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Präriehund läuft durch Wismar

Wismar Präriehund läuft durch Wismar

Ein exotischer Nager ist aus dem Tierpark geflohen und streift durch die Stadt. Das ist ungewöhnlich, denn Präriehunde leben in Kolonien.

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Das ist er, der entflohene Präriehund. Birte Scheunemann hat dieses Foto in der Philipp-Müller-Straße geknipst.

Quelle: Foto: Birte Scheunemann

Wismar. Aufregung im Wismarer Tierpark: Ein Präriehund ist ausgebüchst und erkundet nun die Stadt. Der Nager mit den kurzen Beinen scheint erstaunlich weit gekommen zu sein – bis zum rund drei Kilometer entfernten Hafen. Augenzeugen haben das exotische Erdhörnchen dort gesehen und den Tierpark informiert. Doch der hat zunächst gar nicht reagiert. „Weil wir dachten, es handelt sich um eine Wasserratte oder um einen Scherz, denn Präriehunde leben in Großfamilien, sie sind keine Einzelgänger“, erklärt Tierpark-Chef Michael Werner. Doch jetzt gibt es ein Foto und Werner muss erstaunt zugeben: Der Präriehund stammt aus seiner Anlage.

Aus Nordamerika

Präriehunde (Cynomys) sind eine nordamerikanische Gattung der Erdhörnchen. Sie sind verwandt mit den Murmeltieren und den Zieseln.

Der plumpe Körper, die kurzen Beine und der kurze Schwanz geben den Präriehunden ein murmeltierähnliches Aussehen. Präriehunde haben ein Gewicht von 800 bis 1400 Gramm. Männchen sind im Schnitt etwas größer und schwerer als Weibchen.

Geknipst hat das Bild am vergangenen Donnerstag Birte Scheunemann. Sie ist dem ungewöhnlichen Stadtbesucher in der Philipp-Müller-Straße, Höhe Eingang zum Studenten-Treff, begegnet. Bereits einige Tage zuvor hat ihn Michael Witt vom Surf Center am Hafen gesehen. „Er war sehr zutraulich und ist einen halben Meter an mir vorbei gelaufen“, berichtet Witt. Ein Fischer habe das Tier gefüttert. Der Präriehund sei zwei Tage lang in der Gegend gewesen. „Auch in meinem Schuppen“, ergänzt Witt. Das wäre der ideale Fangort gewesen. Denn: Um das Erdhörnchen zurück zu seiner Großfamilie bringen zu können, „müsste es irgendwo festgehalten werden“, erklärt Tierpark-Chef Michael Werner. Auf der Suche nach dem Ausreißer könne er schließlich kein ganzes Wohngebiet absperren lassen. Außerdem stünde kein großes Fangkommando zur Verfügung. Dafür gäbe es einfach nicht genügend Mitarbeiter. „Deshalb wäre es am besten, wenn man den Präriehund nach Möglichkeit kurz in eine Garage oder in einen Hausflur sperrt und uns erst dann informiert“, erklärt Werner. So wäre es ein Leichtes, das Tier mit dem Kescher einfangen zu können. In der freien Natur oder auf öffentlichen Straßen sei die Chance dafür relativ gering. „Präriehunde sind Fluchttiere, sie laufen weg und verstecken sich, wenn sie Menschen oder irgendwas anderes Ungewöhnliches sehen.“

Werner kann sich nicht erklären, wie das Tier aus der Anlage gekommen ist. Zwar gäbe es keine Zäune bei den Präriehunden. Aber sie seien sozial geprägt und würden ihre Familien nicht verlassen. Ob ein Besucher das Erdhörnchen mitgenommen hat oder es gegen die Natur doch einfach nur mal alleine sein wollte, ist unklar. Unklar ist auch, wie viele Präriehunde es gerade im Tierpark gibt. Bei der Inventur Ende vergangenen Jahres seien es 40 gewesen. „Ungefähr, schließlich bleiben sie nicht stehen, wenn wir sie zählen wollen und in ihre Höhlen kommen wir auch nicht“, sagt Werner. Seit der letzten Zählung seien aber noch etliche Neuzugänge dazu gekommen, denn es habe Nachwuchs gegeben. Da man nicht alle Tiere behalten könne, seien Tauschaktionen mit anderen Tierparks geplant – erste Bestellungen für Präriehunde aus Wismar liegen bereits vor. Fangkisten würden dafür aufgestellt. Doch die niedlichen Exoten haben aus den vergangenen Jahren gelernt und meiden die Gegend.

„Mittlerweile hat sich wohl bei ihnen herumgesprochen, dass diejenigen, die in den Kisten landen, nicht mehr wiederkommen“, lacht Werner.

Die Präriehunde zählen zu den Lieblingen der Tierpark-Besucher. Umso dramatischer sei ein Winter vor vielen Jahren gewesen, den kein Erdhörnchen überlebt habe. „Alle waren plötzlich tot“, erinnert sich Werner. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Es könnte sich um eine Infektionskrankheit gehandelt haben. „Oder sie wurden von Ratten oder Iltissen totgebissen“, vermutet der Parkchef. Um neue Tiere zu bekommen, seien seine Mitarbeiter damals bis nach Österreich gefahren.

Tierische Schlagzeilen gibt es auch in anderen Teilen Mecklenburg-Vorpommern: Auf der Insel Usedom ist gerade ein Elch unterwegs. Und im Vogelpark Marlow im Westen des Landkreises Vorpommern-Rügen herrscht große Freude: Der junge Weißkopfseeadler Franklin, der am vergangenen Montag aus dem Park entflogen war, ist zurück (die OZ berichtete).

Info: Wer den Präriehund in Wismar sieht, möchte sich bitte an den Tierpark wenden: ☎ 038 41/70 70 70

Kerstin Schröder

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