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Riesenandrang beim Polit-Talk mit Gregor Gysi

Grevesmühlen Riesenandrang beim Polit-Talk mit Gregor Gysi

Fünf Schüler des Gymnasiums in Grevesmühlen hatten den Politiker zur Diskussion eingeladen / Im Saal der Malzfabrik blieb kein Sitzplatz frei

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Viele Besucher des Polit-Talks ließen sich von Gregor Gysi Bücher signieren.

Quelle: Fotos: Malte Behnk

Grevesmühlen. Eine gelungene Premiere: Am Freitagabend hatten die fünf Schüler Jakob Schultz (17), Lasse Köhler (18), Tim-Lukas Hartel (17), Lennart Andresen (17) und Niklas Burkhardt (17) zum ersten Mal eine Podiumsdiskussion mit einem prominenten Politiker organisiert. Gregor Gysi (Die Linke) stellte sich in der Malzfabrik bereitwillig den Fragen der Gymnasiasten und des Publikums, das sich im Saal der Malzfabrik dicht drängte. Kein Sitzplatz war dort frei, Schüler saßen auf dem Fußboden und einige Zuhörer verfolgten die eineinhalbstündige Diskussion gespannt im Stehen. Von Politikverdrossenheit konnte an dem Abend keine Rede sein.

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Fünf Schüler des Gymnasiums in Grevesmühlen hatten den Politiker zur Diskussion eingeladen / Im Saal der Malzfabrik blieb kein Sitzplatz frei

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„Spätestens Anfang nächsten Jahres wollen wir wieder einen hochrangigen Politiker einladen.“ Tim-Lukas Hartel, Mitorganisator

Die „fünf Freunde“, wie Tim-Lukas Hartel seine Gruppe aus politisch interessierten Schülern bei der Begrüßung nannte, stiegen mit der Frage nach Gysis ursprünglichen politischen Zielen in den Talk ein. So berichtete der Politiker von den politischen Reformen in der Sowjetunion und der beginnenden politischen Revolution in der DDR. „Ich wusste, die Einheit kommt und es gibt eigentlich niemanden, der die Interessen der DDR-Bürger vertreten würde“, berichtete Gysi, warum er sich schließlich in der PDS und später in der Linken so stark engagierte.

Herbe Kritik übte Gysi auf Frage der Schüler an Deutschlands Außen- und Flüchtlingspolitik. In Afghanistan habe man mit dem Krieg gegen Al-Qaida gar nichts erreicht. „Ich kenne keinen Krieg, der irgendetwas vernünftiges zustande gebracht hat“, so Gysi. In der Entwicklungshilfe würden ebenfalls große Fehler gemacht: „Wir liefern Lebensmittel nach Afrika, die billiger sind, als Nahrungsmittel aus Afrika. Wir lassen zu, dass Unternehmen dort Saatgut verkaufen, aus dem keine neue Saat geerntet werden kann.“ Mit den in Deutschland angekommenen Flüchtlingen würden die Kommunen allein gelassen. „Der Bund muss hier alle Kosten tragen“, forderte Gysi. „Sonst müssen die Kommunen in anderen Bereichen streichen und das ist dann Wasser auf die Mühlen der Rechten.“

Nach der Talkrunde auf dem Podium stellte sich Gysi auch Fragen aus dem Publikum. So äußerte sich Christian Meyer (49) aus Boltenhagen unzufrieden zum Thema Rente: „Ich habe inzwischen 32 Jahre Arbeit hinter mir. Wenn ich meinen Rentenbescheid ansehe, weist er mir nach Abzug meiner Kosten weniger aus, als ein Hartz-IV-Empfänger bekommt. Wie kann das sein?“

Gregor Gysi konnte ihm nicht helfen, seine persönliche Situation zu verbessern. Er erklärte aber, wie die heutige Rentenpolitik aus seiner Sicht entstanden ist. Den ersten Fehler habe schon die Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl gemacht, die einführte, dass sich das Rentenniveau nach den Einzahlungen richtet. Das habe die jetzige Regierung noch einmal verschärft. „Richtig wäre, dass sich die Rente entwickelt wie die Löhne und dass alle mit Erwerbseinkommen einzahlen, auch Anwälte, Bundestagsabgeordnete und Beamte“, so Gysi. Dabei dürfe es nach oben keine bemessungsgrenze geben.

„Dann müssten wir uns über Altersarmut keine Sorgen machen“, sagte der Politiker.

Nach der Diskussion, in der es auch noch um Freihandelsabkommen oder das Wahlrecht ab 16 Jahren ging, ließen sich viele der Besucher ein Buch von Gregor Gysi signieren. Der große Andrang war für die „fünf Freunde“ vom Tannenberg-Gymnasium das beste Zeichen für den Erfolg ihrer Veranstaltung. „Im Herbst, spätestens Anfang des nächsten Jahres wollen wir wieder einen hochrangigen Politiker einladen“, kündigte Tim-Lukas Hartel an, nachdem Gregor Gysi verabschiedet wurde. Wer der nächste Gast sein könnte, ließen die Schüler noch offen.

Malte Behnk

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