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Grevesmühlen Sprechstunde bleibt ohne Befund

Vereine, Initiativen und Privatleute tragen ihre Sorgen beim Ministerpräsidenten Sellering vor

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11000 Einwohner und viele engagierte Vereine, Grevesmühlen verfügt über ein breites Spektrum in Sachen Ehrenamt.

Quelle: Foto: Ronald Gross

Grevesmühlen. Dickes Lob aus der Staatskanzlei in Schwerin für Grevesmühlens Vereine. „Das ehrenamtliche Engagement in der Stadt funktioniert sehr gut“, resümierte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) am Freitagabend im Beratungsraum des Grevesmühlener Rathauses. Dort hatte er Vertreter von Vereinen, Verbänden, Initiativen und Privatleute zur Bürgersprechstunde empfangen.

 

OZ-Bild

Ich habe durchaus mitbekom- men, wie viel Brisanz in diesem Thema steckt. Nur helfen kann ich in diesem Fall nicht. Erwinn Sellering zum Alleenstreit

Quelle:

Ministerin kommt am 5. Mai

Bildungsministerin Birgit Hesse wird am 5. Mai in Grevesmühlen eine Bürgersprechstunde anbieten. ab 17 Uhr können im Rathaussaal Bürger mit der Ministerin diskutieren.

Wie Ministerpräsident Erwin Sellering erklärte, sei es das Ziel, dass die Minister alle sechs Monate solche Sprechstunden anbieten.

Die Bilanz der Vereinsvertreter nach dem Treffen war allerdings ernüchternd, wie eine Umfrage ergab. Denn wirklich helfen kann der Ministerpräsident kaum, wenn es um Fragen geht, wie Vereinsgebäude saniert oder Übungsleiter besser gefördert werden können. Fazit nach einer Stunde: Netter Plausch aber mehr auch nicht.

Diese Erfahrung machte auch der zwölfjährige Jonas. Der Schüler hatte sich per Telefon in der Staatskanzlei gemeldet und sich einen Termin besorgt. Und damit für ziemlichen Eindruck beim Ministerpräsidenten gesorgt. „Der Junge war schon sehr selbstbewusst, ich muss sagen, das hat mich beeindruckt.“

Der Zwölfjährige schilderte Sellering, wie er jeden Morgen mit den Fahrrad zur Wasserturmschule in Grevesmühlen fahren würde. „Aber er hat Probleme über die Straße zu kommen, weil zu viele Eltern mit Autos ihre Kinder zur Schule bringen würden.“ Ob, so der Schüler, der Ministerpräsident nicht dafür sorgen könne, dass dort ein Zebrastreifen eingerichtet werden könnte. Das kann er leider nicht.

„Aber ich habe mit dem Bürgermeister gesprochen, wenn der neue Schulcampus gebaut wird, dann wird auch dieses Problem gelöst“, so Erwin Sellering.

Ein anderes Problem, mit dem einige ältere Grevesmühlener zum Ministerpräsidenten kamen, sind die Anliegerbeiträge. Die Berechnung sei nicht nur schwer nachzuvollziehen, den Bürgern gehe es vor allem darum, warum sie – trotz Steuern – für Sanierungen der öffentlichen Straße und Wege noch extra zahlen müssten. Sellering: „Ich weiß, dass das ein Problem ist. Wir müssen als Land prüfen, ob an dieser Regelung etwas geändert werden kann oder muss. Aber am Ende bleibt es dabei, die neuen Straßen müssen bezahlt werden.“

Apropos bezahlen: Die hohen Kita-Kosten in Mecklenburg-Vorpommern belasten auch die Menschen in Grevesmühlen. Eine entsprechende Anfrage war auch in der Bürgersprechstunde Thema. Denn bis zu 400 Euro zahlen Eltern mittlerweile für einen Krippenplatz in Nordwestmecklenburg. Für Durchschnittsverdiener, die keine Unterstützung vom Jugendamt erhalten, ein finanzielles Desaster. „Zum 1. Januar kommenden Jahres werden wir die Eltern um 50 Euro entlasten“, kündigt Erwin Sellering an. „Aber das große Ziel ist es, Bildung, und damit meine ich den Bereich von der Kita bis zur Meisterausbildung, kostenlos anzubieten.“ Und wie soll das finanziert werden? „Mecklenburg-Vorpommern könnte jedes Jahr 150 Millionen Euro Schulden tilgen, die so eingesparten Zinsen sollen in den Bildungsbereich fließen“, so der SPD-Politiker. Und bis wann könnte das umgesetzt werden? „Schwer zu sagen, aber wir sind dran.“

Dazugelernt hat der Ministerpräsident am Freitag in Sachen Bürgerinitiative und Naturschutz. Denn die Linden in Warnow, beziehungsweise der Streit zwischen der Gemeinde, die sich eine neue Dorfstraße wünscht, und einigen Anwohnern, die die Linden retten wollen, waren ebenfalls Thema. Mehr als sich darüber informieren, konnte Sellering jedoch nicht. „Es ist eine Kreisstraße, es gibt einen Beschluss der Gemeinde und inzwischen ein Planfeststellungsverfahren. Ich kann nur an beide Seiten appellieren, die Entscheidung am Ende zu akzeptieren.“ Seit einigen Jahren tobt inzwischen der Streit um die Alleebäume in der Gemeinde, von denen die Mehrzahl bei einer Sanierung der Kreisstraße weichen müsste. Für die Gemeinde und einen Teil der Einwohner eine notwendige Maßnahme, für die Bürgerinitiative eine Katastrophe. „Ich habe durchaus mitbekommen, wie viel Brisanz in diesem Thema steckt“, betonte der Ministerpräsident. „Nur helfen kann ich in diesem Fall nicht.“

Michael Prochnow

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