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Grevesmühlen Rätsel der Blechkartusche von Neukloster gelöst
Mecklenburg Grevesmühlen Rätsel der Blechkartusche von Neukloster gelöst
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00:05 06.12.2017
Die fast 800 Jahre alte Kirche von Neukloster ist eine Baustelle. Nach dem Vierungsturm soll das Chordach saniert werden. FOTOS (2): SYLVIA KARTHEUSER
Neukloster

Das Geheimnis ist gelüftet: Die geheimnisvolle Blechkartusche mit den Einschusslöchern enthielt eine Liste mit Namen der Handwerker, die im 19. Jahrhundert an der Sanierung der Kirche von Neukloster beteiligt waren. „Die Jahreszahl 1868 ist noch erkennbar und auch einige Namen lassen sich entziffern“, sagt Pastor Jens Krause. Zum Beispiel Christian Kahl aus Neukloster und Johann Schlünz, vermutlich aus Reinstorf. Beide sind als Zimmerleute aufgeführt. Ein Julius Hegist und jemand, der mit Vor- oder Nachnamen Martin hieß und aus Wismar kam, werden als Kupferschmiede genannt.

Die geheimnisvolle Liste trägt 149 Jahre alte Namen von Handwerkern

Mehr ist mit bloßem Auge auf dem vergilbten Papier, das 149 Jahre im Vierungsturm – die Stelle, an der Langhaus und Querschiff zusammentreffen – der Kirche lag, nicht zu lesen. Dafür zeigt das Papier deutlich Brandspuren und ist drumherum seltsam grün gefärbt. „Die Brandspuren kommen von den Kugeln, die durch das Blech geschlagen sind. Durch die Löcher ist dann Wasser eingedrungen mit dem Grünspan des Kupferdachs“, erklärt Jens Krause. Er überlegt, die Liste eventuell an Computerfachleute zu geben, die nach dem Einscannen vielleicht mehr von der Schrift rausholen können. „Ich bin mir noch nicht schlüssig.“

Großartig findet Neuklosters Pastor, „dass auf der Liste die Handwerker verewigt wurden und nicht die Verantwortlichen wie der Pastor oder Geldgeber“, sagt Jens Krause. Zudem stelle die Liste eine Verbindung zu den Handwerkern her, die jetzt am Turm arbeiten. „Schließlich sind das ja irgendwie ihre Kollegen – nur haben die vor 149 Jahren hier gearbeitet.“

Die Arbeit der Zimmerleute am Vierungsturm geht voran. Die Statik des Vierungsturms ist wieder sicher. „Das Problem war, dass vier Stiele – die senkrechten Hölzer, auf denen die Dachbalken ruhen – nicht mehr tragfähig waren, und alle an einer Seite.“ Zudem war ein fünfter Stiel ebenfalls beschädigt. Das Türmchen hätte einstürzen können.

„Wie morsch alles war, hatte sich ja am Kaiserstab gezeigt“, sagt der Pastor. Der Kaiserstab ist der Holzstab, auf dem Kugel und/oder Wetterhahn angebracht werden. „Der alte Stab war so morsch, dass wir ihn mit der Hand durchbrechen konnten“, erinnert sich Jens Krause. Jetzt ist er ausgetauscht.

Das Kupferdach wird vermutlich erst im Frühling auf den Vierungsturm kommen. „Da geschweißt und gelötet werden muss, darf es nicht kälter sein als fünf Grad, das ist es jetzt aber“, sagt Jens Krause.

Für einige Gewerke hätte er trotzdem noch zu tun, zum Beispiel am Dachstuhl des Chordachs, „soweit noch Geld vorhanden ist“. Für die nächsten Jahre ist geplant, auch die Dächer an den Seitenschiffen zu erneuern, „wenn die Anträge und Gelder bewilligt werden“.

Sylvia Kartheuser

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