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Rütinger Brandstifter bald erneut vor Gericht?

Rüting/Schwerin Rütinger Brandstifter bald erneut vor Gericht?

Toni K. wartet derzeit auf einen Termin für die Berufungsverhandlung

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Der durch ein Feuer zerstörte Carport in Rüting.

Quelle: Fotos: Prochnow

Rüting/Schwerin. Viele Fragen, aber kaum Antworten. Das war das Ergebnis der Verhandlung zum Jahresbeginn gegen Toni K. Der 20-Jährige wurde wegen mehrfacher Brandstiftung vom Wismarer Amtsgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Auszubildende, der auch Mitglied der Rütinger Feuerwehr war, mehrere Brände in der Gemeinde gelegt hatte. Als Taten des „Rütinger Feuerteufels“ hatte die Serie für Aufsehen gesorgt, da die meisten Fälle sich immer montags ereignet hatten.

 

OZ-Bild

Toni K. wird zum Prozess im Wismarer Amtsgericht vorgeführt.

Der Rechtsanwalt des 20-Jährigen hatte gegen das Urteil, das Anfang Januar gefällt worden war, Rechtsmittel eingelegt. Doch einen Termin für die Berufungsverhandlung vor dem Schweriner Landgericht gibt es bislang nicht. Als Grund nannte ein Sprecher des Landgerichts personelle Engpässe. Für die Feuerwehrleute in Rüting und Umgebung sind das keine guten Nachrichten. Sie hatten den ersten Prozess gegen ihren Kameraden in Wismar aufmerksam verfolgt. Ihr Fazit: Toni K. hat definitiv etwas mit den Bränden zu tun, die wochenlang die Brandschützer in Atem hielt. Aber hat er wirklich alle Brände gelegt? Ist das Geständnis, das K. unmittelbar nach seiner Festnahme ablegte, authentisch? Gleich mehrere Faktoren in dem Verfahren werfen kein gutes Licht auf die Ermittlungen. Die Auswertung der Telefonüberwachung beispielsweise ergab bei genauerem Nachfragen, dass die Beamten lediglich feststellen konnten, ob Toni K. sein Handy in Betrieb hatte oder nicht. Wo konkret er sich aufhielt, das war mit den erhobenen Daten nicht zu ermitteln.

Auch der Brandgutachter, der im Rahmen der Hauptverhandlung, die genauen Ursachen und Verläufe der Brände erklären sollte, verstrickte sich in Mutmaßungen und Ungenauigkeiten. So soll K.

beispielsweise einen Volvo mit einer Packung Taschentücher angezündet haben. Versuche, diese Version zu bestätigten, ergaben, dass es kaum möglich ist, eine normale Packung Papiertaschentücher zu entzünden.

Dass Toni K. trotz des nicht rechtskräftigen Urteils weiter in Haft bleibt, ist rein rechtlich gesehen statthaft. Eine Beschwerde durch seinen Rechtsbeistand beim Oberlandesgericht gegen die Haft ist zwar theoretisch möglich, macht aber erst Sinn, wenn die Haftdauer eine „unzumutbare Dauer“ erreicht hätte. Juristen setzen dabei die Hälfte des ursprünglichen Urteils an – in diesem Fall wären das 15 Monate.

Voraussichtlich Ende Sommer könnte die Berufungsverhandlung beginnen. Dann werden sämtliche Zeugen, dazu gehören vor allem die Feuerwehrleute und die Ermittlungsbeamten, erneut vor Gericht aussagen müssen.

Feuerwehrleute als Brandstifter

Die Juristische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum beschäftigte sich in einem Forschungsprojekt mit dem Thema „Retter

als Brandstifter“. Autor Frank D. Stolt geht

davon aus, dass es sich um ein zunehmendes Problem handelt. Stolt schätzt die Zahl der Brandstifter bei den Feuerwehren auf etwa 3000. Bei 1,3 Millionen Mitgliedern in Deutschlands Freiwilligen

Wehren läge der Anteil brandstiftender Feuerwehrmänner damit

im Promillebereich. Laut dem Fachverband der Feuerwehren DFV sind nur ca. 0,3 Prozent aller Brandstiftungen auf Feuerwehrleute

zurückzuführen.

Michael Prochnow

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