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Trauerredner: eine Lebensaufgabe

Dassow Trauerredner: eine Lebensaufgabe

Wenn ein Mensch geht: Ludwig-Christian Glockzin begleitet Angehörige / Er würdigt Verstorbene und findet Worte, wo anderen die Worte fehlen

Dassow. „Vorbeiein dummes Wort“: Das Zitat aus Goethes „Faust“ könnte auch das Leitmotiv der Arbeit des Dassowers Ludwig-Christian Glockzin als freier Trauerredner sein. „Der Mensch ist nicht verloren. Was man gemeinsam erlebt hat, bleibt“, sagt der 63-Jährige. In den Trauerfeiern will er die Menschen, von denen die Angehörigen und Freunde Abschied nehmen, noch einmal würdigen. Das gelingt ihm, sagen viele, die Ludwig-Christian Glockzin erlebt haben. Sie beschreiben seine Reden als einfühlsam, ansprechend, würdevoll, individuell, lebendig.

 

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Ludwig-Christian Glockzin sagt: „Was man gemeinsam erlebt hat, bleibt.“

Quelle: Jürgen Lenz

Der Berufsstand

Rund 500 Trauerredner arbeiten in Deutschland, die meisten freiberuflich. Ihre Bezahlung ist nicht einheitlich geregelt. Häufig werden sie über Bestattungsinstitute vermittelt.

Seit 1989 gibt es den Fachverband für weltliche Trauer- und Bestattungskultur. 1996 gründete sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier.

35 Prozent der Verstorbenen

in Deutschland werden nicht kirchlich bestattet.

Damit erfüllt Glockzin einen Anspruch, den er an sich und seine Arbeit hat: „Es ist eine besondere, einmalige Situation, wenn ein Mensch geht. Dem versuche ich gerecht zu werden.“

Für die Vorgespräche mit den Angehörigen nimmt er sich viel Zeit. Er erläutert: „Ich versuche, ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen.“ Auch deshalb empfinden viele Trauernde das Treffen mit ihm als hilfreich und entlastend. Unter anderthalb bis zwei Stunden dauert bei Ludwig-Christian Glockzin kein Trauergespräch. Er fragt die Angehörigen, was ihnen wichtig ist, versucht auf das, was sie wünschen, einzugehen, bittet sie über Besonderheiten des Verstorbenen zu sprechen, Geschichten und Anekdoten wiederzugeben, die vielleicht das Typische seines Wesens zutage gebracht haben. So versucht er mit den Trauernden ein Stück ihres Weges zu gehen und den Verstorbenen so plastisch wie möglich kennenzulernen. „Das braucht Zeit.“ Die nimmt er sich auch, wenn er in seinem Haus in der Friedensstraße in Dassow an der Rede arbeitet, wenn er den Erinnerungen der Angehörigen eine sinnvolle Form gibt, wenn er mit seinen Worten den Verstorbenen wieder spürbar werden lässt. Oft steckt Ludwig-Christian Glockzin viele Stunden in diese Arbeit. Das Ergebnis kann, je nachdem von wem die Rede ist, ganz unterschiedlich ausfallen. Es kommt auch vor, dass während einer Trauerrede geschmunzelt wird. Und dann wieder geweint.

Für Ludwig-Christian Glockzin ist die Tätigkeit als Trauerredner kein Job, sondern eine Lebensaufgabe im Nebenberuf. „Im Hauptberuf bin ich immer noch im Theaterbereich tätig. Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt er. Als Schauspieler, Leser und Sprecher trat er bereits in Schönberg auf, singt dort auch im Kirchenchor – und will es weiter gerne tun. In die kleine Stadt in Mecklenburg kam er durch die Liebe zu seiner zweiten Frau. Im Juli vorigen Jahres zogen die beiden dann nach Dassow. Sie bewohnen ein Haus, aus dessen Fenster eine kleine, von Bäumen gesäumte Stichstraße zu sehen ist.

Sie führt zum Friedhof – ein Zufall, der den Trauerredner schmunzeln lässt.

Der tiefe Ernst von Tod und Sterben begleitet Ludwig-Christian Glockzin seit seiner Kindheit. Er erzählt: „Es war in der Familie kein Tabuthema“. Glockzin ist in einem Pfarrer-Haushalt aufgewachsen.

Zu seinen Erfahrungen gehört es, mit dem Sterben zu leben. Das hat ihn geprägt. Er sagt, das Wissen um Tod und Endlichkeit könne das Leben auch lebendiger, intensiver machen und in Gesprächen habe er gemerkt: „Bei vielen Menschen gibt es eine Sehnsucht und ein Empfinden für spirituelle Aspekte.“

Seine erste Frau hatte eine seltene, unheilbare Krankheit. „Ich habe sie drei Jahre bei ihrem Sterben begleitet“, erzählt Ludwig-Christian Glockzin. Dann fährt er fort: „Sie hat mir in ihrem Sein und ihrem Sterben noch viel gegeben. Davon gebe ich etwas weiter.“

Jürgen Lenz

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