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Schokoladig gut: So süß is(s)t der Landkreis

Boltenhagen Schokoladig gut: So süß is(s)t der Landkreis

Pralinen, Riegel oder ganze Tafeln: Nordwestmecklenburger verputzen 1490 Tonnen im Jahr / Wilde Kreationen gibt es in Boltenhagen

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Anja Weslowski (42) von den Boltenhagener „Chocohelden“ mit einer Auswahl von Leckereien. Aus gut 30 verschiedenen Zutaten können die Kunden am Verkaufstresen auswählen. Sie selbst bevorzugt Vollmilchschokolade mit Erdbeeren.

Quelle: Fotos: J. Franke (2), J. Nörenberg (2), L. Rydau (2)

Boltenhagen. 62 Lkw beladen mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf die Süßigkeit in Nordwestmecklenburg pro Jahr. In Gewicht ausgedrückt: 1490 Tonnen Schokolade – von der Tafel über die Praline bis zum Riegel – essen die Menschen laut einer Erhebung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rein statistisch. Pro Kopf macht das gut 9,5 Kilogramm. Das will Stephan Hüppe gern glauben. Der 47-Jährige betreibt mit seiner Frau Anja Hüppe (52) in Boltenhagen und Kühlungsborn die Schokoladenmanufaktur „Chocohelden“, in der unter anderem Tafeln nach Wunsch hergestellt werden. Nach seinen Angaben gingen vergangenes Jahr sieben Tonnen über den Ladentisch. Dabei bleibt kaum ein Wunsch offen. „Wir hatten einen Kunden, der gebratenen Bacon in der Schokolade haben wollte“, erzählt Stephan Hüppe lachend. Was sich total schräg anhört, stellte sich als Leckerei heraus. „Das schmeckt gar nicht mal so schlecht“, gibt der Geschäftsmann zu. Aus 30 Zutaten können seine Kunden am Tresen auswählen, die von seinen drei Mitarbeiterinnen Anja Weslowski, Steffi Hogan und Kathleen Genz in die Vollmilch-, Zartbitter- oder weiße Schokolade eingearbeitet werden. Im Angebot sind außerdem heiße Schokoladen nach Wunsch, Schokobier und viele andere Naschereien. Eines ist Fakt: Für Centbeträge gibt es die Leckereien in dem Geschäft hinter der örtlichen Touristeninformation nicht, schließlich ist alles handgemacht. Sowieso sieht die NGG den Trend zur Verramschung in der Lebensmittelindustrie mit Sorge. „Gerade bei Süßwaren, aber auch bei Getränken und Fleisch, erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft“, kritisiert NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. An die Verbraucher appelliert er, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. „Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben.“

Schoki, Käse und Bier in Zahlen

Schokolade, Käse, Bier – Beispiele, die zeigen, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben. Nordwestmecklenburger verputzen im Jahr neben Schokolade 3830 Tonnen Käse (24,5 Kilo pro Kopf) und trinken 163000 Hektoliter Bier (104 Liter pro Kopf).

Ein schlechtes Gewissen in Bezug auf mögliches Hüftgold jedenfalls darf niemand haben, der das Café Pralinchen in Boltenhagen – ebenfalls in der Ostseeallee gelegen – betritt. Schon am Eingang „lächeln“ den Kunden eine Vielzahl von Pralinen an. Macadamia, Sanddorn, Trüffel: Geschäftsinhaberin Christiane Sudmann kann Naschkatzen viel Auswahl anbieten. Hergestellt werden die Köstlichkeiten von einem befreundeten Konditor in Rhede (Nordrhein-

Westfalen). Die Renner sind Macadamia-Herzen und Sanddornpralinen. Insgesamt verkaufte Christiane Sudmann im September beispielsweise 1000 Kilogramm Pralinen. Im Angebot hat die 51-Jährige auch Torten, Muffins und Cookies – alles selbst hergestellt von ihr und den vier Mitarbeiterinnen. Eine fünfte wird derzeit fieberhaft gesucht. Acht Torten plus drei verschiedene Sorten an Muffins und Cookies sind in der Auslage, im Sommer backt das Team 20 Torten täglich. Was geht am besten? Eine Bestätigung für die NGG-Erhebung: Schokomuffins und -cookies. Und ihr Favorit? „Heiße weiße Schokolade mit Espresso. Das sättigt und macht glücklich“, resümiert Sudmann.

Öffnungszeiten: Café Pralinchen derzeit täglich von 12 bis 17.30 Uhr, ab 19. Februar ab 10 Uhr; Chocohelden täglich von 11 bis 17 Uhr.

Jana Franke

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