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Lüdersdorf: „Stiefelgeld“ kommt gut an

Herrnburg Lüdersdorf: „Stiefelgeld“ kommt gut an

In der Gemeinde bekommen Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr fünf Euro pro Einsatz

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In der Gemeinde Lüdersdorf wird für die Einsatzkräfte ein sogenanntes Stiefelgeld gezahlt.

Quelle: Foto: Arno Burg/lsn

Herrnburg. Das sogenannte Stiefelgeld kommt nach anfänglicher Kritik offenbar gut an bei den Feuerwehrleuten der Gemeinde Lüdersdorf. Im März 2016 hatten die Gemeindevertreter beschlossen, Brandschützern pro Einsatz fünf Euro zu zahlen. Herrnburgs Wehrführer Oliver Boest ist sich sicher, dass keine Wehr wegen des Stiefelgeldes neue Mitglieder bekommt.

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In der Gemeinde bekommen Einsatzkräfte der freiwilligen Feuerwehr fünf Euro pro Einsatz

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„Es geht aber gar nicht um den Eintritt in die Feuerwehr, sondern um ein Danke für den Einsatz, um ein Danke an den einzelnen Kameraden und vor allem an seine Familie.“

Die Einsatzabteilung der Feuerwehr Herrnburg besteht zurzeit aus 39 Einsatzkräften. Laut Angaben von Boest haben 21 davon Kinder im Alter unter zehn Jahren, mehr als drei Viertel gar im Alter von unter sechs Jahren. „Die restlichen 18 Kameraden sind auf dem besten Weg, eine Familie zu gründen“, weiß Herrnburgs Feuerwehrchef. „Und gerade die Familie ist es, die dem Feuerwehrmann den Rücken freihält.“ Denn geht der Pieper, „lassen wir unsere Familien von jetzt auf gleich mit allem alleine.“ Nach dem Motto: „Hier hast du die Kinder, ich muss zum Einsatz“, so Boest. Die Folgen kennt er nur allzu gut. „Dadurch müssen Termine abgesagt werden und lange geplante Ausflüge fallen aus.“

Deshalb sei das Stiefelgeld aus seiner Sicht vor allem eines: ein Dankeschön für die Familien der Brandschützer.

Als Beispiel nennt Boest einen Vater zweier Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Der Feuerwehrmann war im vergangenen Jahr bei 30 der 54 Einsätze der Herrnburger Wehr dabei, hat dafür eine Aufwandsentschädigung von insgesamt 150 Euro bekommen. „Durch das Einsatzgeld geht das Dankeschön an die Familie und reicht für einen Zuschuss zur Urlaubskasse, einen kleinen Ausflug oder zum Beispiel für Jahreskarten in einem Freizeitpark“, sagt Boest und betont: „Das hilft uns als Feuerwehr ungemein, auch weiterhin Rückhalt zu haben, der für unser Ehrenamt so wichtig ist.“ Deshalb möchte sich Herrnburgs Wehrführer für die Entscheidung der Gemeindevertreter vor gut einem Jahr, fünf Euro pro Einsatz Aufwandsentschädigung zu zahlen, „ausdrücklich bedanken.“

Ähnlich sieht es Boitin-Restorfs Wehrführer Thomas Ewald-Nifkiffa. „Das ist ein tolles Zeichen der Anerkennung“, sagt er. Für ihn hat das Stiefelgeld vor allem symbolischen Charakter. „Uns Feuerwehrleuten bedeutet das sehr viel. Das ist ein nettes, zusätzliches Dankeschön. Deshalb finde ich es eine gute Sache.“ Auch Gemeindewehrführer Michael Schinke ist zufrieden, bezeichnet die Aufwandsentschädigung als „nettes Zeichen von Seiten der Gemeinde“. Für ihn steht aber auch fest, dass man mit den fünf Euro pro Einsatz „keine neuen Kameraden gewinnt.“ Und „reich wird davon auch keiner. Denn letztendlich werden ja gerade mal die Kosten gedeckt, die den Feuerwehrleuten durch das Fahren entstehen“, betont Schinke.

Gut ein halbes Jahr gibt es das Stiefelgeld laut Schinke jetzt. Die ersten Auszahlungen beginnen demnächst. Welche Summe der Gemeinde Lüdersdorf durch die Aufwandsentschädigung entsteht, könne Schinke nicht sagen. „Das ist ziemlich kompliziert“, sagt er. „Wir melden dem Amt Schönberger Land die Anzahl der Personen, die beim Einsatz dabei waren. Die Verwaltung rechnet es dann aus.“

Ursprünglich waren sogar mal zehn Euro pro Einsatz in der Gemeinde Lüdersdorf mit ihren fünf Ortswehren im Gespräch. Am Ende einigten sich die Gemeindevertreter auf die Hälfte. Nach dem Beschluss im März 2016 gab es zunächst heftige Kritik. Schattins Wehrführer Olaf Abel, der für die CDU in der Lüdersdorfer Gemeindevertretung sitzt, bezeichnete die Aufwandsentschädigung als „grotesk“, sagte, er fühle sich als Feuerwehrmann „auf den Arm genommen“.

Nordwestmecklenburgs Kreisbrandmeister Torsten Gromm warnte gar davor, dass das Stiefelgeld für manche Feuerwehrleute zu finanziellen Nachteilen führen könne. Die fünf Euro pro Einsatz seien laut Gromm nämlich sozialversicherungspflichtige Einnahmen und müssten beim Lohnsteuerjahresausgleich mit angegeben werden. Unter Umständen müsse das Geld nicht nur versteuert, sondern auch noch Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden.

Auch Landesbrandmeister Hannes Möller kritisierte das beschlossene Stiefelgeld der Lokalpolitiker. Aus seiner Sicht gebe es bessere Möglichkeiten, den ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehrleute zu würdigen. Zum Beispiel mit einer Ehrenamtskarte, mit Rabatten, durch eine kommunale Altersvorsorge, durch zeitgemäße Ausrüstung, durch Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche oder Nachhilfeunterricht für Mitglieder der Jugendfeuerwehren. Möller warnte sogar davor, dass Aufwandsentschädigungen bei Einsätzen innerhalb einer Feuerwehr zu Neid und Missgunst führen könnten. All die Befürchtungen haben führende Brandschützer der Gemeinde Lüdersdorf gut ein halbes Jahr nach Einführung des Stiefelgeldes offenbar nicht.

Die freiwillige Feuerwehr

Eine freiwillige Feuerwehr ist eine öffentliche Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern, mitunter auch einigen hauptamtlichen Kräften,

zusammensetzt.

Im Gegensatz dazu besteht eine Berufsfeuerwehr (BF) aus rein hauptamtlichen Einsatzkräften.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, in den meisten Städten Deutschlands gebe es eine Berufsfeuerwehr, wird der

abwehrende Brandschutz und die

allgemeine Hilfe

in Deutschland hauptsächlich durch freiwillige Kräfte sichergestellt. Bei einer Gesamtzahl von 2074 Städten in Deutschland existieren in

lediglich knapp über 100 dieser Städte

Berufsfeuerwehren.

In der Region im Nordwesten Mecklenburgs existieren Berufsfeuerwehren in Wismar, Schwerin und Lübeck.

Steffen Oldörp

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