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Schüler erkunden ehemaligen Todesstreifen

Rothenhusen Schüler erkunden ehemaligen Todesstreifen

Jugendliche aus Rostock und Eutin wandern in einer Projektwoche von Groß Thurow nach Rothenhusen.

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Schüler aus Rostock und Eutin wandern entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze unweit von Groß Thurow.

Quelle: Alessandra Röder

Rothenhusen. Sie waren noch nicht geboren, als die Grenze wieder geöffnet wurde. Trotzdem oder gerade deshalb sind sie auf den Spuren des Abschnittes, der damals Deutschland in Ost und West teilte. Die 27 Schüler aus Rostock und Eutin wandern im Rahmen des Projektes „Durchblicke“ an der innerdeutschen Grenze entlang.

Wie empfinden sie diesen Weg durch einen Teil deutscher Geschichte, der für so viele Leid bedeutet hat? Hat auch diese Generation noch Vorurteile gegenüber „Ossis“ und „Wessis“? Ist die deutsche Teilung ein präsentes Thema in ihrem Leben?

„Natürlich hat man im Hinterkopf, dass hier die Grenze war. Aber wenn man bei Sonnenschein durch das Grün wandert, denkt man nicht die ganze Zeit daran und genießt einfach das Wandern und die Gesellschaft“, sagt Leon Grebien (17), während er über den mittlerweile stark zugewucherten Kolonnenweg wandert. Der Schüler von der Carl-Maria-von-Weber-Schule in Eutin hat sich mit Ronja Hingst (17) aus der Werkstattschule in Rostock angefreundet. Die beiden laufen an goldenen Feldern und grünen Bäumen vorbei und unterhalten sich intensiv. „Eine Freundschaft zwischen Ost und West, das geht“, scherzen die beiden. „Mir sind ehrlich gesagt überhaupt keine Vorurteile mehr eingefallen“, erklärt Leon Grebien.

Elias Oerkes (18) Vater kommt aus Ostberlin, seine Mutter aus Frankfurt am Main. Er selbst hat auch schon in Potsdam und Frankfurt gelebt, bevor er nach Eutin zog. „Es gibt für uns keinen Konflikt zwischen Ost und West mehr. Jüngere Leute sind höchstens geprägt von den Vorurteilen ihrer Eltern“, sagt der Gymnasiast. Er habe Freunde aus dem Osten und Westen Deutschlands. „Wer das hat, weiß, dass die Vorurteile nicht stimmen.“Außerdem seien diese bei einem Treffen ganz schnell ausgeräumt. Der 18-Jährige hat schon im vergangenen Jahr an dem Projekt teilgenommen und sich mit einem Zeitzeugen unterhalten, der Grenzer war. „Ich finde das Thema sehr interessant und möchte diesmal gerne mit einem Zeitzeugen reden, der bewacht wurde“, erklärt er. Außerdem freut er sich, hier neue Leute kennenzulernen.

Die Schüler wandern sechs Tage von Groß Thurow über das geschleifte Dorf Lankow, das Grenzhus Schlagsdorf bis nach Rothenhusen. Das Projekt wird vom Bildungsträger Arbeit und Leben in Schwerin, dem Verein politische Memoriale und der Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet. Dr. Andreas Wagner von den politischen Memorialen begleitet die Jugendgruppe. Die Schüler nähern sich dem Thema nicht nur theoretisch anhand von Arbeitsblättern in der Schule, sondern erleben es ein Stück weit selber.

VieleSchüler sind auf Empfehlung ihrer Freunde, die beim letzten Mal dabei waren, mitgekommen. Gerade der rege Austausch mit anderen Jugendlichen bringt neue Ansichten. Während der Projektwoche sprechen die Schüler auch mit Zeitzeugen. Außerdem verarbeiten sie das Erlebte in eigenen Projekten zum Beispiel mit Hilfe von Fotografie oder durch einen eigenen Film.

Das geschleifte Dorf
Die meisten Bewohner von Lankow wurden 1952 und 1961 im Zuge der Grenzsicherung unter den Decknamen „Kornblume“ und „Ungeziefer“ zwangsumgesiedelt, da das Dorf zu dicht an der Grenze lag. Die letzten 28 Einwohner ließen sich 1973 umsiedeln. Die Bebauung wurde 1976 abgetragen.


Lankow würde heute im Gemeindegebiet von Dechow in Nordwestmecklenburg liegen. Bodenplatten und ein Gedenkstein sind die letzten Spuren der ehemaligen Besiedlung.

 

Alessandra Röder

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