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Schluss mit kostenlos: Wismarer Eltern zahlen für Bus nach Poel

Kirchdorf Schluss mit kostenlos: Wismarer Eltern zahlen für Bus nach Poel

Die Gemeindevertreter der Insel beschließen eine Beteiligung von 12,5 Prozent an den Fahrtkosten. Ohne Wismar ist die Regionalschule Kirchdorf gefährdet.

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Um die Lebensqualität zu erhalten, brauchen wir die Schule. Dafür müssen wir auch finanzielle Opfer bringen.“Falk Serbe (SPD, Insel Poel)

Kirchdorf. Diskutiert wurde darüber schon lange, jetzt ist es beschlossenen Sache: Im Schuljahr 2014/15 müssen sich die Wismarer Eltern mit 12,5 Prozent an den Fahrtkosten zur Schule nach Kirchdorf beteiligen. Sechs Gemeindevertreter haben dafür gestimmt, zwei dagegen. Außerdem gab es eine Enthaltung. Die beiden Nein-Stimmen wollten eine Beteiligung von 25 Prozent.

Wenn die Ferienzeit rausgerechnet wird, zahlen Wismarer Eltern monatlich etwa zehn Euro, rechnet Schulleiterin Christiane Reetz vor und hofft: „Ich denke, die Kosten sollten die Eltern nicht abschrecken.“ Christiane Reetz, die als Einzelbewerberin zugleich in der Gemeindevertretung Politik macht, hatte für 12,5 Prozent gestimmt.

Bisher war der Bustransport gratis. Die Gemeinde Insel Poel hatte die Kosten übernommen. Das wiederum hängt maßgeblich damit zusammen, dass Wismarer Kinder vor einigen Jahren das Überleben der Schule in Kirchdorf ab Klasse fünf gesichert hatten (siehe Infokasten).

Für den Erhalt der Regionalschule sind nach Angaben der Schulleiterin mindestens 36 Schüler in Klasse fünf notwendig. Christiane Reetz: „In den nächsten drei Jahren haben wir sehr kleine Grundschulklassen. Da sind wir auf die Eltern aus Wismar angewiesen.“

Für das neue Schuljahr liegen 58 Anmeldungen für die 5. Klasse vor. Wie sehr die Schule auf „Fremde“ angewiesen ist, zeigen die Zahlen der jetzigen Grundschulklassen mit 14 Kindern in Klasse drei, 18 in Klasse zwei und 15 in Klasse eins.

Doris Hildebrandt (Linke) hatte mindestens 25 Prozent Kostenbeteiligung gefordert. „Wir müssen bei den freiwilligen Leistungen streichen was das Zeug hält, da sind 12,5 Prozent nicht nachvollziehbar.“ Trotz der Schule sei die Bevölkerung auf Poel rückläufig. Die Grundschule bleibe auf jeden Fall erhalten, ansonsten sei es nicht zu verstehen, dass Wismarer Schüler ab Klasse fünf in den Bus steigen können, umgekehrt dies aber nicht Poeler Schülern zuzumuten sei.

„Die Entwicklung ist nicht gesund“, zählte Doris Hildebrandt die aktuellen Schülerzahlen auf: Klasse 5 (21 Poeler, 17 Wismarer), Klasse 6 (23/34), Klasse 7 (6/9), Klasse 8 (5/8), Klasse 9 (7/12), Klasse 10 (4/11).

Falk Serbe (SPD) sieht dagegen die Regionalschule als unverzichtbar für die Insel an. „Um die Lebensqualität zu erhalten, brauchen wir die Schule. Dafür müssen wir auch finanzielle Opfer bringen“, so Serbe, der 12,5 Prozent für vertretbar hält und vermutet, dass es bei 25 Prozent eng werden könnte mit dem Zuspruch Wismarer Eltern.

Hintergrund: Bei örtlich zuständigen Schulen trägt der Landkreis 100 Prozent der Kosten ab zwei Kilometern in den Klassen eins bis sechs und ab vier Kilometern ab Klasse sieben. Die Schule in Kirchdorf trägt derzeit 100 Prozent der Kosten für Schüler von weiter außerhalb. Im Moment sind das 92 Schüler. Im Schuljahr 2014/15 wird mit 95 Schülern geplant. Die Kosten der kompletten Schülerbeförderung belaufen sich dann auf 71 440 Euro. 12,5 Prozent Elternbeteiligung machen 8930 Euro aus.

Nach Angaben der Poeler Gemeinde können Eltern, die Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe beziehen, einen Antrag für das Bildungs- und Teilhabepaket stellen, damit sie die Kosten für die Schülerbeförderung erstattet bekommen.

Wismarer Eltern hatten die Poeler Schule als Alternative entdeckt, nachdem vor Jahren der Regionalschulteil am Kagenmarkt in Wismar geschlossen wurde. Als Möglichkeiten in der Hansestadt gibt es ab der 5. Klasse die Goethe-, Ostsee- und die Brechtschule (alle staatlich) sowie die Evangelische Schule und die AWO-Schule.

Poel erhält auch Geld für auswärtige Schüler
Zum Schuljahr 2006/07 hatten die Insel Poel und die Hansestadt Wismar einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Zur Erinnerung: Zu jener Zeit gab es noch die strikte Trennung zwischen dem Landkreis und der kreisfreien Hansestadt. Kinder durften nicht ohne Weiteres im „fremden“ Gebiet zur Schule gehen.



Mit dem Vertrag wurden die Grenzen durchbrochen. Davon profitierte vor allem die Schule in Kirchdorf. Wegen der geringen Anzahl an Kinder stand der Regionalschulteil ab Klasse fünf vor dem Aus. Wismarer Kinder konnten dank des Vertrages die Poeler Schule besuchen, Jugendliche von Poel auf ein Gymnasium in Wismar wechseln. Vorgeschrieben war zuvor Neukloster.


Später wurde der Kooperationsvertrag hinfällig.



Von 2006 bis 2013 hat die Gemeinde Insel Poel etwa 306 000 Euro an Fahrkosten gezahlt. In diesem Zeitraum wurden die Kosten in voller Höhe getragen. Mit dem neuen Schuljahr beträgt der Elternanteil an den Fahrtkosten 12,5 Prozent.


Schullastenausgleich für die Unterhaltung der Schule: Im Schuljahr 2012/ 2013 erhält die Gemeinde Poel einen Schullastenausgleich von 1094,56 Euro pro Schüler aus Wismar. Insgesamt sind es 92 Schüler. Entwicklung des Schullastenausgleiches: 2013 rund 106 000 Euro, 2012 rund 95 000 Euro, 2011 rund 86 000 Euro (erstmalig). Insgesamt: 288 000 Euro.

 



Heiko Hoffmann

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