Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Schriftsteller erzählt vom Nachhausekommen
Mecklenburg Grevesmühlen Schriftsteller erzählt vom Nachhausekommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:26 24.10.2017
Schriftsteller und guter Zuhörer: Kai Grenhn (l.) beantwortet im Literaturhaus in Klütz Fragen der Zuhörer. An seiner Seite: der Greifswalder Verleger Erik Münnich. Quelle: Jürgen Lenz
Klütz

Mit seinem Buch „Funken - So glücklich wie wir ist kein Mensch unter der Sonne“ hat der Schriftsteller Kai Grehn sein Publikum im Literaturhaus in Klütz (Nordwestmecklenburg) mitgenommen auf eine fantastische Reise durch Raum und Zeit, durch Realität und Fiktion. Dabei wurde der Raum unter dem Dach zu einem kleinen Zelt auf einem Berg im Himalaya, zu einer Taucherglocke in den Tiefen des Pazifik, zu einer Raumstation auf der anderen Seite des Mondes. Grehns im September im Greifswalder Freiraum-Verlag erschienene Werk ist das erste, das den Literaturpreis Mecklenburg-Vorpommern erhalten hat.

Für Kai Grehn war die Lesung in Klütz eine Art Heimspiel, ein Nachhausekommen. Der in Berlin lebende Autor und Regisseur wurde 1969 in Grevesmühlen geboren. Dort und in Boltenhagen lebten seine Großeltern. Allerdings sei er relativ schnell nach Berlin gezogen. Das Haus seiner Boltenhagener Großeltern existiert nicht mehr. Es wurde abgerissen. Die Großeltern sind in Klütz bestattet. Am Tag der Lesung besucht Kai Grehn ihr Grab. Sein Vater wollte dabei sein, auch bei der Lesung. Doch er ist im Sommer verstorben. Gevatter Tod geistert immer wieder durch Geschichten, die Kai Grehn erzählt.

Über weite Strecken jedoch ist sein Buch ein heiteres. An einigen Stellen lacht das Publikum in Klütz. Es hört Erzählungen, die sich scheinbar schwerelos fortbewegen von Satz zu Satz, von Kapitel zu Kapitel bis zum letzten Satz, der kein Ende ist: „Und unbeirrt schwimmen sie weiter der Quelle zu, stromauf ...“

Das Kapitel „Der Fluss“ ist eines der stärksten in diesem Buch, dessen Teile eins verbindet: die Figur Hans, eine Art moderner Hans im Glück. Dazu passend, stellt der Autor dem Beginn des Textes eine Frage voran, die zu den schönsten Stellen zählt: „Ist nicht ein jeder von uns, schweigend oder schwafelnd auf die ihm eigene Art, die ihm eigene Weise, ist nicht am Ende ein jeder von uns seines Glückes Hans?“

Kais Grehns Fantasie und sein Talent fürs Theater fielen schon in der Schule auf. Nun sitzt er als Autor im Literaturhaus in Klütz vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft. Er trägt ein schwarzes Kapuzenshirt, hat graue Haare und einen grauen Bart. Zwischen den Geschichten erläutert er, wie er sie schreibt und warum. Dann gibt es Momente, in denen er innehält, sich mit Worten tastend vorwärtsbewegt, behutsam, suchend, in Sätzen, die unverhofft ihre Richtung wechseln können wie ein mäandernder Fluss, auf dem der Kapitän eines Schiffes nicht wissen kann, was hinter der nächsten Biegung auf ihn und seine Passagiere wartet. Unglück oder Glück?

„Funken“ von Kai Grehn kann ein spannendes Buch sein, das man nicht aus der Hand legen will, bevor es zu Ende gelesen ist. Die Geschichten sind fantasievoll, vergnüglich, anregend, Sprungbretter für die eigene Einbildungskraft - wenn man sich auf ihre Poesie, ihre Melodie und ihre ganz eigene Logik einlässt. Sonst passiert leider nichts.

Jürgen Lenz

Mehr zum Thema

Johanna Schall las im Strandläuferverlag aus den Werken ihres Großvaters

20.10.2017

Die Stralsunder Hanse-Galerie im Rathaus präsentiert Werke von drei prominenten Hiddenseemalern

20.10.2017

Die Stralsunder Hanse-Galerie vereint die prominenten Künstler Elisabeth Büchsel, Willi Berger und Reinhard Muschik

21.10.2017

Trotz des gesetzlichen Mindestlohns reicht das Geld bei 2543 Menschen in der Region um Wismar und Grevesmühlen nicht. Sie sind auf staatliche Leistungen angewiesen. Viele Betroffene arbeiten im Dienstleistungsgewerbe.

23.10.2017

Im Ostseebad Boltenhagen waren mehr als 200 Gäste an den zehn Stationen aktiv

23.10.2017

Die elfte Auflage wird vorbereitet / Veranstaltung beginnt mit Umzug

23.10.2017