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Grevesmühlen „Piratenbraut“ begleitet Fritz-Reuter-Schüler
Mecklenburg Grevesmühlen „Piratenbraut“ begleitet Fritz-Reuter-Schüler
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00:02 06.12.2017
Zwei Augen zusätzlich: Die 43-jährige Nicole Thiede aus Grevesmühlen sichert nun den Ampel-Überweg Am Lustgarten für die Erst- bis Viertklässler der Reuterschule ab. Quelle: Fotos: Jana Franke
Grevesmühlen

Nicole Thiede steht an der Ampel, den Pullover mit Reißverschluss tief ins Gesicht gezogen, die Jacke steht ein Stück offen, die neongelbe Weste leuchtet weithin. Es ist kalt, aber der 43-Jährigen macht das nichts aus. Sie hat sich ja dafür entschieden. Mit der Grevesmühlenerin gibt es endlich wieder eine ehrenamtliche Schulwegbegleiterin für die Mädchen und Jungen der Grundschule „Fritz Reuter“. Die Schulleitung sowie den Schulförderverein freut es, vor allem die Eltern sind beruhigt. Kurz nach den Sommerferien hatte es über längere Zeit keine Absicherung an der Ampel am Lustgarten gegeben. Sogar Bürgermeister Lars Prahler hatte zwischenzeitlich für drei Tage ausgeholfen, doch mit Nicole Thiede gibt es nun wieder einen festen Begleiter für die Erst- bis Viertklässler, die von der Schule in Richtung Hort in der Kita „Am Lustgarten“ müssen.

Nicole Thiede (43) übernimmt Ehrenamt / Neuer Hort soll entstehen

Es ist 11.17 Uhr. Die ersten Kinder passieren den Ampel-Überweg. Nicole Thiede sichert diesen am Morgen um kurz nach sieben Uhr und in den Mittagsstunden um 11.15 und 12.15 Uhr ab. Vielen Kindern und Eltern dürfte ihr Gesicht bekannt sein. Die Mutter einer Tochter ist seit Jahren auf der Bühne des Piraten Open Air-Theaters in Grevesmühlen zu sehen. Nachdem sie im Oktober den Aufruf des Schulfördervereins in der Zeitung gelesen hatte, wandte sie sich an die Schule, erzählt sie. „Aus gesundheitlichen Gründen kann ich meine Arbeit in der Druckerei in Dassow nicht mehr ausüben“, verrät sie. Aber sie wollte unter Menschen, statt zu Hause zu sitzen – und ist nun glücklich, die Kinder sicher über die Straße zu bringen. Manche Autofahrer seien Am Lustgarten wie die Wilden unterwegs, erzählt sie kopfschüttelnd. Auch bei Rot würden einige fahren, ohne auf die Fußgänger zu achten. „Für die Kinder ist das mitunter gefährlich hier“, meint sie.

Mit einem Lächeln begrüßen die ersten Kinder ihre neue Schulwegbegleiterin. Ein kurzer Smalltalk wie die Schule war, die Ampel springt auf Grün und die Mädchen und Jungen ziehen davon. Von den Schülern sei sie sehr offen aufgenommen worden, freut sich Nicole Thiede. Mit dem Vornamen dürfen sie ihre neue Schulwegbegleiterin ansprechen – und natürlich duzen. „Ich bin glücklich, die Kinder sind glücklich, es macht Spaß“, resümiert Nicole Thiede.

Neue Zufahrt soll entlasten

In der Tat ist die Ampelkreuzung an dieser Stelle gefährlich. Gerade vom Sparkassenplatz kommend, achtet mancher nicht auf die rote Ampel, wenn er nach rechts abbiegt – bewusst oder unbewusst, das lässt sich schwer sagen. Es ist aber lebensgefährlich für die Kinder und andere Fußgänger. Ein wenig Entspannung in den Verkehr auf dieser Strecke soll die Verbreiterung der Zufahrt zur Kita im unteren Bereich bringen. Die ist so eng, das keine zwei Autos aneinander vorbeikommen. Das Ergebnis: Der Verkehr staut sich auf der Straße Am Lustgarten, weil Autofahrer nicht in Richtung Kita abbiegen können, wenn von dort jemand kommt. Die etwaigen Kosten von 80000 Euro – zusätzlich soll es an der Kita 15 weitere Stellplätze geben – sind in den städtischen Haushalt eingestellt worden. Baustart soll im nächsten Jahr sein.

Neuer Hort statt Jugendklub

Das ehemalige Jugendklubgebäude an der Grundschule „Fritz Reuter“ steht inzwischen leer. Wie Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler (ptl.) gestern auf Nachfrage mitteilte, sei die Heizung abgestellt, das Haus offiziell leergezogen worden. Geplant ist an dieser Stelle ein Hortneubau. „Im Nachtragshaushalt wurde das Geld für die Planungen eingestellt. Das bedeutet, dass wir jetzt damit beginnen, ein Konzept aufzustellen. Anschließend folgt die Beantragung von Fördermitteln“, erklärte er. Bedeutet: Vor 2019 wird an dieser Stelle nichts passieren. „Wir wissen, wie dringend Hortplätze benötigt werden, aber etwas Zeit braucht das Projekt.“

Tatsache ist, dass das Hortgebäude an der Fritz-Reuter-Schule unabhängig vom Schul-Campus errichtet wird, der auf der Wiese zwischen Wasserturmschule und der Grundschule „Am Ploggensee“ gebaut werden soll. Erster Schritt dort ist eine Machbarkeitsstudie, die erstellt wird. Die konkreten Planungen sind für die nächsten Jahre vorgesehen.

Jana Franke und Michael Prochnow

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