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Was wird aus dem Grenzmuseum?

Schlutup Was wird aus dem Grenzmuseum?

Politiker haben große Pläne / 60 000 Euro an Fördergeldern sollen eingeworben werden / Der Verein will aber gar kein richtiges Museum

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Ein Stück der Berliner Mauer und ein Trabi führen Besucher in die Grenzdokumentationsstätte in Schlutup.

Quelle: Fotos: Sergio Di Fusco, Maxwitat, Privat

Schlutup. Seit fast 13 Jahren sammelt der Förderverein Fundstücke, die an die deutsche Teilung erinnern. Präsentiert werden sie im ehemaligen Zollhaus in Schlutup. Jahrelang war kein städtisches oder staatliches Geld vorhanden, um den Ehrenamtlern die Arbeit zu erleichtern. Doch plötzlich wollen Politiker ein Füllhorn über dem Grenzmuseum ausschütten.

OZ-Bild

Politiker haben große Pläne / 60 000 Euro an Fördergeldern sollen eingeworben werden / Der Verein will aber gar kein richtiges Museum

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Anfang Dezember vergangenen Jahres verkündeten Landtagsabgeordnete der Kieler Koalition, dass 10000 Euro für das Grenzmuseum bereitgestellt werden sollen, wenn sich die Stadt ebenfalls angemessen beteiligt. Im Februar zog die CDU nach. „Unser Landtagswahlprogramm setzt ein starkes Signal an Lübecker Kultureinrichtungen“, jubelte der Kulturausschussvorsitzende Henning Stabe. „Die Grenzdokumentationsstätte in Schlutup soll als authentischer Ort der deutsch-deutschen Teilung in die Förderung des Landes aufgenommen werden.“

Doch es kommt noch besser. Die Metropolregion Hamburg, zu der Lübeck gehört, will die Gedenkstätten und Museen entlang der ehemaligen Grenze weiterentwickeln. Das städtische Kulturbüro hat einen Antrag gestellt. „Wir haben noch kein Ergebnis“, erklärt Nina Jakubczyk vom Kulturbüro. Dabei winken 40000 Euro Förderung. Zusammen mit jeweils 10000 Euro vom Land und von der Stadt könnte „eine Bestandsaufnahme, Inventarisierung und Weiterentwicklung der musealen Einrichtung“ vorgenommen werden. Die Inventarisierung der Exponate sei mit dem Verein abgesprochen, sagt Jakubczyk, über thematische Schwerpunkte sei eine Absprache geplant, außerdem müsse museumspädagogisch gearbeitet werden. „Zwei Historiker stehen bereit“, erklärt die Kulturbeauftragte, „sobald das Geld kommt, starten wir mit der Inventarisierung.“ Sie hofft auf einen Bescheid in den nächsten sechs Wochen.

Doch wer glaubt, dass im Zollhaus nun Jubel ausbricht, der irrt. „Was soll mit dem Geld geschehen?“, fragt die Vereinsvorsitzende Schatz, „ich weiß nicht genau, was die eigentlich wollen.“ An dem Ausstellungskonzept solle nichts geändert werden. Schatz: „Wir brauchen auch keine Wissenschaftler, wir haben Zeitzeugen.“ Doch wer Fördergelder erhält, der muss sich auch den Standards fügen. „Zu diesen Standards gehört insbesondere ein Sammlungs- und Ausstellungskonzept, dem wissenschaftliche und didaktische Überlegungen zu Grunde liegen“, heißt es im Bericht des Kulturbüros. „Wir wollen kein Museum werden“, kontert Schatz, „wir sind eine Dokumentationsstätte.“

Abseits dieser akademischen Diskussion treibt den kleinen Verein mit 145 Mitgliedern etwas viel Profaneres um. „Wir brauchen Hinweisschilder“, erklärt Schatz, „aber nicht in Schlutup, da kennen uns die Leute.“ Immer wieder aber würden auswärtige Gäste zunächst in Timmendorf und Travemünde suchen, weil an den großen Einfallstraßen keine Hinweise angebracht seien. Darum habe sich Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) kümmern wollen, berichtet die Vereinsvorsitzende. Wichtig wäre auch ein Veranstaltungsraum. Es geht noch bescheidener. „Ich würde gern eine Mitarbeiterin bezahlen, die ein paar Stunden während der Öffnungszeiten hier sitzt“, erklärt Schatz, „oder jemanden, der den Rasen mäht.“ 1000 Euro würden da schon reichen.

Die Bürgerschaft beschloss im vergangenen Sommer, dass das Grenzmuseum in die Werbung der städtischen Museen aufgenommen werden sollte. Das sieht Prof. Hans Wißkirchen, Chef aller städtischen Museen, kritisch. Das würde Geld kosten und Personal beschäftigen, beides sei jetzt schon knapp. Außerdem würden dann weitere private „museale Einrichtungen“ den gleichen Anspruch erheben. Eine Kooperation sei außerdem nur möglich, wenn „es eine wissenschaftliche Museumsleitung als Ansprechpartner“ gebe – wie beim Hansemuseum oder beim Willy- Brandt-Haus.

„Grenzmuseum anerkennen und stärken“ heißt der Tagesordnungspunkt in den politischen Gremien. Was genau passieren soll, steht immer noch in den Sternen.

Drei Tage geöffnet

5000 Besucher im Jahr zählt die

Dokumentationsstätte, die an drei

Tagen geöffnet hat – freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Gruppen erhalten Zutritt nach telefonischer Vereinbarung unter 0451/6933990

(Anrufbeantworter).

Der Eintritt kostet drei Euro für

Erwachsene und zwei Euro für

Kinder sowie Schüler. Gruppen

von Schülern bis 14 Jahre bezahlen zwei Euro pro Person mit Führung, Gruppen ab acht Personen mit

Führung drei Euro je Person.

Kai Dordowsky

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