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Wer weiter fährt, zahlt künftig mehr

Wismar/Grevesmühlen Wer weiter fährt, zahlt künftig mehr

Kreistag beschließt Zonentarif für Nordwestmecklenburg zum 1. Februar 2018

Wismar/Grevesmühlen. Nächster Versuch in Sachen Wirtschaftlichkeit des kreiseigenen Busbetriebes: Der Kreistag Nordwestmecklenburg hat am Abend die Einführung eines Zonentarifes zum 1. Februar 2018 beschlossen. Der Preis des Bustickets hängt dann davon ab, wie viele Zonen der Busgast durchfährt. Von Wismar nach Poel beispielsweise sind das drei Zonen – das Ticket kostet drei Euro. Von Grevesmühlen nach Poel sind es vier Zonen – das entspricht vier Euro für eine einfache Fahrt. Ein Ticket für das Gesamtnetz kostet fortan sechs Euro. Zukunftsträchtig nannte Wolfgang Glaner (SPD) den Kreistagsbeschluss. „Jetzt haben wir den Zonentarif und müssen ihn zum Erfolg führen.“ Auch die CDU-Fraktion äußerte sich positiv. „Wir haben uns dieses Mal sehr intensiv damit beschäftigt und uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagte Torsten Grothe. Zudem habe er das Gefühl, dass die in den Gutachten gemachten Prognosen so eintreten, wie angekündigt.

Zonentarif

Nordwestmecklenburgwird in Zonen unterteilt. Der Preis für ein Busticket ist dann abhängig von der gefahrenen Entfernung. Das Stadtgebiet Grevesmühlen entspricht einer Zone – eine Busfahrt kostet dann zwei Euro, bei Hin- und Rückfahrt 1,80 Euro. Die Monatskarte bleibt bei 50 Euro.

Sowohl SPD als auch CDU lehnten einen Änderungsantrag der Linken ab, der einen Sozialtarif bei Einzeltickets vorsah. Grothe begründete das damit, dass der Landkreis ohnehin 80 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs finanziere. Zudem werde der Sozialtarif bei der Monatskarte eingeführt. Dennis Klüver (Piraten) sprach von Phrasendrescherei und nannte das Tarifkonzept „verhunzt“. Mit jeder Maßnahme sei es „verschlimmbessert“ worden. Zwei Gutachten bescheinigen dem Modell leichte Erlössteigerungen – trotz sinkender Fahrgastzahlen. Der Grund: Die Tickets werden teurer. Jedenfalls im Nahbereich – der entspricht dann einer beziehungsweise zwei Zonen. Dort kostet die günstigste einfache Fahrt dann 1,80 Euro statt bislang 1,60 Euro. Die Gutachter gehen davon aus, dass die Nutzer der Einzeltickets nun verstärkt auf Wochen- oder Monatskarten umsteigen. Zudem machen die Experten darauf aufmerksam, dass der „Erlöszuwachs erst nach einem Einschwingungsprozess zu erwarten ist“. Dauer dieses Prozesses: drei Jahre. Das alles aber funktioniere nur, wenn der Zonentarif über entsprechende Marketingaktionen bekannt gemacht werde.

Fast wortgleich beschrieben die Gutachter die Erfolgsaussichten des eigentlichen neuen Nahverkehrskonzeptes, das 2016 eingeführt wurde. Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau ließ in seiner Stellungnahme verlauten, die vorgelegten Prognoseberechnungen erschienen plausibel. Lettau verwies jedoch auf jene „Einschwingphase“ von drei Jahren: „Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Ausgleichszahlungen auch zukünftig in gleichem Umfang notwendig sein werden.“

Vorgesehen waren 2016 grundsätzliche Ausgleichszahlungen an Nahbus in Höhe von knapp 2,5 Millionen Euro. Am Ende musste der Landkreis gut zwei Millionen Euro zusätzlich in das Unternehmen geben – damit die Nahbus GmbH nicht zahlungsunfähig wird. Insgesamt gingen so 4,5 Millionen in den öffentlichen Nahverkehr.

Für das laufende Jahr hatte der Landkreis die Ausgleichszahlungen entsprechend angepasst – doch die geplanten gut vier Millionen werden laut Verwaltung nach jetziger Prognose nicht ausreichen.

Demzufolge müssten dann weitere 150 000 Euro vom Landkreis nachgereicht werden.

Aus diesem Grund verweigerte die FDP im Kreistag die Zustimmung zum neuen Zonentarif. Das erklärte finanzpolitische Ziel, den Zuschuss zu senken, werde plötzlich aufgegeben, kommentierte der Kreisverbandsvorsitzende der FDP Wismar, René Domke. „Wer dies möchte, muss dem Steuerzahler erklären, woher er das Geld nehmen will, denn am Ende wird der Haushaltsausgleich alsbald gefährdet.“

Zudem würden in Wismar künftig Tarife gelten, die man nur aus Metropolen kennt. Domke führte die zwei Euro pro einfache Fahrt an, selbst wenn es sich nur um eine Haltestelle handelt. „Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass die Bürger Kurzstrecken künftig meiden werden. Die Fahrgastzahlen in Wismar werden sinken.“

Die Wismarer Bürgerschaft hatte zuvor Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) beauftragt, in Gesprächen mit Nahbus eine verbesserte Linienführung im Stadtgebiet zu erwirken. Im Ergebnis wird es eine bessere Anbindung an Zierow geben. Zudem fahren die Linien 3 und 6 nun auch die Haltestellen Schiffbauerdamm und Burgwall an. Im Hinblick auf das Verkehrskonzept im Zusammenhang mit MV Werften seien Vertreter des Schiffbauunternehmens in Kontakt mit Nahbus, um eine entsprechende Anbindung an die maritime Wirtschaft in der Hansestadt zu beraten.

Nicole Buchmann

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