Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Jugend fragt – Politiker antworten

Schönberg Jugend fragt – Politiker antworten

120 Gäste erleben Podiumsdiskussion im Ernst-Barlach-Gymnasium

Voriger Artikel
Stadt investiert so viel wie noch nie
Nächster Artikel
Kreis-Infos zu Breitband

Mathis Dittrich (15) fragte: „Ist die EU noch eine Wertegemeinschaft oder nur noch eine Wirtschaftsunion?“

Schönberg. Gut gefüllt war am Donnerstagabend die Aula des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Schönberg. Etwa 120 Besucher hatten sich hier eingefunden. Nicht zu einem Musikhighlight oder einer Theateraufführung, sondern zu einer Podiumsdiskussion mit Politikern der verschiedenen Parteien, die sich um ein Bundestagsmandat bemühen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung war klar: Auf lange Reden oder ausschweifende, nichtssagende Sätze werden die Politiker verzichten müssen. Andernfalls finden sie kein Gehör oder werden unterbrochen. Denn Lehrer und Schüler hatten nicht einfach nur zu dieser Podiumsrunde eingeladen. Sie hatten sich im Vorfeld sehr detailliert Gedanken über den Ablauf gemacht. Seit Februar traf sich unter der Leitung der Lehrerin Antje Epperlein sogar regelmäßig eine Projektgruppe, die sich mit dem Thema befasste, zusammen auch Fragen erarbeitete. Sehr gezielt und konkret. So wurden sie von den Moderatoren auch den Politikern am Donnerstagabend gestellt.

So wollten die Moderatoren Paulin Golla (17) und Henry Malonn (16) von ihnen zum Beispiel wissen, warum es in den Bundesländern unterschiedlich lange Abiturzeiten gibt. Die Frage stellte sich: Sollte man den Bildungsföderalismus reformieren?

„Wir beklagen es auch“, antwortete darauf Dietrich Mohnstadt. Nach Meinung des CDU-Bundestagsabgeordneten ist es allerdings schwierig, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte. So etwas würde in dem föderal organisierten Staat nur über eine Verfassungsänderung möglich sein. Doch dafür würde man, so Mohnstadt, keine Mehrheit im Bundestag finden.

„Die Bildung gehört da so nicht mehr rein“, meinte der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Junge dazu, dass hier jedes Land sein eigenes Süppchen kochen würde. Der Bund müsse, so Junge, mehr in die Verantwortung genommen werden, um Bildungsinhalte wieder zu zentralisieren und gleiche Bildungsmaßstäbe zu schaffen. „Es geht. Wenn die Koalition es will, dann kann man den Föderalismus zurückdrängen“, entgegnete der AfD-Landtagsabgeordnete Christoph Grimm.

Auch das heikle Thema Sicherheit sprachen die Moderatoren in der Aula der Schule an. „68 Prozent der Deutschen fühlen sich unsicher. Brauchen wir eine Videoüberwachung?“, fragte Henry Malonn in die Runde der Politiker. „Das Sicherheitsgefühl ist verloren gegangen. Die Polizei wurde abgebaut und muss wieder aufgestockt werden. Das Problem ist hausgemacht“, antwortete André Walther von der Partei Die Linke.

„Ich möchte mich lieber filmen lassen als verprügeln“, erklärte dazu Christoph Grimm. Den Hauptgrund für das Sicherheitsdilemma sieht der AfD-Politiker in den offenen Grenzen und einer unkontrollierten Zuwanderung. „Das ist verfassungswidrig“, so Grimm.

„In der Verfassung gibt es keine Obergrenze“, widersprach Monstadt heftig. Frank Junge sprach von einer perfiden Strategie, die die AfD fahren würde.

Trotz dieser teilweise auch etwas heftigeren Diskussion kehrten die Politiker immer wieder auf die sachliche Ebene zurück. Da reichte ein Blick der Moderatoren, die wie Profis agierten und die scheinbar nichts aus der Ruhe bringen konnte. Nachdem sie im ersten Teil die Politiker befragten, hatte im zweiten Teil des Abends das Publikum Gelegenheit dazu. „Ist die EU noch eine Wertegemeinschaft oder eine Wirtschaftsunion?“, fragte zum Beispiel der 15-jährige Mathis Dittrich. „Wenn es uns nicht gelingt, zu den eigenen Werten zurückzukehren, dann geht die wunderbare Idee kaputt“, antwortete Frank Junge. Mathias Engling (Bündnis 90/Die Grünen) fand: „Wir brauchen die EU als solidarische Union.“

„Es gibt einen Überschuss von 23,7 Milliarden Euro. Wofür werden Sie dieses Geld verwenden?“, wollte hingegen der 17-jährige Mike Brinker wissen. Dietrich Monstadt antwortete, dass auf jeden Fall in die Infrastruktur investiert werden muss. Ähnlich sah es auch Frank Junge. Außerdem sollten von dem Überschuss vor allem die sozial schwächer gestellten Bevölkerungsschichten etwas haben, indem ihnen zum Beispiel der Kita-Platz bezahlt wird.

Nach etwas mehr als zwei Stunden endete die Podiumsdiskussion, an der neben den Schülern des Gymnasiums auch einige Bürger aus Schönberg teilnahmen. Sie war ähnlich erfolgreich wie die schon im vergangenen Jahr an dieser Schule durchgeführte Podiumsdiskussion, als Politiker vor der Landtagswahl Rede und Antwort standen.

Auch diesmal verließ niemand vorzeitig die Aula, denn die Veranstaltung war von der ersten bis zur letzten Minute straff durchorganisiert. Die Moderatoren schritten ein, wenn die Politiker zu lange redeten. Es gab auch keine Pausen.

Dirk Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Zinnowitz
Gestern in Zinnowitz: Jochen Storrer, Bürgermeister von Usedom, Falko Beitz, Vize-Bürgermeister von Stolpe, und Redaktionschef Steffen Adler (v.l.n.r.) im Gespräch über Chancen der zweitgrößten deutschen Ostseeinsel.

Im OZ-Streitgespräch: Usedoms Bürgermeister Storrer und Stolpes Vize Beitz

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Politik
Verlagshaus Grevesmühlen

August-Bebel-Straße 11
23936 Grevesmühlen

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag:
9:00 -12.30 Uhr und 13.30 - 17:00 Uhr
Freitag:
 9:00 - 12.30 Uhr und 13.30 - 16:00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Michael Prochnow
Telefon: 0 38 81 / 78 78 10
E-Mail: grevesmuehlen@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

^
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.