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Schriftsteller erzählt vom Nachhausekommen

Klütz Schriftsteller erzählt vom Nachhausekommen

Der in Grevesmühlen (Landkreis Nordwestmecklenburg) geborene Autor Kai Grehn las im Literaturhaus „Uwe Johonson“ in Klütz aus „Funken - So glücklich wie wir ist kein Mensch unter der Sonne“. Grehn gewann damit den Literaturpreis des Landes.

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Schriftsteller und guter Zuhörer: Kai Grenhn (l.) beantwortet im Literaturhaus in Klütz Fragen der Zuhörer. An seiner Seite: der Greifswalder Verleger Erik Münnich.

Quelle: Jürgen Lenz

Klütz. Mit seinem Buch „Funken - So glücklich wie wir ist kein Mensch unter der Sonne“ hat der Schriftsteller Kai Grehn sein Publikum im Literaturhaus in Klütz (Nordwestmecklenburg) mitgenommen auf eine fantastische Reise durch Raum und Zeit, durch Realität und Fiktion. Dabei wurde der Raum unter dem Dach zu einem kleinen Zelt auf einem Berg im Himalaya, zu einer Taucherglocke in den Tiefen des Pazifik, zu einer Raumstation auf der anderen Seite des Mondes. Grehns im September im Greifswalder Freiraum-Verlag erschienene Werk ist das erste, das den Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern erhalten hat.

Für Kai Grehn war die Lesung in Klütz eine Art Heimspiel, ein Nachhausekommen. Der in Berlin lebende Autor und Regisseur wurde 1969 in Grevesmühlen geboren. Dort und in Boltenhagen lebten seine Großeltern. Allerdings sei er relativ schnell nach Berlin gezogen. Das Haus seiner Boltenhagener Großeltern existiert nicht mehr. Es wurde abgerissen. Die Großeltern sind in Klütz bestattet. Am Tag der Lesung besucht Kai Grehn ihr Grab. Sein Vater wollte dabei sein, auch bei der Lesung. Doch er ist im Sommer verstorben. Gevatter Tod geistert immer wieder durch Geschichten, die Kai Grehn erzählt.

Über weite Strecken jedoch ist sein Buch ein heiteres. An einigen Stellen lacht das Publikum in Klütz. Es hört Erzählungen, die sich scheinbar schwerelos fortbewegen von Satz zu Satz, von Kapitel zu Kapitel bis zum letzten Satz, der kein Ende ist: „Und unbeirrt schwimmen sie weiter der Quelle zu, stromauf ...“

Das Kapitel „Der Fluss“ ist eines der stärksten in diesem Buch, dessen Teile eins verbindet: die Figur Hans, eine Art moderner Hans im Glück. Dazu passend, stellt der Autor dem Beginn des Textes eine Frage voran, die zu den schönsten Stellen zählt: „Ist nicht ein jeder von uns, schweigend oder schwafelnd auf die ihm eigene Art, die ihm eigene Weise, ist nicht am Ende ein jeder von uns seines Glückes Hans?“

Kais Grehns Fantasie und sein Talent fürs Theater fielen schon in der Schule auf. Nun sitzt er als Autor im Literaturhaus in Klütz vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft. Er trägt ein schwarzes Kapuzenshirt, hat graue Haare und einen grauen Bart. Zwischen den Geschichten erläutert er, wie er sie schreibt und warum. Dann gibt es Momente, in denen er innehält, sich mit Worten tastend vorwärtsbewegt, behutsam, suchend, in Sätzen, die unverhofft ihre Richtung wechseln können wie ein mäandernder Fluss, auf dem der Kapitän eines Schiffes nicht wissen kann, was hinter der nächsten Biegung auf ihn und seine Passagiere wartet. Unglück oder Glück?

„Funken“ von Kai Grehn kann ein spannendes Buch sein, das man nicht aus der Hand legen will, bevor es zu Ende gelesen ist. Die Geschichten sind fantasievoll, vergnüglich, anregend, Sprungbretter für die eigene Einbildungskraft - wenn man sich auf ihre Poesie, ihre Melodie und ihre ganz eigene Logik einlässt. Sonst passiert leider nichts.

Jürgen Lenz

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