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Zahnarzt geht nach 53 Jahren in den Ruhestand

Schönberg Zahnarzt geht nach 53 Jahren in den Ruhestand

Dr. Axel Schröder ist seit 1963 Zahnarzt / Seit 1970 praktiziert er in Schönberg

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Nach 46 Jahren als Zahnarzt in Schönberg hat Dr. Axel Schröder (78) seine Praxis im Kalten Damm schweren Herzens geschlossen.

Quelle: Foto: Steffen Oldörp

Schönberg. Das Leben als Rentner fällt Dr. Axel Schröder nicht so leicht. Und das, obwohl der Schönberger schon 78 Jahre alt ist. Ende des vergangenen Jahres hat er seine Zahnarztpraxis aufgegeben – nach insgesamt 53 Jahren als Zahnarzt, 46 davon in Schönberg.

„Es ist für mich kein schönes Gefühl, nicht mehr berufstätig zu sein“, sagt der Doktor im Ruhestand. Er freue sich aber auch, jetzt endlich verstärkt seinen vielen Hobbies nachgehen zu können. Der Schönberger hält sich mit Krafttraining in Wahrsow fit. Außerdem liebt er Musik, spielt Violine im Landeslaienorchester Westmecklenburg. Weitere Leidenschaften des 78-Jährigen sind die Literatur, das Angeln und das Skatspielen.

Der Schönberger reist auch gerne. „Ich habe aber Flug- und Höhenangst“, gibt er unumwunden zu. Etwas gesehen haben er und seine Frau Marie-Luise, die bis 2007 in der Zahnarztpraxis gearbeitet hat, trotzdem von der Welt. Beide waren mehrfach in Norwegen, Schweden und in Dänemark. „Wir werden sicher noch mal nach Skandinavien fahren. Aber in erster Linie wollen wir unsere Freizeit genießen und unseren Hobbies nachgehen. Und in Deutschland ist es ja auch wunderschön. Zumal wir noch nicht alles kennen“, sagt der Ruheständler. Dass Dr. Axel Schröder Zahnarzt geworden ist, war durchaus Zufall. „Ich hatte mich für zwei Studiengänge beworben. Als Mathematik- und Physiklehrer und als Zahnarzt.“ Die Zusage für Zahnarztmedizin an der Berliner Humboldt-Uni erhielt er als erstes. Die nahm er dankend an und begann dort 1958 mit dem Stomatologiestudium, was er nie bereut hat, wie er sagt. 1963 machte Schröder sein Staatsexamen, ging anschließend als Assistenzarzt zunächst nach Neustrelitz, später nach Mirow. Dort beendete er seine Fachzahnarztausbildung und promovierte extern.

1970 ist Schröder mit seiner Familie nach Schönberg gezogen – in den Kalten Damm. „Grund dafür waren die Wohnung und die Praxis, die wir damals übernehmen konnten. Und in Mirow hatten wir keine gute Wohnung“, sagt der Schönberger, der sich in der Kleinstadt von Anfang an wohl gefühlt hat. „Ich hatte immer Freude an meiner Arbeit und an der Arbeit am Patienten und habe hier viele liebe Leute kennengelernt.“ Auch deshalb fiel ihm der Entschluss schwer, mit 77 Jahren aufzuhören. „Ich hatte eine schwere Bauchoperation, war ziemlich mitgenommen und habe mir die Frage gestellt: Soll das alles gewesen sein?“ Wenn er nicht krank geworden wäre, sagt Schröder, hätte er noch weiter als Zahnarzt gearbeitet. „Denn ich fühle mich körperlich und geistig noch sehr fit.“

Seine ehemaligen Patienten schätzen ihren Zahnarzt. „Ich war immer sehr zufrieden mit ihm. Er hat sich immer Zeit genommen, und wir haben nicht nur über die Zähne geredet, sondern auch über die Welt“, sagt Rudi Volk. „Hinzu kommt, dass Herr Schröder immer nett ist, auch mal Quatsch macht – ein richtig toller Typ.“ Heidrun Köster war 46 Jahre in zahnärztlicher Behandlung und hat ebenfalls nur gute Erinnerungen an ihren Arzt. „Ich brauchte bei meinen drei Kindern nie mit zu Dr. Schröder. Er hatte sie immer so motiviert, dass sie nie Angst hatten. Ich selbst war auch immer total happy und fühlte mich bei ihm sehr gut aufgehoben.“ Der Abschied von seinen Patienten fällt dem Zahnarzt im Ruhestand schwer. „Viele konnten meine Entscheidung aber nachvollziehen und haben es verstanden“, sagt er. Das Inventar und die medizinischen Geräte seiner Praxis gehen als Spende nach Albanien. Die Räume am Kalten Damm hat er vermietet.

Als eine der größten Umstellungen bezeichnet Schröder die Wende in der DDR im Jahr 1989. Damals wagte er als Zahnarzt den Schritt in die Selbstständigkeit – mit 51 Jahren. „Ich hatte einige Bedenken.

Letztendlich war es aber die richtige Entscheidung.“ Neu für ihn damals: die Bürokratie. „Die Abrechnungsvorschriften waren ganz andere. Es war ein wesentlich größerer Aufwand. Und wir haben früher schon auf die sozialistische Verwaltung geschimpft“, meint Schröder. „Ich beneide meine Kollegen nicht, was da noch alles an blödsinniger Bürokratie auf sie zukommt, wie zum Beispiel das Qualitätsmanagement. Das sind schon hohe Anforderungen.“

Seine größte Enttäuschung hat der Schönberger nach der Wende erlebt. „Als wir durch westdeutsche Bürger enteignet wurden. Wir standen schon im Grundbuch, mussten unser Haus aber nochmal kaufen. Das hat mich schon sehr mitgenommen.“

Steffen Oldörp

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Dieses Foto mit Eisstrukturen am Kooser See – aufgenommen im Januar 2017 – schickte uns OZ-Leser Wolfgang Schielke. Eingefügt hat er ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860). „Von mir ein stiller Gruß an den verehrten Namenspatron meiner früheren Universität“, schreibt Schielke, der von 1974 bis 1979 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert hat.

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