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Grevesmühlen Furcht vor neuem Kiesabbau
Mecklenburg Grevesmühlen Furcht vor neuem Kiesabbau
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06:21 28.08.2013
Folge von Kiestransporten in Teschow: Risse im Fußboden.

Vögel zwitschern, Grillen zirpen, Blättern rascheln leise. Die Halbinsel Teschow ist ein Hort der Ruhe, seitdem vor sechs Jahren die Kieslaster verschwanden. „Bis zu 70, 80 Lkw sind hier am Tag vorbeigefahren“, erinnert sich die Teschowerin Hannelore Mellahn. Die 58-Jährige wohnt mit ihrer Familie an der einzigen Zufahrtsstraße von Teschow. Wie sie fürchten nun viele Einwohner des Ortes, dass der Kiesabbau wieder beginnt und zur Dauerbelastung wird. Der Grund: Die Sanders Immobilien-Verwaltung- Leasing GmbH & Co. KG hat beim Bergamt Stralsund eine Änderung des „Rahmenbetriebsplans für den Kiessandabbau für den Tagebau Teschow Erweiterung“ beantragt. Wie dem Antrag zu entnehmen ist, geht es der Firma darum, die Genehmigung zum Kiesabbau über das Ende dieses Jahres hinaus bis zum 31. Dezember 2030 zu verlängern.

Das Unternehmen aus Münster in Westfalen hat das Gewinnungsrecht für das Abbaugebiet Teschow Erweiterung im Jahr 2007 vom Insolvenzverwalter der pleite gegangenen Firma „Kiesgewinnung Selmsdorf GmbH & Co. KG“ erworben. Jetzt räumt Sanders zwar ein, dass seit 2008 kein Betreiber für Abbau und Vermarktung des Teschower Kieses gefunden wurde, aber: „Ungeachtet dessen handelt es sich bei dem noch vorhandenen Bodenschatz um ein wertvolles Wirtschaftsgut, das bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Territorium mittel- bis langfristig stärker nachgefragt wird.“ Die in Teschow Erweiterung lagernden Kiessande seien erst zu etwa 40 Prozent gewonnen worden. Sanders gibt die Menge der noch abbaubaren Vorräte mit 1,5 Millionen Tonnen an. Sie könnten auf 13,14

Hektar gewonnen werden.

Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet „Palinger Heide und Halbinsel Teschow“. Trotzdem ist in diesem Fall ein Kiesabbau zulässig, meint Sanders. Die Firma argumentiert, mit dem am 15. März 2002 ergangenen Planfeststellungsbeschluss für Teschow Erweiterung, der nun verlängert werden soll, liege bereits eine Abbaugenehmigung vor. Die Verordnung für das Landschaftsschutzgebiet „Palinger Heide und Halbinsel Teschow“ trat am 11. Mai 2011 in Kraft.

„Nach heutigem Stand würde der Kiesabbau nicht mehr genehmigt“, sagt Dr. Björn Lange, Vorsitzender des Vereins „Freunde und Förderer der Halbinsel Teschow“. Es könne nicht sein, dass jetzt auf Grundlage veralteter Daten eine Genehmigung um fast zwei Jahrzehnte verlängert werde. Ausschlaggebend im Verfahren müsse das Allgemeinwohl sein. Gesamtwirtschaftlich bestehe für einen Kiesabbau auf der Halbinsel Teschow kein Bedarf. Sie sei ein sensibler Bereich für Natur und Naherholung. Die Landschaft werde durch einen Kiesabbau unwiederbringlich verändert.

„Bei einem Kiesabbau in Teschow gibt es nur Verlierer — außer einem: dem Unternehmer“, sagt Marcus Kreft, Einwohner von Teschow und SPD-Kommunalpolitiker in der Gemeinde Selmsdorf, zu der der Ort gehört. Nach Krefts Ansicht hätten Natur, Menschen und Gemeindestraßen unnötig unter einem Kiesabbau und den damit verbundenen Schwerlasttransporten zu leiden. Morgen Abend stellt die SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung den Antrag, dass sich Selmsdorf gegen den Kiesabbau ausspricht. Beginn der öffentlichen Sitzung: 19 Uhr in der Schule.

„Es wäre eine starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und des Biotopenverbundes“, sagt der ehrenamtliche Teschower Naturschutzwart Matthias Schorling (37). Seine Beobachtung nach dem bisherigen Kiesabbau auf der Halbinsel Teschow: „Die Renaturierung hinterher ist spärlich.“

Der Teschower Familie Mellahn brachten die Kiestransporte nur Lärm, Staub und Risse in Fußböden und Wänden. „Ich möchte nicht, dass es wieder losgeht“, sagt Hannelore Mellahn. Eine Entschädigung hat die Familie nicht bekommen. Andreas Melahn fragt: „Wer kommt für zukünftige Schäden des Kiesabbaus auf?“

Jürgen Lenz

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