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Die Hochburgen des Ehrenamts

Schönberger Land Die Hochburgen des Ehrenamts

Nirgendwo sonst ist das Engagement von Menschen für das Wohl der Allgemeinheit so stark verbreitet wie in den kleinen Gemeinden - Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren im Schönberger Land sagen warum

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Stolz präsentieren sich Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemz mit Bürgermeister Rainer Berger (l.) vor dem Gerätehaus.

Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Schönberger Land. Im Amt Schönberger Land wird es bei genauerem Hinsehen offenbar: Der ehrenamtliche Einsatz von Menschen für Menschen ist nirgendwo so groß wie in den kleinen Gemeinden. Dort ist der Prozentsatz der Frauen, Männer und Jugendlichen, die sich in den freiwilligen Feuerwehren engagieren, um ein Vielfaches höher als in großen Gemeinden und Städten. Und das soll sich nach dem Willen der ehrenamtlichen Helfer und der Gemeindevertreter auch nicht ändern. „Die Leute hier sind sehr engagiert“, sagt Rainer Berger, Bürgermeister der Gemeinde Groß Siemz.

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Nirgendwo sonst ist das Engagement von Menschen für das Wohl der Allgemeinheit so stark verbreitet wie in den kleinen Gemeinden - Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren im Schönberger Land sagen warum

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Die Feuerwehr regelt hier das ganze Dorfleben.“Rainer Berger, Bürgermeister der Gemeinde Groß Siemz

Er macht auch deutlich, dass die freiwillige Feuerwehr nicht nur den Brandschutz und die technischen Hilfeleistungen übernimmt: „Die Feuerwehr regelt hier das ganze Dorfleben.“

Es ist eine stattliche Wehr, die sich in der 296-Einwohner-Gemeinde zum Gruppenbild zusammenfindet. 35 Mitglieder gehören ihr an. Darunter sind 25 Aktive. Stephan Haberkorn leitet die Wehr, Renate Röthling den Nachwuchs. Haberkorn sagt: „Es ist wichtig, dass, wenn es brennt, jemand schnell vor Ort ist.“ Entsprechend ausgerüstet ist die Siemzer Feuerwehr. „Da sind wir gut aufgestellt“, betont der Bürgermeister. Alle 14 Tage donnerstags um 19 Uhr treffen sich die Brandschützer in Groß Siemz zum Dienst. „Jeder kann selbst zur Feuerwehr kommen und sich ein Bild machen“, sagt Berger. Aktiv sind die Brandschützer auch, wenn es darum geht, Osterfeuer, Feste, Umzüge, Kameradschaftsabende und Preisskatrunden zu organisieren. Der Groß Siemzer Bürgermeister erklärt: „Gerade dort, wo viele Pendler wohnen, muss man die Leute zusammenkriegen. So bleibt der Zusammenhalt erhalten.“ Das ist eine Ursache dafür, dass die Menschen in den Dörfern stolz sind auf ihre Feuerwehr.

Es ist auch ein Grund dafür, dass Michael Karow nach seinem Umzug nach Grieben kaum ein Jahr vergehen ließ, bevor er in die Feuerwehr eintrat. Er erzählt beim Treffen vor dem Gerätehaus: „Ich habe es gemacht, weil ich finde, es ist in so einer Gemeinschaft wichtig, dass man sich gegenseitig hilft.“ Das finden in dieser kleinen Kommune außerordentlich viele Menschen. 35 engagieren sich in der Freiwilligen Feuerwehr Grieben, zieht Wehrführer Jens Hillbrecht Bilanz. Er sagt: „Jede Familie ist hier Mitglied.“ Warum? Der Griebener Feuerwehrmann Torsten Renzow antwortet: „Es gehört hier halt dazu. Ich helfe anderen so wie andere mir helfen.“ Über die Griebener Wehr sagt Renzow: „Wir ziehen alle an einem Strang.“ Das ist historisch gewachsen. Eine freiwillige Feuerwehr gibt’s in Grieben bereits seit 1927. Heute ist Jens Hillbrecht froh: „Acht Kameraden arbeiten hier oder in der Nähe. So können wir immer mit einer Staffel ausrücken.“

Auch in der Gemeinde Grieben sorgt die Feuerwehr nicht nur für Brandschutz, technische Hilfeleistungen und dafür, dass wenig Zeit vergeht, bis in der Not Helfer da sind. Sie organisiert Feste, Osterfeuer, Tannenbaumverbrennen und, zusammen mit Jägern, Frühjahrsputzaktionen. Oder sie pflanzt Bäume. Ihr Förderverein ist einer der ältesten in der Gegend. Torsten Renzow sagt: „Das Schöne ist:

So haben auch die, die nicht in der Feuerwehr aktiv sind, die Möglichkeit etwas zu geben.“

Der Griebener Jugendwehr, die André Reinsch leitet, gehören zehn Kinder und Jugendliche an. Ebenso rege ist die Nachwuchsarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Harkensee. „Da sind wir auch stolz drauf“, sagt Jugendwart Karsten Glöde. Seine Bilanz: „Derzeit haben wir neun Kinder im Alter von zehn bis 15 Jahre, davon ein Mädchen.“ Sie seien die Nachwuchskräfte für die Feuerwehr. Ihr gehören 19

Aktive und sieben Ehrenmitglieder an. Karsten Glöde sagt, die jungen Brandschützer seien begeistert von der 2008 gegründeten Jugendfeuerwehr. Und was sagen die Jugendlichen? „Es macht Spaß.“ „Es ist interessant.“ „Es fördert die Teamfähigkeit.“ „Es gibt einem was fürs Leben mit, erste Hilfe zum Beispiel.“ „Die Wettkämpfe und die Zeltlager sind gut.“

Dafür, dass die Feuerwehr im Dorf bleibt, setzen sich auch in der Gemeinde Lüdersdorf viele Menschen ein. Besonders erfolgreich ist dort seit einigen Monaten die Freiwillige Feuerwehr Boitin-Resdorf/Neuleben. Sie hat seit Dezember vorigen Jahres acht Mitglieder hinzugewonnen – „hauptsächlich durch persönliche Ansprache“, erklärt Ortswehrführer Thomas Ewald-Nifkiffa. Er sagt:

„Bei uns steht der Urgedanke der Feuerwehr im Vordergrund: die gegenseitige Hilfe. Das ist im Dorf noch wichtiger als in der Stadt, wo es eine Berufsfeuerwehr gibt.“ Die Wehr sprach Ende 2015 offen und ehrlich an, dass ihr nur noch zehn Mitglieder für Einsätze zur Verfügung stehen. Sie machte den Bürgern klar: „Wir brauchen mindestens 15 einsatzbereite Kameraden, besser 18.“ Die 18 hat sie jetzt – und 14 Mädchen und Jungen in der 2015 gegründeten Jugendwehr. Welche Hintergründe hat dieses Wachstum? Thomas Ewald-Nifkiffa sagt: „Man muss als Feuerwehr attraktiv bleiben und Spaß

haben, auch wenn es eine ernste Sache ist.“ Ebenso wichtig sei zu transportieren, „dass wir Leute wie Du und ich sind und nicht Rettungshelden. Man muss kein Held sein, um in die Feuerwehr zu gehen.“ Hemmschwellen sollten abgebaut werden und: „Wir müssen der Feuerwehr ein Gesicht geben und das Thema zu den Leuten bringen.“

Beim 48-jährigen Roger Wachholz klingelten die ehrenamtlichen Helfer sogar mehrmals. Er erzählt: „Vor meiner Tür stand eine sympathische Truppe.“ Er sei gewissermaßen von der Feuerwehr abgeholt worden. Roger Wachholz sagt: „Nachbarschaftshilfe ist wichtig“ und „Wenn Du hier dazugehören willst, musst du hier auch etwas machen.“ Ihm sei mit den Besuchen der Wehr etwas klar geworden: „Es wurden mir die Augen geöffnet, dass hier etwas auf Kante ist.“

Diese Sorge ist nun Vergangenheit. Um den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr Boitin-Resdorf/Neuleben bangt Thomas Ewald-Nifkiffa nicht. Rainer Berger geht es in Groß Siemz ebenso. Er sagt mit fester Stimme: „Hier ist eine einsatzfähige Wehr und die wird es auch in Zukunft geben.“

Kleine Gemeinde Spitze

21 Prozent der Bürger von Grieben gehören der freiwilligen Feuerwehr an: 35 von 170.

3 Prozent der Einwohner des Amtes Schönberger Land sind ehrenamtliche Brandschützer: 540 von 18060.

2 Prozent der Bürger der Stadt Schönberg sind in der freiwillligen Feuerwehr: 82 von 4340.

2 von 100 beträgt der Anteil der ehrenamtlichen Brandschützer an der Bevölkerung des Landkreises Nordwestmecklenburg einschließlich der Hansestadt Wismar: 3300 von 155400. jl

Jürgen Lenz

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