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Grevesmühlen Ploggensee-Schule platzt aus allen Nähten
Mecklenburg Grevesmühlen Ploggensee-Schule platzt aus allen Nähten
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07:28 06.06.2017
Die Grundschule am Ploggensee in Grevesmühlen.
Grevesmühlen

Birgit Hesse zeigte sich sichtlich beeindruckt. „Wirklich toll, was die Schule alles anbietet und was die Pädagogen leisten“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin bei ihrem Besuch in der Grundschule am Ploggensee in Grevesmühlen. Hesse war auf die Schule aufmerksam geworden, nachdem Schulleiterin Martina Olbrisch auf dem Landes-Sporttag einen Vortrag zum Thema „Bewegungsfreundliche Schule“ gehalten hatte. Zudem hatte die ehemalige Landrätin Nordwestmecklenburgs vor wenigen Wochen ein Bürgerforum in Grevesmühlen abgehalten. Dass sie sich nun mehrere Stunden Zeit nahm, um sich die Grundschule zeigen und von Martina Olbrisch die Strukturen erklären zu lassen, sorgte für Anerkennung. Denn die Schule platzt aus allen Nähten.

Die Schulen und Kindertagesstätten in Grevesmühlen sollen in den kommenden Jahren neu aufgestellt werden. Wie wichtig dieser Schritt ist, zeigt das Beispiel der Grundschule am Ploggensee. Die Einrichtung erfüllt zahlreiche zusätzliche Aufgaben, die Schülerzahlen steigen, der Handlungsbedarf ist enorm.

245 Jungen und Mädchen werden hier unterrichtet. Neben der regulären Grundschule sind an der Einrichtung auch die Diagnose-Förderklassen für Kinder mit Lernschwierigkeiten sowie die DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache, Anm. D. Red.) angesiedelt. Der Hort befindet sich ebenfalls auf dem Schulgelände. Und: Die Kinder der sogenannten „Beruflich Reisenden“ werden ebenfalls an der Ploggenseeschule aufgenommen. Das sind beispielsweise die Kinder der Schausteller.

Schulleiterin Martina Olbrisch ist stolz auf die große Bandbreite an Angeboten an der Schule und die Selbstständigkeit ihrer rund 15 Lehrer und Lehrerinnen. „Das funktioniert nur, weil die Kollegen weitgehend selbstständig agieren und viele zusätzliche Aufgaben übernehmen.“ Denn auch beim Thema Inklusion setzt die Schule Maßstäbe. „Auch wenn es dabei natürlich Grenzen gibt, aber was möglich ist, das versuchen wir auch umzusetzen.“ Nur stoßen Martina Olbrisch und ihr Team immer wieder auf Probleme. Und davon gibt es eine ganze Reihe, wie Birgit Hesse jetzt erfuhr.

Das Platzproblem:

Aufgrund der neuen Brandschutzregelungen und der Folge, dass die Jacken nicht mehr in den Fluren aufgehängt werden dürfen, sind einige Räume zu Garderoben umgewandelt worden. Doch weil es in Grevesmühlen nach wie vor zu wenig Hortplätze gibt, wurden an der Schule Klassenräume zu Horträumen umfunktioniert. Vier sind das mittlerweile. Den Plänen der Stadt, noch zwei weitere Räume für den Hort zu nutzen, hat die Schule einen Riegel vorgeschoben. Denn die Anzahl der Räume ist begrenzt, die Kapazität der Schule am Limit. Klassenräume auch als Horträume zu nutzen, funktioniere nicht, so die Schulleiterin. „Denn durch die Doppelnutzung müssten sie jeden Tag umgeräumt werden. Außerdem beginnt der Hort kurz nach 11 Uhr – wenn die Hortkinder anfangen zu spielen, haben andere noch Unterricht. Mit den vier Räumen, die es jetzt gibt, haben wir einen guten Kompromiss gefunden.“

Die fehlende Aula:

Weder die Grundschule am Ploggensee mit ihren 245 Kindern noch die Regionale Schule am Wasserturm mit ihren 500 Schülern haben eine eigene Aula beziehungsweise einen Speisesaal. Stattdessen werden Klassenräume umfunktioniert. Über den Kompromissvorschlag einiger Stadtvertreter, die Aula der Förderschule zu nutzen, kann Olbrisch nur den Kopf schütteln. „Zwei Jahrgänge passen dort rein, der Rest müsste draußen stehen. Das ist für uns keine Lösung.“

Das Vandalismus-Problem:

An jedem Montag stellen sich die Lehrer die Frage, welchen Schaden Schulhof und Gebäude wohl dieses Mal genommen haben. „Es ist wirklich frustrierend, wenn immer wieder die Beete verwüstet werden, die die Kinder bepflanzt haben, Bäume herausgerissen werden und auf dem Schulhof Kippen und leere Flaschen herumliegen“, so Martina Olbrisch. „Das Türschloss vom Hort wurde schon x-mal ausgewechselt.“ Sie würde sich wünschen, dass um das Schulgelände ein vernünftiger Zaun gezogen und Kameras aufgestellt würden. „Bei allem Verständnis für den Datenschutz, wir müssen etwas unternehmen.“

Der geplante Schulcampus:

Vor wenigen Tagen hatten Grevesmühlens Stadtvertreter das Thema Schulcampus auf dem Tisch. Eine Arbeitsgruppe, zu der auch Martina Olbrisch und andere Pädagogen sowie Politiker und Einwohner der Stadt gehören, hatten in den vergangenen Monaten ein Konzept entwickelt, um die Schulen und Kitas in Grevesmühlen fit für die Zukunft zu machen. Die Lösung aus Sicht der Arbeitsgruppe könnte der Neubau eines Schulcampus auf der Wiese zwischen Ploggensee- und Wasserturmschule sein. So zumindest lautet die grobe Richtung. Doch die SPD verhinderte einen entsprechenden Beschluss in der Stadtvertretung, der die Planung für den Neubau vorangetrieben hätte. SPD-Fraktionschef Stefan Baetke musste für die Aktion bereits reichlich Kritik einstecken. Auch Martina Olbrisch schüttelt ob der Verzögerung den Kopf. „Wir wollen auch, dass der Campus gebaut wird“, betont Stefan Baetke. „Aber die Vorlagen, die wir auf dem Tisch hatten, reichen nicht. Wir wollen, dass es konkreter wird, das ist alles. Eine Verzögerung wird es nicht geben, denn wenn die Stadtverwaltung unsere Forderung erfüllt, sparen wir am Ende Zeit.“

Das sehen Eltern und Lehrer sowie auch Teile der Stadtvertretung allerdings anders. Sie hätten sich einen Grundsatzbeschluss der Stadtvertreter gewünscht. Im Anschluss hätte man über Details der Planung reden können. So steht zu befürchten, dass vor der politischen Sommerpause nichts mehr passiert. Dabei hatte Bildungsministerin Birgit Hesse den Grevesmühlenern durchaus Hoffnungen gemacht.

„Wenn ich sehe, was hier auch in Sachen Inklusion auf dem Campus passieren soll, dann bin ich mir sicher, dass wir auch bei der Finanzierung helfen können. Aber dafür muss der Schulträger auch eine Planung vorlegen.“ Doch Lars Prahler sind die Hände gebunden, solange die Stadtvertreter keine klare Richtung vorgeben.

Die Sporthalle

Die Mehrzweckhalle im Ploggenseering ist mehr als 40 Jahre alt. Und sie ist zu klein. Auf den drei Feldern werden zeitweise mehr als 100 Kinder beschäftigt. Sowohl die Grundschule am Ploggensee als auch die Regionalschule und die Förderschule nutzen die Halle.

Angesichts der steigenden Schülerzahlen droht das Platzproblem in den nächsten Jahren noch weiter zu wachsen. Bildungsministerin Birgit Hesse machte sich ein Bild von den Verhältnissen in der Sporthalle: „Keine Frage, sie reicht nicht.“

Michael Prochnow

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