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Grevesmühlen Falsche Bäume: Jetzt wird es richtig teuer
Mecklenburg Grevesmühlen Falsche Bäume: Jetzt wird es richtig teuer
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01:22 20.02.2015
Nach einem Sturm kippten in Herrnburg reihenweise Robinien auf die Straße. Die Baumart ist für den Standort ungeeignet. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Eine Fehlentscheidung Mitte der 90er-Jahre fällt der Gemeinde Lüdersdorf jetzt mächtig vor die Füße. „Da wird auf die Gemeinde ein Batzen Geld an Ausgaben zukommen“, sagt Bernhard Strutz, Gemeindevertreter der Wählergemeinschaft „Bürger für Lüdersdorf“ voraus. Es geht um rund 100000 Euro. So viel wird es kosten, Robinien in Herrnburg zu entfernen und als Ersatz dafür 130 Bäume einer anderen Art zu pflanzen und zu pflegen. Beschlossen haben die Gemeindevertreter das zwar noch nicht, doch sie teilen über die Fraktionsgrenzen hinweg die Einschätzung von Andreas Scheel, einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Pflege, Sanierung und Bewertung von Bäumen, der sagt: „Aus fachlicher Sicht sollte man einen Schnitt machen und neue Bäume pflanzen, die auch später keine Gefahr darstellen.“

Dass die Robinien an einigen Straßenrändern in Herrnburg eine Gefahr darstellen, wurde am 28. Oktober 2013 für jedermann sichtbar: Als das Orkantief „Christian“ über Norddeutschland hinwegfegte, fielen die Robinien in Herrnburg gleich reihenweise um, ragten Wurzeln aus sandigem Boden, drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen.

Weitere Robinien musste die Feuerwehr noch am selben Tag absägen, weil die akute Gefahr bestand, dass sie auf Gebäude, Gärten oder die Straße kippen. Übrig blieben 85 Bäume. 27 sind mittlerweile mit Farbe markiert. Sie stellen laut einem Gutachten eine Gefährdung dar und dürfen mit Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde abgenommen werden.

Bürgermeister Erhard Huzel (CDU) warnt: „Wenn man jetzt einzelne Bäume herausnimmt, entsteht eine Art Dominoeffekt.“ Die 58 verbleibenden Robinien würden bei Stürmen stärker belastet, nachdem Nachbarbäume entfernt wurden. Das sei im bisherigen Gutachten noch nicht berücksichtigt worden. Zum Teil würden auch Anwohner befürchten, dass bei einem Sturm wieder Robinien umkippen. Huzel betont:

„Es ist nicht so, dass da einfach gesunde Bäume abgenommen werden.“

Gemeindevertreter Uwe Harder (Wählergemeinschaft Ländlicher Raum, Umwelt und Landwirtschaft) bringt ein weiteres Argument fürs Fällen vor: „Die Gemeinde ist verkehrssicherungspflichtig. Auch deshalb ist es nach meiner Auffassung angesagt, die Bäume abzunehmen.“

Gutachter Andreas Scheel empfiehlt ebenfalls, die restlichen 58 Robinien zu entfernen und Ersatz zu pflanzen. Seines Erachtens nach könne es jederzeit wieder zu Windbruch kommen, wenn die Bäume noch Laub tragen und einem Sturm ausgesetzt sind. Die Robinien seien mit ihren flachen Wurzeltellern und den hohen Kronen an dem Standort falsch. Auch neige die Baumart dazu, im Alter im Kronenbereich zu brechen. Warum wurden sie dort trotzdem in den sandigen Boden gepflanzt? Diese Frage hat, zwei Jahrzehnte später, bisher niemand beantwortet. Fakt ist nach Auskunft des Amtes Schönberger Land: Die Robinie gehört nicht zu den Baumarten, die im damaligen Pflanzplan aufgelistet sind.

Ersetzt werden sollen sie durch Mehlbeerbäume, wie sie bereits an der Straße „Staunsfeld“ stehen. „Dort macht diese Baumart keine Probleme“, sagt Erhard Huzel. Mehlbeerbäume wachsen relativ langsam, sind kleinkronig und robust. Diesen Ersatz für die Robinien haben die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig empfohlen. Nach ihrem Willen soll das Gutachten entsprechend ergänzt und die untere Naturschutzbehörde auch um eine Genehmigung zum Fällen der restlichen 58 Bäume gebeten werden.



Jürgen Lenz

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