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Obstbäume für die Demokratie

Jamel/Gressow Obstbäume für die Demokratie

In Jamel und Gressow gibt es am 1. Mai wieder ein Familienfest mit Pflanzaktion

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Engagierte Politiker: Bürgermeister Uwe Wandel und die Landtagsabgeordnete Simone Oldenburg.

Quelle: Foto: Michael Prochnow

Jamel/Gressow. Knapp 20 Obstbäume stehen auf der Gemeindewiese in Jamel. Etliche mehr sollen es in den nächsten Tagen werden. Am Montag, dem 1. Mai, werden die nächsten Bäume gepflanzt. „Zehn Stück werden es“, sagt Simone Oldenburg, Landtagsabgeordnete der Linken und Einwohnerin der Gemeinde. Zusammen mit Bürgermeister Uwe Wandel, dem Verein zur Förderung des kulturellen und sozialen Gemeinschaftslebens der Gemeinde Gägelow (Kuso) und engagierten Bürgern stellen sie das Fest auf die Beine, das in Gressow, zwei Kilometer südlich von Jamel, stattfindet. Für die Pflanzaktion sucht die Gemeinde noch Spender. „Wer sich beteiligen will, am 28. April können die Bäume zwischen 10 und 11 Uhr am Gemeindezentrum in Gägelow abgegeben werden“, so Simone Oldenburg.

Nachdem die Bäume eingepflanzt sind, geht es weiter zum Sportplatz in Gressow, wo dann das eigentliche Fest stattfindet mit zahlreichen Aktionen für Kinder und Erwachsene.

Hintergrund der Aktion ist die Tatsache, dass in Jamel einige Bewohner der rechten Szene angehören. Seit zweieinhalb Jahrzehnten kämpfen Gemeinde und Behörden gegen die rechte Strömung. Inzwischen mit ersten Erfolgen. „Die Klientel ist immer noch da, aber die Zahl der Veranstaltungen ist zurückgegangen“, sagt Bürgermeister Uwe Wandel. Mit der Aktion am 1. Mai wollen die Gägelower, zu ihrer Gemeinde gehören die Dörfer Jamel und Gressow, zeigen, dass die Demokratie sich nicht in die Knie zwingen lässt. Als vor drei Jahren die ersten Bäume gepflanzt wurden, waren die Setzlinge einige Tage später abgebrochen worden. „Wir haben trotzdem weitergemacht, und jetzt stehen schon etliche Bäume auf der Wiese“, erklärt der Bürgermeister. Nachdem in den vergangenen Jahren einige der Teilnehmer mit dem Fahrrad nach Jamel fuhren, verzichten die Organisatoren in diesem Jahr auf die Drahtesel. Die Veranstaltung beschränkt sich in Jamel auf das Pflanzen der Bäume um 11 Uhr, anschließend geht es nach Gressow.

Wie wichtig solche Aktionen sind, zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Zahlreiche Veranstaltungen brachten das Dorf in die Schlagzeilen. Auch derzeit bereitet sich die Polizei wieder auf die nächsten Tage vor. Im vergangenen Jahr zählte die Polizei rund 200 Teilnehmer, darunter auch 50 Kinder, auf einer Maifeier in Jamel. Sämtliche Besucher waren von den Beamten während der Anreise kontrolliert worden.

Der Kontrolldruck der Polizei hat auch in Grevesmühlen dazu geführt, dass die Zahl der Veranstaltungen im Thinghaus, dem Treffpunkt der rechten Szene, deutlich weniger geworden ist. Auch das Bürgerbüro der NPD ist nach der Wahlschlappe bei der Landtagswahl und dem Abschied aus dem Parlament geschlossen worden.

Jamel – ein fast 800 Jahre altes Dorf

Seit 1992 wird Jamel immer wieder im Zusammenhang mit Rechtsextremismus genannt. Zu Ostern 1992 feierten etwa 120 Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers in Jamel und hissten dabei die Reichskriegsflagge. Seither kommt das Dorf immer wieder in die Schlagzeilen.

Das Dorf wird 1230 als Jamene erstmals erwähnt. Der Name ist slawischen Ursprungs. Nach der Eintragung im Zehntregister gehört das aus sechs Höfen bestehende Dorf zum Kirchspiel Gressow. Zum 9. Juli 1931 vergrößert sich die Gemeinde um Ortsteil Sternkrug. Im Juli 1950 werden Jamel, Gressow und Wolde zur Gemeinde Gressow zusammengeschlossen, die wiederum 1961 nach Gägelow eingemeindet wird.

Michael Prochnow

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