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Schloss Gadebusch wechselt den Besitzer

Grevesmühlen/Gadebusch Schloss Gadebusch wechselt den Besitzer

Das dringend sanierungsbedürftige Objekt ist für 220 100 Euro unter den Hammer gekommen / Stadt hat es ersteigert

Grevesmühlen/Gadebusch. Das Schloss in Gadebusch hat einen neuen Besitzer: Die Stadt hat bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Grevesmühlen den Zuschlag erhalten – in Person von Hans-Christoph Struck. Er setzte sich im Bieterverfahren durch. Für 220100 Euro kam das denkmalgeschützte Objekt unter den Hammer. Struck gab direkt nach Beendigung der Auktion bekannt, dass er für die Stadt Gadebusch angetreten sei. Der 60-Jährige ist selbst Stadtvertreter.

 

OZ-Bild

Das Schloss Gadebusch ist im 16. Jahrhundert entstanden.

Quelle: Foto: Oz-Archiv

Insgesamt hatte es bei der Zwangsversteigerung 59 Gebote von fünf verschiedenen Bietern gegeben, darunter auch aus Lübeck oder Hamburg. Am Ende lieferte sich Struck für die Stadt Gadebusch ein Wettbieten mit einem Teilnehmer, der seinen Namen nicht preisgeben wollte. „Ich bin erleichtert“, sagte Struck nach der knapp einstündigen Auktion. Die Taktik, sich erst im Nachhinein als kommunaler Vertreter auszugeben, hat allerdings nicht voll funktioniert. „Ich habe gedacht, dass ich nicht ganz so viel zahlen muss“, gab Struck im Nachgang zu.

Das marode Schloss hat laut Gutachten nur noch einen Verkehrswert von 45000 Euro. Die Instandsetzungskosten werden mit circa 4,7 Millionen Euro beziffert, liegen aber wahrscheinlich noch erheblich darüber.

Die Zwangsversteigerung des Objekts und der dazugehörigen 8521 Quadratmeter großen Fläche war angesetzt worden, weil der Verein „HoffnungsGut Gadebusch“ als bisheriger Besitzer diverse Forderungen unbeantwortet ließ. Dazu gehörten nicht getätigte Grundsteuerzahlungen an die Stadt sowie nicht durchgeführte Notsicherungen, die durch die Denkmalschutzbehörde des Landkreises gefordert wurden. Ein darauf verhängtes Zwangsgeld in fünfstelliger Höhe wurde ebenfalls nicht gezahlt.

Die Gebäude der Schlossanlage sind seit einigen Jahren ungenutzt. Nun soll das Objekt aus dem 16. Jahrhundert, das als Beispiel norddeutscher Backsteinrenaissance gilt, kommunal betrieben werden.

„Wir planen ein Vereins- und Kulturhaus“, so Struck. Doch durch den Sanierungsstau, der sich gebildet hat, habe man einen langen Weg vor sich. Die Stadt rechnet mit einer Arbeitszeit von zehn Jahren.

Denn Schloss Gadebusch gilt als ein ewiger Sanierungsfall. Zu den Baustellen gehören unter anderem die defekten Dachentwässerungen sowie offene Stellen im Dach, aber auch kaputte Fenster und Türen.

Durch die jahrelang fehlende Instandhaltung und Beheizung sind gravierende Feuchtigkeitsschäden entstanden. Auch die Hausanschlüsse der Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung sind wegen Rohrschäden gesperrt. Die Sanitär- und Elektroanlage ist nicht mehr funktionsfähig. Außerdem fehlen in einigen Räumen Fußböden einschließlich Dielung und der Deckeneinschübe, wie in einer Erläuterung zur Versteigerung zu lesen ist. „Der bauliche Zustand hat sich auch durch Vandalismus weiter verschlimmert“, steht darin.

Schloss entstand zwischen 1570 und 1573

Eine slawische Ringwallburg stand dort, wo heute das Gadebuscher Schloss ist. 1143 wurde sie durch Heinrich den Löwen erobert und der Grafschaft Ratzeburg übertragen.

Das Schloss für Herzog Christoph von Mecklenburg entstand von 1570 bis 1573.

Nach dem Ersten Weltkrieg war das Schloss Museum, Internat, Kindergarten und später die Verwaltung. 2002 kaufte Herbert Freisleben-Liechtenstein das Schloss. 2014 übergab er das Objekt an den Verein „HoffnungsGut Gadebusch“.

Daniel Heidmann

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