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Grevesmühlen Revolte beim Drogenprozess
Mecklenburg Grevesmühlen Revolte beim Drogenprozess
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00:08 13.01.2015
Der Hauptangeklagte im Drogenprozess, Andy A. aus Wismar, am gestrigen Verhandlungstag im Gespräch mit seinem Rechtsanwalt Carsten Düwel im Saal des Schweriner Landgerichtes. Fotos (3): Cornelius Kettler
Schwerin

Ein langer Verhandlungstag endete gestern am späten Nachmittag am Schweriner Landgericht mit einem Tohuwabohu in Saal 8. Verwirrung und Unverständnis unter den Verhandlungsbeteiligten. Revolte vor allem bei der Verteidigung.

Der Drogenprozess, bei dem vier gebürtige Wismarer auf der Anklagebank sitzen, hatte am Vormittag eher ruhig begonnen — wenn auch mit ungewohnt vielen Sicherheitsvorkehrungen: Ausweiskontrollen, Metalldetektor und Leibesvisitationen vor dem Gerichtssaal.

Es war der zweite Verhandlungstag, an dessen Ende schließlich vier Verteidiger vehement den Abbruch der Zeugenvernehmung von Sven B. forderten. Der 36-Jährige war von der Staatsanwaltschaft als wichtiger Belastungszeuge geladen. Die Besonderheit: Sven B. befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm. Deshalb, weil er den Hauptangeklagten Andy A. (28), der in Fußketten aus der Justizvollzugsanstalt Waldeck vorgeführt wurde, beschuldigt, mit Betäubungsmitteln gehandelt zu haben. Er unterstellt dem Angeklagten außerdem einen Raubüberfall. Der hat sich in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli 2014 in Wismar ereignet. Ziel des Überfalls war die Spielothek am Kreisel Richtung Insel Poel. Andy A. bestreitet die Tat.

Er brach sein Schweigen vom ersten Verhandlungstag und holte gestern zum Gegenschlag aus. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Carsten Düwel aus Wismar, verlas gleich zu Verhandlungsbeginn eine Erklärung seines Mandanten. Darin unterstellt der dem Belastungszeugen Sven B. die Tat. Beide Männer waren einst Kumpel, die meinten sich aufeinander verlassen zu können. „Jetzt will mir Sven B. die Tat in die Schuhe schieben“, heißt es in der Erklärung. Aus dem Papier, das Verteidiger Düwel verlas, ging außerdem hervor, dass der Zeuge Sven B. selbst kein unbeschriebenes Blatt sei. Andy A. gab unter anderem zu Protokoll, dass Sven B., der vor zwei Jahren als Security-Mann bei verschiedenen Messen gearbeitet hatte, bei einem vorgetäuschten Raubüberfall mitgemacht habe. Dabei wurden seinerzeit über 70000 Euro erbeutet. Von diesem Überfall hätte ihm Sven B. selbst erzählt. Die Staatsanwaltschaft konnte später bestätigen, dass es sowohl den Überfall als auch tatsächlich Ermittlungen in diese Richtung gab, diese dann aber aufgrund der Beweislage fallen gelassen wurden. Als Fakt hingegen gilt: Der Zeuge selbst ist mehrmals vorbestraft. Gegen ein kürzlich erlassenes Urteil hat er Revision eingelegt.

Zeuge und einer der Angeklagten belasten sich gegenseitig.

Als „Schweinehund“ und „Drecksau“ bezeichnete der Hauptangeklagte, der von Richter Norbert Grunke mehrmals zur Ruhe gemahnt werden musste, seinen ehemaligen Kumpel. Der blieb über mehrere Stunden zumindest äußerlich ruhig — und packte Details aus. Manche widersprüchlich, was auch der Verteidigung nicht entging. Hauptgegenstand der Befragung war am gestrigen Verhandlungstag der Raubüberfall — einer der „Nebenkriegsschauplätze“ in diesem Drogenprozess.

Der Täter soll seinerzeit mit einem Motorrad geflüchtet sein. Dieses Motorrad wurde dem Zeugen Sven B. kurz vor der Tat aus einer Halle entwendet. Der Zeuge behauptet nun, Andy A. hätte ihm gegenüber zugegeben, dass er die Tat begangen habe. Es gäbe auch andere Zeugen, die das zumindest mutmaßen. Zusammen hätten sie sogar noch einen Motorradhelm verschwinden lassen, den der Täter trug. „Er hat mir auch die Schreckschusspistole gezeigt, die er während des Überfalls benutzt hat“, behauptet der Belastungszeuge. Er will auch gesehen haben, wie Andy A. und die drei weiteren Angeklagten Kokain in Größenordnungen besorgt, konsumiert und weiterverkauft haben.

Während der Befragung kochten die Emotionen der Verteidigung immer höher. Warum? Überraschend ließ der Zeuge immer wieder gucken, dass er als V-Mann für das Landeskriminalamt MV tätig war. Einerseits erhoffte er sich dadurch Vorteile, andererseits sei Rauschgift „nicht sein Ding“. Deshalb sah er sich seinerzeit veranlasst, sich dem LKA als V-Mann zur Verfügung zu stellen. Als er daraufhin einige Aussagen verweigerte und Namen von Konsumenten nicht nennen wollte, platzte den Verteidigern der Kragen. Carsten Düwel: „Das schlägt dem Fass den Boden aus, dass der Zeuge sich hier als Kollege der Polizei ausgibt und selbst entscheidet, welche Fragen er beantwortet und welche nicht.“ Auch Rechtsanwalt Ullrich Knye, der einen der drei Angeklagten verteidigt, forderte mehrmals verärgert das Gericht auf, die Verhandlung zu vertagen, da niemand etwas von dieser V-Tätigkeit des Zeugen wusste und offenbar wichtige Informationen der Verteidigung nicht vorliegen. Richter Norbert Grunke brach die Zeugenbefragung nach drei Stunden ab und erteilte in Richtung Staatsanwaltschaft den Auftrag, schnellstmöglich „Licht ins Dunkel“ zu bringen.



Ina Schwarz

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