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Glänzende Bilanzen statt Abrissbirne

Schönberg/Dassow Glänzende Bilanzen statt Abrissbirne

In Schönberg und Dassow machen die stadteigenen Wohnungsgesellschaften Gewinn / Der Leerstand ist minimal

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Im Ulmenweg in Dassow bringt die stadteigene Grundstücksgesellschaft GGD Farbe ins Spiel. Sie hat eine triste Fassade neu streichen lassen.

Schönberg/Dassow. Ralf Anders ist gerne Mieter der stadteigenen Wohnungsgesellschaft in Schönberg. „Die Wohnungen sind okay“, sagt er vor einem der vielen Wohnblöcke der Grundstücksgesellschaft Schönberg (GGS). Anders erklärt: „Gut an dem Vermieter finde ich den Service. Wenn man irgendetwas hat, kommt der Hausmeister. Das geht flott.“ Die Wohnungen der GGS in Schönberg sind genauso begehrt wie die der ebenfalls stadteigenen Grundstücksgesellschaft Dassow (GGD). Hier wie dort ist die Leerstandsquote zwischen null und 1,6 Prozent ausschließlich umzugsbedingt und der in vielen Städten im Osten Deutschlands betriebene Abriss von Plattenbauten überhaupt kein Thema.

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In Schönberg und Dassow machen die stadteigenen Wohnungsgesellschaften Gewinn / Der Leerstand ist minimal

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Warum ist das so? „Es spielen viele Faktoren eine Rolle“, antwortet Heike Post, die sowohl die Geschäfte der GGS als auch der GGD und der Gadebuscher Immobilien-Betreuungs-GmbH (GIB) führt. Als Vorteile von Schönberg nennt sie eine gute Infrastruktur mit Schulen aller Art, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten. Für die Wohnungen in Dassow führt Heike Post ein weiteres Argument an: „Wir konnten in den letzten Jahren gut investieren. Diese Investitionen bringen auch eine gute Vermietungssituation.“ Im Lagebericht der Grundstücksgesellschaft Dassow heißt es dazu: „Zusätzlich haben sich die Ansiedlung von Firmen in den Gewerbegebieten und die unmittelbare Nähe zu Lübeck stabilisierend auf die Vermietung ausgewirkt.“ In der Hansestadt und im Dassower Gewerbegebiet „Holmer Berg“

arbeiten viele Mieter der Grundstücksgesellschaft Dassow. Dem Unternehmen der Stadt gehören 125 Wohnungen mit insgesamt 6726 Quadratmetern. Der für einen Ort mit über 4000 Einwohnern relativ geringe Bestand ist eine Spätfolge der Jahre, in denen Dassow im Sperrgebiet lag. Damals zogen viele Bürger weg und kaum Menschen aus anderen Orten zu. Die Einwohnerzahl von Dassow sank immer mehr, der Bau neuer Wohnungen war selten. Anders die Situation in der Stadt Schönberg, die außerhalb des Sperrgebietes mit seinen Einschränkungen für Einheimische und Besucher lag: In einem Gebiet nördlich der Bahnlinie errichteten Bauarbeiter seit den Sechzigerjahren zahlreiche Wohnblocks. Dadurch verfügt die Grundstücksgesellschaft von Schönberg heute über einen deutlich größeren Bestand als die von Dassow: Es sind 312 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 17046 Quadratmetern sowie 169 Garagen und 186 Stellplätze im Freien.

„Wichtig ist uns, junge Mieter zu binden und die vorhandenen Wohnungen den Bedürfnissen der zunehmend älteren Bevölkerung anzupassen, um den Mietern so lange wie möglich ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen“, heißt es im Lagebericht der Grundstücksgesellschaft Schönberg. Erreicht werde dieses Ziel „dadurch, dass wir unseren Wohnungsbestand im Rahmen der Instandhaltung dem geänderten Nachfrageverhalten der Mieter anpassen.“ Bei den Investitionen werde auf die Pflege und Verbesserung des Bestands ebenso geachtet wie auf eine Mieterbindung.

Finanzielle Spielräume für künftige Investionen schaffen sich die Wohnungsgesellschaften in Dassow und Schönberg durch Überschüsse, die sie erwirtschaften. Dass der Erlös aus der Vermietung von Wohnungen dann investiert wird, findet GGS-Mieter Ralf Anders in Ordnung. Er sagt: „Man will ja ordentlich leben.“

Denkbar ist auch, den Jahresgewinn einer Gesellschaft der Stadt zukommen zu lassen, der sie gehört. Für Schönberg wären das für 2015 rund 173000 Euro. Ronny Freitag (Liberale Wählergemeinschaft Schönberg) regte unlängst in einer Diskussion über die Beteiligung der Stadt an Unternehmen an, der Aufsichtsrat möge mit Blick auf die finanzielle Lage der Kommune prüfen, ob Gelder der GGS dem städtischen Haushalt zugeführt werden könnten und sollten. Freitag erklärte: „Ich halte es für legitim, mal die Frage zu stellen. Ich sage ja nicht, dass ich dafür bin. Als Eigentümer ist es für uns sogar eine Pflicht, uns darüber Gedanken zu machen.“ Weiter verfolgt haben die Stadtvertreter den Gedanken nicht. Marian Stickel (CDU-Fraktion) widersprach: „Ich warne davor, Gewinne für die Stadt abschöpfen zu wollen.“ Die GGS stehe jetzt gut da. Die Leerstandsquote sei ein Spitzenwert. Stickel betonte: „Geld rauszuziehen, wäre eine Bestrafung.“ Neben Stickel plädierte auch der Schönberger Bürgermeister Lutz Götze (SPD-Fraktion) dafür, die Grundstücksgesellschaft wirtschaftlich zu betreiben und Gewinne für künftige Investitionen zu nutzen. Götze sagte:

„Wichtig ist, dass die Gesellschaft in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das macht sie.“

Ähnlich äußert sich die stellvertretende Dassower Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD-Fraktion) auf Anfrage. Sie sagt: „Ich bin total mit der Arbeit von Frau Post zufrieden.“ Sowohl die Stadtvertreter von Dassow als auch die von Schönberg haben die aktuellen Geschäftsberichte der Wohnungsgesellschaften gebilligt. „Es freut mich, dass die positive Entwicklung von den Stadtvertretern gesehen wird“, sagt Heike Post. Das sei auch eine Wertschätzung ihrer Mitarbeiter.

Bei allem Lob findet Ralf Anders eines bedauerlich: Nach einem Mehrheitsvotum von Mietern wurden Reinigungsarbeitern auf eine Firma übertragen, die aber nicht alles säubere. Er sei es von Kind auf gewohnt, dass jeder sauber macht.

Jürgen Lenz

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