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Grevesmühlen Lüdersdorf warnt: Kulturerbe in Gefahr
Mecklenburg Grevesmühlen Lüdersdorf warnt: Kulturerbe in Gefahr
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00:00 12.05.2016
Vom Bockholzberg bei Selmsdorf aus ist zu sehen, wie Windräder die Silhouette von Lübeck mit den sieben Türmen stören. Die Anlagen stehen bei Hof Selmsdorf. Unweit von ihnen sind größere geplant. Quelle: Lisa Stoeter

Die Gemeinde Lüdersdorf führt beim Kampf gegen den Bau von Windenergieanlagen ein neues Argument ins Feld: Die Windräder würden die Sieben-Türme-Silhouette des nahe gelegenen Weltkulturerbes „Lübecker Altstadt“ stören. Der Bauausschuss sprach sich am Dienstagabend einstimmig für einen Hinweis gegenüber dem Planungsverband Westmecklenburg aus: „Sichtachsen und Blickbeziehungen vom Lübecker Umland auf die Silhouette des Weltkulturerbes Lübecker Altstadt sind zu prüfen und zu erhalten. Deren Wahrnehmung ist eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt von Weltkulturerbestätten.“

Dabei kann sich die Mecklenburger Gemeinde im Speckgürtel von Lübeck auf eine Stellungnahme berufen, die das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege gegenüber dem Regionalen Planungsverband abgegeben hat. Das Landesamt macht erhebliche Bedenken gegen die Ausweisung von 15 Eignungsgebieten in Westmecklenburg geltend, in denen nach derzeitigem Planungsstand der Bau von Windenergieanlagen erlaubt werden soll. Darunter ist auch das 243 Hektar große Gebiet „Palingen“. Es befindet sich, wie berichtet, auf den Territorien der Gemeinden Lüdersdorf, Selmsdorf und Lockwisch. Die Entfernung zu den nächsten Wohnhäusern in Lüdersdorf, Palingen, Lockwisch und Hof Selmsdorf beträgt teilweise nur 1000 Meter – die zu den nächstgelegenen Häusern in Lauen knapp 1500 Meter. Palingen wäre, wenn das Eignungsgebiet wie derzeit vorgesehen bebaut würde, von mehreren Seiten von Windrädern umgeben.

Im Mai 2015 warnte die Gemeinde Lüdersdorf in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Nachbarkommune Selmsdorf davor, „dass nun zusätzlich zu der Teilung des Gemeindegebietes durch den Verlauf der A 20 und dem zwischen Autobahn und Lüdersdorf liegenden Industriegebiet im Süden eine weitere Fläche baulich genutzt wird und so das Landschaftsbild auch im Norden und Nordosten eine irreparable Beeinträchtigung erfährt.“ Durch die Deponie Ihlenberg, bereits errichtete Windkraftanlagen und das Gewerbegebiet zwischen Lüdersdorf und der A 20 würden so große Vorbelastungen erzeugt, dass eine weitere großflächige Inanspruchnahme des Landschaftsraumes eine drastische Verringerung der Lebens- und Wohnqualität nach sich ziehe.

Die Gemeinde Lüdersdorf bleibt jetzt bei diesen Einwänden. „Es ist wichtig, dass wir auf unseren Positionen bestehen“, sagt Bürgermeister Erhard Huzel (CDU). Bernhard Strutz (Wählergemeinschaft Bürger für Lüdersdorf) fordert: „Wir sollten alles daransetzen, dass die Anlagen nicht gebaut werden.“ Eine klare Meinung hat auch Hans-Peter Schulz (SPD) zum Bau von bis zu 25 Anlagen, die bis zu 200 Meter hoch sein könnten. „Das geht gar nicht“, sagt er. Die Lebensqualität würde leiden. Was das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sage, sei nachvollziehbar.

Von Jürgen Lenz

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