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Grevesmühlen SPD fordert Glyphosat-Verbot
Mecklenburg Grevesmühlen SPD fordert Glyphosat-Verbot
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14:01 23.02.2018
In Mecklenburg-Vorpommern häufig zu sehen: Ein Landwirt versprüht auf seinem Feld das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Quelle: Foto: Frank Söllner
Lüdersdorf

Wird Lüdersdorf nach Rostock und Neustrelitz die dritte „glyphosatfreie Kommune“ in Mecklenburg-Vorpommern? Geht es nach dem Willen der SPD in der Gemeinde, ja. Die Fraktion der Sozialdemokraten wird in der nächsten Sitzung der Gemeindevertreter den Beschluss beantragen: „Die Gemeinde Lüdersdorf verzichtet ab sofort auf allen Flächen, die sich in ihrem Eigentum oder Besitz befinden (zum Beispiel öffentliche Grünflächen, Straßenbegleitgrün, land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen) den Einsatz von Glyphosat und Pestiziden jeglicher Art.“

„„Es muss sich etwas in der Landwirtschaft ändern.“ Manfred Cordts (63) „Forstwirt und ehemaliger Naturschutzwart aus Klein Neuleben

Weiterhin zugelassen werden sollen Pflanzenschutzmittel für den ökologischen Anbau. Für bereits verpachtetes Land der Gemeinde solle eine Übergangsfrist bis zur Neuverpachtung oder der Verlängerung des bestehenden Pachtvertrags gelten. „Dann wird auch hier der Glyphosat- und Pestizidverzicht festgeschrieben“, fordert die SPD-Fraktion.

Dem Antrag ging eine Abstimmung aller Mitglieder des SPD-Ortsvereins voraus. Der Einsatz von Glyphosat war zudem Thema einer öffentlichen Diskussion, zu der der SPD-Ortsverein einlud. An ihr beteiligte sich auch Manfred Cordts aus Klein Neuleben. Nach den Beobachtungen des Forstwirtes und ehemaligen Mitarbeiters einer Naturschutzbehörde ist ein gravierender Rückgang heimischer Singvögel, Insekten und Wildpflanzen festzustellen. Mitverantwortlich dafür seien der Anbau von Monokulturen sowie der Einsatz von Glyphosat und anderer Pestizide auf den landwirtschaftlichen Flächen. Auch der Weißstorchbestand habe dramatisch abgenommen. Manfred Cordts sagt: „Es muss sich etwas in der Landwirtschaft ändern.“

Die Lüdersdorfer SPD-Fraktion argumentiert, die Gemeinden hätten bei Naturschutz und Landschaftspflege eine Vorbildfunktion. Die schädlichen Auswirkungen von Unkrautvernichtungsmitteln auf Pflanzen, Tiere, Böden, Grundwasser und die menschliche Gesundheit seien viel diskutiert und hinlänglich bekannt.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) empfiehlt, den Einsatz von Glyphosat so schnell wie möglich zu beenden. BfN-Präsidentin Beate Jessel erklärt dazu: „Der Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln hat, das belegen die von uns ausgewerteten wissenschaftlichen Studien, erheblich negative Auswirkungen auf die biologische Vielfalt.“ Das treffe auch auf die in Deutschland derzeit zugelassenen Anwendungen zu.

Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern: Der Einsatz ist vernünftig

Unter Landwirten ist der Einsatz von Glyphosat ein Thema hoch emotionaler Diskussionen. Viele Befürworter sehen sich zu Unrecht kritisiert und an mediale Pranger gestellt.

Eine gute Nachricht für die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern: So hat der Landesbauernverband die Zulassung von Glyphosat für mindestens fünf weitere Jahre bezeichnet. Das widersprüchliche Verhalten der Politik habe endlich ein Ende. Die Vernunft habe sich durchgesetzt. Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck argumentiert, pflugloser Ackerbau, für den Stoffe wie Glyphosat unverzichtbar seien, könne auf seltene Arten wie die Rotbauchunke oder den Kammmolch sehr positiv wirken. Pfluglose Bearbeitung heiße auch: weniger Kraftstoffverbrauch, weniger CO

2 und eine geringere Gefahr von Boden- und Winderosionen. Kurreck erläutert: „Wir Landwirte lieben die Natur, in der wir arbeiten und von der wir leben. Nachhaltigkeit ist unsere wichtigste Arbeitsgrundlage und es gibt viele gute Gründe, warum Glyphosat seit über 40 Jahren in der Landwirtschaft verantwortungsvoll eingesetzt wird.“ Jedem Landwirt solle die Entscheidung überlassen sein, ob auf seinen Flächen der Glyphosat-Einsatz sinnvoll ist oder nicht. Alle Forschungsergebnisse weltweit würden zeigen, mit Ausnahme der Weltgesundheitsorganisation, dass Glyphosat bei korrekter Anwendung harmlos sei, so Kurreck. jl

Jürgen Lenz

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