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Grevesmühlen Gemeinde will an der Bücherei sparen
Mecklenburg Grevesmühlen Gemeinde will an der Bücherei sparen
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07:24 02.11.2016
Eine Frau geht durch eine gut sortierte Bücherei. In Selmsdorf soll an der Gemeindebibliothek gespart werden. Quelle: dpa

Bürgermeister Markus Kreft (SPD) will darüber noch nicht sprechen. Allerdings pfeifen es die Spatzen in Selmsdorf bereits von den Dächern: Die Bibliothek in der Gemeinde bekommt ab Januar einen neuen Betreiber. Der Verein für Kommunikation, Umwelt und Kultur (KUK) aus Schönberg soll die Bücherei übernehmen. Darauf haben sich die Gemeindevertreter im nichtöffentlichen Teil ihrer jüngsten Sitzung geeinigt.

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Mit der Übergabe der Selmsdorfer Bibliothek an den Schönberger Verein KUK sinken Ausgaben um 22000 Euro

Gute Ausstattung

Etwa 5000 Medien – Bücher, DVDs und CDs – werden in Selmsdorfs Gemeindebücherei angeboten. Besucher können in der Bücherei zudem an drei Plätzen ins Internet gehen.

Damit die Arbeit in der Bibliothek weiter geführt wird, zahlt die Gemeinde dem Verein für Kommunikation, Umwelt und Kultur Schönberg e.V. (KUK) im nächsten Jahr 21000 Euro. Der finanzielle Zuschuss für Personalausgaben, Sachkosten und den Kauf von Büchern ist zunächst auf ein Jahr festgelegt. Je nach Haushaltslage will die Gemeinde dann jährlich über die Höhe entscheiden.

Durch die Entscheidung, die Bücherei in die Hände des Vereins für Kommunikation, Umwelt und Kultur zu geben, will die Gemeinde Selmsdorf Geld sparen. Bislang hat sie für die Bibliothek nach Informationen der OZ pro Jahr 43000 Euro ausgegeben. Selmsdorf will so vor allem Personalkosten einsparen. Das Haushaltssicherungskonzept, dass den Gemeindevertretern im November 2016 erstmals vorgelegt wurde, forderte massive Einsparungen. Unter anderem bei der Bibliothek. Seitdem ist klar, dass die Sachbearbeiterin für Kultur und Bibliothek gehen muss. In diesem Sommer hatten die Gemeindevertreter der Kündigung zugestimmt und der Sachbearbeiterin zum Ende des Jahres gekündigt. Die Betroffene will den Rauswurf nicht hinnehmen. Sie hat nach Informationen der OZ auf Wiedereinstellung geklagt. Eine gerichtliche Entscheidung soll es im Januar geben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bücherei in Selmsdorf für Schlagzeilen sorgt. Bis 2010 befand sich die Bibliothek im Keller der Grundschule, wurde vorwiegend von Schülern und Eltern besucht.

Verwaltet hatte die Bücher damals die Schulsekretärin. Dann fiel die Entscheidung, den Gemeindesaal und das Büro des Bürgermeisters als neue Bibliothek zu nutzen. 40 00 Euro investierte die Gemeinde in den Umbau. Viele Einwohner kritisierten die Entscheidung der Gemeindevertreter damals als „hirnverbrannten Kram“.

Für Selmsdorfs langjährigen Bürgermeister Detlef Hitzigrat bedeutete der Beschluss: Er musste für den Umzug der Bücherei sein Büro räumen. Hitzigrat protestierte, widersetzte sich zunächst der Entscheidung, packte im November 2010 aber doch seine sieben Sachen und zog in den Heizungskeller des Gemeindehauses. Sein Schreibtisch stand neben einer Heizungsanlage. Ein Fenster: Fehlanzeige.

Auch einen Telefon- oder Internetanschluss gab es nicht. Zeitungen, Radio- und Fernsehsender kamen damals nach Selmsdorf, um über die Provinzposse zu berichten. Am Ende musste Detlef Hitzigrat auch den Heizungskeller räumen. Der zuständige Schornsteinfeger erklärte, durch die Heizungsanlage könnten Abgase in den Raum gelangen. Noch heute bezeichnet Detlef Hitzigrat die Entscheidung der Gemeindevertreter, sein Büro zu räumen, als eine der „schwärzesten Stunden“ als Bürgermeister von Selmsdorf. „Gerade die SPD hat sehr auf mir herumgehackt. So unehrlich hätte ich die SPD damals nicht eingeschätzt.“

Eigentlich hatte die Gemeinde mit der Bibliothek ganz andere Pläne. Noch im März 2012 sollte sie erweitert werden. Ein Bibliotheksentwicklungskonzept wurde beschlossen. Dafür sollte die vom damaligen Bürgermeister genutzte Garage umgebaut werden. Passiert ist allerdings nichts. Bis heute wurde das Konzept nicht umgesetzt. Stattdessen jetzt der Beschluss der Gemeindevertreter, die Bücherei ab Januar vom Verein KUK betreiben zu lassen. Eine Wendung um 180 Grad. Bei einigen Einwohnern sorgt die Entscheidung für Kopfschütteln. Hinter vorgehaltener Hand fragt sich ein Selmsdorfer, ob das ein „Tod auf Raten oder ein Neuanfang“ ist. Ein anderer glaubt fest daran, „dass das mit Sicherheit der Tod der Bibliothek“ ist.

Steffen Oldörp

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