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Schatten über dem neuen Zuhause

Grevesmühlen Schatten über dem neuen Zuhause

In Grevesmühlen gibt es Kritik am Mühlenblick-Bebauungsplan / Neubürger fürchten zu hohe Nachbargebäude

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Blick aus dem Dachfenster der Familie Kochems: Die Erschließungsarbeiten für das Baugebiet am Mühlenblick haben begonnen.

Quelle: Fotos: Annett Meinke

Grevesmühlen. Sascha Kochems (35) und seine Frau Svenja (29) sind genau die Art von Neubürgern, über die sich Grevesmühlens Stadtvertreter freuen müssten: jung, gut ausgebildet, mit sicheren Jobs, der erste Nachwuchs kommt schon bald zur Welt. Im September 2015 sind der Zollbeamte, der in Lübeck arbeitet, und die Gymnasiallehrerin, die in Wismar unterrichtet, in eine Doppelhaushälfte im Neubaugebiet an der Alten Gärtnerei gezogen. Bisher waren sie gern „Neu-Grevesmühlener“, wie sie sagen. Sie fühlten sich ausgesprochen wohl hier. Doch nun ist ein Schatten auf ihr neues Zuhause gefallen. Die Kochems haben plötzlich das Gefühl, dass der Stadtverwaltung, die mit „Familienfreundlichkeit“ für Zuzug wirbt, im Grunde die Belange von bereits Zugezogenen ziemlich egal sind.

OZ-Bild

In Grevesmühlen gibt es Kritik am Mühlenblick-Bebauungsplan / Neubürger fürchten zu hohe Nachbargebäude

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Der Grund für die Enttäuschung der jungen Familie ist der neue Bebauungsplan für das Gebiet am Mühlenblick. Konkret geht es um die maximale Firsthöhe von neun Metern für die Häuser, die in dem Bauabschnitt gebaut werden können, der vier Meter hinter dem Haus der Kochems beginnt. „Wir wussten natürlich“, sagt Sascha Kochems, „dass ein neues Baugebiet entsteht. Damit hatten wir kein Problem.

Doch irgendwie sind wir davon ausgegangen, dass der neue B-Plan die Belange derjenigen berücksichtigen wird, die erst vor kurzem in der ’Alten Gärtnerei’ gebaut haben. Die sich hier in Grevesmühlen eine neue Existenz aufbauen.“

Das Haus der Kochems hat eine Firsthöhe von sieben Metern. Sie fragen sich, warum sich die Stadt nicht an den bereits existierenden Neubauten in der Alten Gärtnerei orientiert? Und: „Ob wohl jemals einer der Stadtvertreter vor Ort war, um sich die Situation einmal anzuschauen?“

Die Befürchtung der Kochems – und auch des ein oder anderen Anwohners in ihrer direkten Nähe – ist, dass der Schattenwurf der neuen Häuser, ihre nach Süden ausgerichteten Terrassen und Gärten verdunkeln und die Leistung ihrer Solaranlagen auf dem Dach beeinträchtigen wird. „Zumindest im Winter, wenn die Sonne niedrig steht, wird das bestimmt der Fall sein“, sagt Svenja Kochem. Sie meint, dass die Stadt, die sich auch „Stadt ohne Watt“ nennt, in diesem Fall aber die Solaranlagen derer, die neu gebaut haben, dann einfach boykottiert. Nachdenklich setzt sie hinterher: „Vier Meter Abstand zur Grenze der neuen Grundstücke ist wirklich nicht viel.“

Tatsächlich gestaltet sich der B-Plan für den Mühlenblick, was das angeht, schon kulant. Gesetzlich vorgeschrieben sind lediglich drei Meter Abstand zum nächsten Grundstück. Das mit der möglichen Firsthöhe von neun Metern in ihrer direkten Nachbarschaft ist den jungen Leuten erst kürzlich aufgefallen. „Wir waren so mit dem Gestalten des Hauses und seiner Anlagen beschäftigt“, sagt Sascha Kochems, „dass wir nicht viel mitbekommen haben.“ Zudem erklärt seine Frau Svenja, „hatten wir anfangs noch keine Zeitung abonniert und haben auch deshalb gar nichts von der Auslegung des B-Plans für den Mühlenblick mitbekommen.“

In den letzten Wochen haben die Kochems noch einiges versucht, um die Stadtvertreter zu einer Änderung des B-Plans in Bauabschnitt WA 2 zu bewegen. Sie schrieben an den Bürgermeister, kontaktierten die Mitglieder des Bauausschusses, stellten ihr Anliegen auf Fraktionssitzungen vor. „Doch offensichtlich fand Niemand unsere Argumente bedenkenswert. Wir wurden immer wieder mit dem Hinweis darauf, dass sich der Plan im rechtlichen Rahmen bewegt, abgewiesen“, sagt Svenja Kochems.

Seit Montag ist der B-Plan für den Mühlenblick beschlossene Sache. Eine Klage dagegen bliebe der jungen Familie. Doch dazu verspüren sie keine Lust – zumal die Aussichten auf Erfolg gering sind.

Bleibt den jungen Neu-Grevesmühlenern nur noch zu hoffen, dass die Grundstücke in ihrer Nähe an Käufer gehen werden, die die maximale Firsthöhe von neun Metern gar nicht ausreizen wollen.

Mühlenblick: Stadtvertreter lehnen B-Plan-Änderung ab

Mit deutlicher Mehrheit haben die Grevesmühlener Stadtvertreter für den Bebauungsplan für das Gebiet „Mühlenblick“ gestimmt. Die Einwände von Sascha Kochems (Siehe Beitrag oben), der die geplante Höhe der künftigen Eigenheime kritisierte, änderten nichts an der Entscheidung.

Erich Reppenhagen, Vorsitzender des Bauausschusses, erklärte in diesem Zusammenhang, dass er auch dann nicht anders entschieden hätte, wenn er im Vorfeld von den Einwänden gewusst hätte. „Es handelt sich um ein ganz normales Wohngebiet mit Eigenheimen in normalen Ausmaßen“, so Reppenhagen. Kochems hatten moniert, dass sie Einbußen bei der Sonneneinstrahlung hätten, wenn südlich ihres Hauses Eigenheime mit einer Firsthöhe von neun Metern errichtet würden, wie der B-Plan es möglich macht. Planer Ronald Mahnel wies in der Diskussion darauf hin, dass die gesetzlichen Mindestabstände zwischen den Baufenstern nicht einmal ausgereizt worden seien. „Es gibt keinen Grund, hier etwas zu ändern. Trotzdem sollte man sich mit den Stellungnahmen in Hinblick auf künftige Baugebiete auseinandersetzen.“ Man habe sich durchaus mit den Anregungen der betroffenen Familie auseinandergesetzt, betonte der Planer. „Aber wir sind zu keinem anderen Ergebnis gekommen.“

Im Vorfeld hatte es im Bauausschuss zahlreiche Debatten um die Größe und Ausmaße der Häuser gegeben. Mit dem Ergebnis, dass man den Bauherren größere Freiheiten lassen wolle als es bei den bisherigen Gebieten der Fall war. Das führt dazu, dass die Nachbarhäuser neben Familie Kochems anderthalb Meter höher ausfallen könnten. „Es ist nicht gesagt, dass auch jeder Eigenheimbauer das Maximum ausreizt“, so Bauamtsleiter Lars Prahler. Und was die Sonneneinstrahlung betreffe, „so dürfte es am kürzesten Tag des Jahres, am 21. Dezember, vielleicht Einschränkungen geben.“ Stadtvertreterin Christiane Münter (grevesmühlen.jetzt) hatte gar ein Gutachten zum Thema Schattenwurf angeregt. „Das ist doch ein Eulenspiegelstreich, wenn jemand ein Haus baut, er aber die Sonnenenergie nicht nutzen kann.“

M. Prochnow Annett Meinke

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