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Grevesmühlen Digitale Schule: Traum, Albtraum oder Realität?
Mecklenburg Grevesmühlen Digitale Schule: Traum, Albtraum oder Realität?
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18:08 18.10.2018
Wie viel Digitalisierung können wir der Schule zumuten? Darüber diskutierten am Mittwochabend (v. l.) Dr. Torsten Fischer und Andrea Großmann vom Gymnasium „Am Tannenberg“ und die beiden Fachreferenten Martin Zenker und Dr. Ulrike Möller. Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

„Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen.“ Auch wenn Schauspielerin Josephine Baker (1906-1975) dieses Zitat in einem anderen Zusammenhang verwendet hat, könnte es nicht treffender sein, was die Digitalisierung der Schulen in Mecklenburg-Vorpommern betrifft. Alle träumen von der Schule der Zukunft mit Tablets statt Schiefertafeln oder Apps statt Lehrbüchern. Auch Lehrer in Nordwestmecklenburg haben sich darauf eingestellt und sich geduldig weiterbilden lassen. Schließlich wollen auch sie mit der Zeit gehen. Und dennoch erinnert die Umsetzung des Ziels eher an einen Albtraum, um es ganz drastisch auszudrücken.

Deutlich wurde das einmal mehr während der Podiumsdiskussion, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung am Mittwochabend ins Gymnasium „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen einlud. Gäste aus Wirtschaft, Politik und Schulen aus dem Landkreis waren anwesend. Gerade bei Letztgenannten machte sich eher Ernüchterung breit. Grund: Die technischen Voraussetzungen an Schulen seien teilweise überhaupt nicht gegeben. „Die Lehrer sind ständig in Weiterbildungen, ohne dass sie das Erlernte im Unterricht anwenden können“, brachte es Dr. Torsten Fischer, Physiklehrer am Grevesmühlener Gymnasium, auf den Punkt. Wählen sich alle Schüler im Unterricht ins Schulnetz ein, würden die Recherchen nur schleppend vorangehen, Internetseiten öffnen sich nur langsam, so dass die durchaus vorhandene Motivation und Lust der Schüler und Lehrer schwindet, ergänzte Schulleiterin Andrea Großmann. Auch die Ausbildung angehender Lehrer an Unis und Hochschulen hinsichtlich Digitalisierung, die als Referendare an ihre Schule kommen, sei eher mangelhaft, kritisierte sie. Ebenso sei das Zeitfenster der Pädagogen so begrenzt, dass es Weiterbildungen schwierig macht.

Mangelnder Breitbandausbau behindert Medienbildung

2011 bewarb sich das Grevesmühlener Gymnasium für den Schulversuch „Auf dem Weg zur Medienschule“, im Mai 2016 erhielt die Einrichtung das Gütesiegel und darf sich seitdem „Referenzschule für Medienbildung“ nennen. Tablets, Handys und Laptops gehören zum Unterricht dazu, wenn auch mitunter eingeschränkt. „Konzepte und Ideen stehen, aber technisch kommen wir nicht so voran, wie wir es wollen“, resümiert Andrea Großmann und spielt auf den mangelnden Breitbandausbau in Nordwestmecklenburg an. Doch da, so die stellvertretende SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Martina Tegtmeier, bewege sich nun ja etwas. Aber: „Alle Schulträger werden nicht gleichermaßen in die Ausstattung investieren, es sei denn, das Land beschließt einheitliche Standards für Schulen. Aber auf kurze Sicht ist das nicht vorgesehen“, sagte sie. Kurzum: Nehmen die Schulträger nicht genügend Geld in die Hand, das eben nicht in allen Kommunen in Massen vorhanden ist, hinken wieder Schulen hinterher.

Ein weiterer wichtiger, aber noch nicht geklärter Punkt: Datenschutz. Die sensiblen Daten der Schüler müssten geschützt werden, betonte Dr. Torsten Fischer. „Wir haben diesbezüglich um explizite Weiterbildung gebeten. Nach den Sommerferien hieß es zunächst, aber weiter ist nichts passiert“, bemerkte Andrea Großmann. Es gebe zwar Kollegen, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen, aber mehr oder weniger ehrenamtlich. Weitere Diskussionen gab es um eventuelle Entschädigungen, wenn das für den Unterricht genutzte Handy des Schülers kaputtgeht. So sei es im Unterricht einer Lehrerin im Landkreis passiert und der Vater der Schülerin verlangte Schadenersatz. Das Ende vom Lied: Hier ist eine rechtliche Grauzone und die Lehrerin sieht nun von der Handynutzung im Unterricht ab.

Länder wie Finnland sind Vorreiter

Unterm Strich zeichnet sich ab, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung der Schulen eher hinterherhinkt, denn in anderen Ländern wie Finnland fungiert der Lehrer eher als Moderator denn als Inputgeber und die Nutzung von technischen Geräten im Unterricht ist Alltag – eben nach dem Motto, das sich Andrea Großmann auch für ihre Schule wünscht: Mit dem Tablet oder dem Handy selbstgesteuert Dinge intuitiv entdecken und spielend lernen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. „Wir lassen uns nicht unterkriegen und gehen voran“, sagte sie selbstbewusst. Oder, um wieder mit einem Zitat, dieses mal von dem englischen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton, zu schließen: „Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen“.

Jana Franke

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