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Pflegeeltern im Landkreis gründen eigenen Verein

Gressow Pflegeeltern im Landkreis gründen eigenen Verein

Familien, die Kinder in Pflege nehmen, wollen sich besser organisieren / Schirmherrschaft übernimmt Linken-Politikerin Simone Oldenburg

Gressow. Es gibt viele Gründe, warum Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Diese sind manchmal suchtabhängig oder anderweitig schwer erkrankt — und es gibt niemanden, der sich um die Kinder kümmern kann. Manche sind überfordert und vernachlässigen ihren Nachwuchs. Im schlimmsten Fall werden Kinder in ihren eigenen Familien misshandelt. Glück im Unglück, wenn die Betroffenen dann in eine Pflegefamilie kommen. Dort erfahren sie Liebe und eine emotionelle und strukturelle Stabilität.

Käte (50) und Jens Wischeropp (50) leben im Pfarrhaus in Gressow. Sie kümmern sich seit ein paar Jahren um zwei Pflegekinder. Der eigene Nachwuchs ist bereits erwachsen. Ein Pflegekind kam schon als Baby zu ihnen, das andere war zwei Jahre alt. Die Wischeropps gehören zu den Gründungsmitgliedern eines neuen Pflegeelternvereins, der sich am vergangenen Freitag in Gressow gründete. Käte Wischeropp ist stellvertretende Vorsitzende, den Vorsitz des Vereins hat Johannes Weisheit aus Rosenhagen bei Brüsewitz übernommen. Zur Kassenwartin wurde Gritta Diekel aus Hohenkirchen gewählt. 15 Gründungsmitglieder hat der Verein.

Im Landkreis Nordwestmecklenburg gibt es insgesamt 82 Pflegefamilien, die 111 Pflegekinder betreuen. Pflegeeltern sind bei der Vielfalt an Aufgaben und der Verantwortung, die sie für das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder übernehmen, vor allen Dingen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Behörden im Landkreis angewiesen — dem Fachdienst Jugend und dem Jugendamt. „Viele Pflegeeltern in Nordwestmecklenburg empfinden, dass das immer wieder nicht gut klappt“, erklärt Käte Wischeropp. Auch deshalb habe man sich entschlossen, den Verein zu gründen. Und: „Es ist für uns wichtig, die Öffentlichkeit mehr für dieses Thema zu sensibilisieren und dabei auf die Probleme und Besonderheiten von Kindern hinzuweisen, die nicht in ihren Ursprungsfamilien bleiben können“, erklärt sie. Schwierig sei auch, so Wischeropp, dass es bundesweit keine einheitlichen Regelungen gibt und Richtlinien, die Pflegeelternschaft und Pflegekinder betreffen, auf Landes- und Landkreisebene erarbeitet werden.

Das moniert auch der Vereinsvorsitzende Johannes Weisheit. Gemeinsam mit seiner Frau hat er vor mehr als zehn Jahren die Pflegschaft für seinen Enkel übernommen. „Tim kam als Baby in unsere Obhut“, erzählt er. Vorausgegangen war unter anderem eine Misshandlung des Kindes durch seinen leiblichen Vater. Inzwischen geht es dem Jungen gut. Er besucht ein Gymnasium und spielt leidenschaftlich Klavier. Doch nun möchte seine Mutter, die inzwischen in Süddeutschland lebt, dass ihr Sohn zu ihr zurückkehrt. „Undenkbar“, wie Johannes Weisheit betont, „vor allen Dingen auch für unseren Enkel.

Wir fordern deshalb nachdrücklich, dass Tim bei uns verbleiben kann.“ Aber: Der Landkreis hat sich das Prinzip der Förderung der leiblichen Eltern — die es vorrangig gelte zu befähigen, irgendwann vielleicht doch wieder für die eigenen Kinder zu sorgen — auf die Fahne geschrieben. Die Vorrangstellung dieses Prinzips steht in der Kritik des Vereins. Ebenfalls bemängeln die Mitglieder die aus ihrer Sicht zu oft vorrangig finanziell motivierten Entscheidungen für oder wider Pflegschaft.

Von politischer Seite wird die Gründung des Vereins tatkräftig begleitet. Simone Oldenburg (Die Linke), Kreistags- und Landtagsabgeordnete, übernahm auf Anfrage der Gründungsmitglieder die Schirmherrschaft. „Viele Pflegeeltern im Landkreis wollen nicht mehr als Einzelkämpfer den Behörden gegenüber auftreten, sondern sie wollen gemeinsam agieren“, erläutert Oldenburg. Noch in dieser Woche soll in Gägelow ein Treffen zwischen Beate Dellin, der Leiterin des Fachdienstes Jugend im Landkreis, und Vertretern des neuen Pflegeelternvereins stattfinden. Simone Oldenburg ist „optimistisch, dass eine gute Zusammenarbeit zum Wohle der Pflegekinder zwischen dem Landkreis und dem Verein zustande kommt.“

Von Annett Meinke

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