oder 55 von Wismar nach Selmsdorf. Die Folge sind schwindende Fahrgastzahlen und ein Finanzloch von mehr als zwei Millionen Euro beim ÖPNV. Das Problem soll mittels Einführung von Tarifzonen behoben werden, der Kreistag hat am Donnerstag nach teilweise heftigen Debatten zumindest mit der Mehrheit von CDU und SPD ein Datum festgelegt, wann die Tarifzonen eingeführt werden sollen: Zum 1. August.

Fachdienstleiter Roland Finke erläuterte auch warum. „Wir haben einfach keine belastbaren Zahlen über die Fahrgäste auf den unterschiedlichen Routen. Die liegen erst zum Jahreswechsel vor.“ Dann sollen Experten in mehreren Runden die Daten auswerten. „Ja, das kostet Zeit, aber die brauchen wir, um eine vernünftige Lösung zu finden.“

Harsche Kritik gab es von Seiten der Linken an diesem Zeitplan. Fraktionschef Björn Griese: „Das kostet uns noch mehr Geld und vor allem Stammfahrgäste, die angesichts der aktuellen Bedingungen sich andere Wege suchen um von A nach B zu kommen.“ Die Linksfraktion hatte mehrere Änderungsanträge in Sachen Nahverkehr eingebracht, die aber allesamt keine Mehrheit fanden. So forderten Griese und seine Fraktion, dass der Sozialtarif zum 1. Januar eingeführt werden solle, die neuen Tarifzonen spätestens zum 1. April.

Heiner Wilms (SPD-Fraktion) warnte jedoch vor einem Schnellschuss. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses betonte, dass es nunmal Zeit brauche, um einen „belastbaren Tarif einzuführen. Der nächste Anlauf muss passen“. Denn nur mittels genauer Zahlen, die derzeit erhoben werden, sei es möglich, ein neues Konzept auf die Beine zu stellen.

Einig sind sich die Kreistagsmitglieder darin, dass vier Euro für Kurzstrecken deutlich zu viel sind. Allerdings ist auch klar, dass eine Preissenkung keinen explosionsartigen Anstieg der Fahrgastzahlen zur Folge haben wird. „Es wird eher so sein, dass wir nach der Umstellung weniger Einnahmen haben. Aber Herr Lettau muss Zeit haben, um das Marketing neu auszurichten, dass langfristig gesehen, die Einnahmen wieder steigen. Nur die Kurzstrecke billiger zu machen, das reicht nicht aus.“ Jörg Lettau, Geschäftsführer von Nahbus, ist erst seit Mitte 2015 in dem kreiseigenen Unternehmen. Er muss das Konzept umsetzen, das sein Vorgänger entwickelt hatte.

Und jenes Konzept beruht auf einem Gutachten, das, wie sich inzwischen herausstellte, mit völlig überzogenen Fahrgastzahlen operierte. Zweifel an den damals vorgestellten Zahlen gab es kaum. Viel zu komplex war das neue Nahverkehrskonzept, das eine umfassende Erschließung der kleinen Städte und Dörfer beinhaltete. Inzwischen fahren die Zubringer auf den Neben- und die Busse auf den Hauptstrecken öfter als früher. Nur fehlen die Fahrgäste.

Ob es mit dem neuen Tarifkonzept mehr werden, das steht in den Sternen. Tatsache ist, dass jeder Monat Geld kostet. René Domke (FDP) warnte davor, die Einführung des Konzeptes weiter hinauszuzögern.

„Wir wollten zu viel auf einmal. Jeder wusste doch damals, dass vier Euro für die Kurzstrecke zu viel sind.“ Sein Fraktionskollege Jörg Autrum sprach gar von einem Imageschaden, den der Nahverkehr durch die aktuelle Situation davongetragen habe.

Auch das Fehlen eines Sozialtarifes wurde von mehreren Seiten scharf kritisiert. Judith Keller (Die Linke): Viele müssen zum Arzt oder zu den Behörden, aber acht Euro für Hin- und Rückfahrt sind viel zu viel.“

Der Zeitplan

Bis zum 31. Dezember sollen die Daten vorliegen, auf welchen Strecken wie viele Fahrgäste unterwegs und wie hoch die Verkaufszahlen und der Gesamtaufwand sind. Dazu kommt die Prognose der Schülerzahlen in den nächsten drei Jahren.

Aus diesen Zahlen sollen in zwei Experten-Workshops Grundsätze für den neuen Tarif erarbeitet werden. Laut Kreisverwaltung werden vor allem Verkehrs-Fachleute in diesen Workshops sitzen und Vertreter der Politik.

Ein Externes Consulting-Büro soll die Analyse der Zahlen und die Detailplanung eines neuen Zonentarifes durchführen.

Spätestens zum 1. August soll die Einführung stattfinden.

Michael Prochnow

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