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So wird eine Dassowerin untergebracht

Dassow/Schönberg So wird eine Dassowerin untergebracht

Bewohnerin kritisiert Zustände in stadteigenen Räumen, die als Notunterkunft dienen / Amt weist Kritik zurück

Dassow/Schönberg. Wer die Dassowerin Kerstin Jürß besucht, der findet sehr ungewöhnliche Wohnverhältnisse vor und muss sich besonderen Gegebenheiten beugen. In der stadteigenen Wohnung erlauben Türöffnungshöhen von 1,60 Meter nur kleinen Menschen den aufrechten Gang. Die Deckenhöhe in zwei Räumen liegt bei 1,90 Meter. Dunkle Flecken in der Tapete und neben einem Fenster zeigen: Es hat durchgerechnet. In einer Wand des Altbaus klafft ein tiefer Riss. „Dort war Schimmel. Den habe ich selbst entfernt“, erzählt Kerstin Jürß. Das Leitungswasser sei mit Rostpartikeln verunreinigt, das Gesundheitsamt habe ihr empfohlen, es nicht mehr zu trinken. Sie bekomme davon Ausschlag. In der Küche könne sie nur zwei kleine Hängeschränke nutzen, die Dusche außerhalb der Wohnung sei so winzig, dass man Platzangst bekomme und die müsse – wie auch die Toilette – mit anderen Bewohnern des Hauses geteilt werden. „Die Wohnung ist so nicht zumutbar“, betont die Dassowerin. Sie habe das Amt Schönberger Land und die zuständige Wohnungsverwaltungsgesellschaft informiert. „Und sie tun nichts“, kritisiert die Frau, die in Dassow aufgewachsen ist.

Das Amt Schönberger Land hat die Räume in ihrer Heimatstadt als Notunterkunft für Menschen angemietet, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Die meisten Kritikpunkte der Dassowerin bezeichnet die Verwaltung als unberechtigt.

Ganz anderer Ansicht ist Ilka Gittberner, die mit Kerstin Jürß befreundet ist. Sie sagt, als sie in der Wohnung im Obergeschoss der Lübecker Straße 51 steht: „Es ist traurig, wenn man so leben muss.“ Und auch Heike Klein, die in Dassow eine Eisdiele betreibt und Kerstin Jürß seit Jahren kennt, sagt, die Wohnverhältnisse seien unzumutbar. Kerstin Jürß habe alles Mögliche versucht, etwas zu ändern.

Kerstin Jürß sagt, sie habe, nachdem ihr eine Wohnung gekündigt wurde, kurzfristig keine andere gefunden. Die Dassowerin wurde, so die Verwaltung, „aufgrund einer Zwangsräumung“ durch das Amt als örtliche Ordnungsbehörde in die Räume in der Lübecker Straße 51 eingewiesen. Ihre Unterkunft habe eine Größe von 36,18 Quadratmetern, zwei Zimmer, Küche, WC und ein Gemeinschaftsbad.

Die Wohnung gehört der stadteigenen Grundstücksgesellschaft Dassow. Verwaltet wird sie von der Gadebuscher Immobilienbetreuungs-GmbH (GIB). Mit ihr hat das Amt Rücksprache gehalten. In einer Stellungnahme des Amtes Schönberger Land heißt es dazu: „Die GIB versichert, dass das Wasser sauber ist und keine Rückstände von Rost beinhaltet.“ Bei der Einweisung der Dassowerin durch einen Mitarbeiter des Amtes sei in der Wohnung kein Schimmel festgestellt worden. Auch weitere Kritikpunkte von Kerstin Jürß seien unberechtigt. „Es wurde ihr mehrfach mitgeteilt, dass sie sich selbst um eigenen dauerhaften Wohnraum bemühen soll. Sie kann jederzeit aus der Notunterkunft ausziehen“, teilt die Verwaltung weiter mit.

Nach Angaben des Amtes wurde der Dassowerin bereits bei der Einweisung mitgeteilt, dass sie sich selbst um dauerhaften Wohnraum, im Notfall auch außerhalb des Amtes Schönberger Land, kümmern müsse.

Die Wohnung in der Lübecker Straße 51 ist, so das Amt, zum Zweck der Obdachlosenunterbringung, als Notunterkunft, angemietet worden, nicht als dauerhafter Wohnraum. „Bei der Unterbringung von obdachlosen Personen handelt es sich nur um eine ordnungsrechtliche Unterkunftsbeschaffung, nicht um eine wohnungsmäßige Versorgung“, teilt das Amt auf Anfrage mit. Laut geltender Rechtsprechung genüge bei der Unterbringung von obdachlosen Menschen „das Allereinfachste“, das zum Schutz vor Wind und Wetter entbehrlich sei, das heiße „mindestens neun Quadratmeter Wohnfläche, ein Tisch, ein Bett, ein Schrank und eine Kochmöglichkeit zur Zubereitung von Speisen.“ Es sei sogar die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zumutbar.

Acht Einraumwohnungen inklusive Sanitäreinrichtungen und kleiner Kochmöglichkeit lässt das Amt Schönberger Land derzeit in der Dassower Straße in Schönberg bauen. Wie berichtet, billigte der Amtsausschuss am 10. März die Ausgabe für das Übergangswohnheim plus einem Raum für Akten: 555000 Euro. Auf die Frage der OZ, für wann die Eröffnung des Übergangswohnheims geplant ist, antwortete das Amt jetzt: „Zu einem möglichen Eröffnungstermin können derzeit noch keine Angaben gemacht werden.“

Jürgen Lenz

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