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Grevesmühlen Eine ganze Schule wehrt sich
Mecklenburg Grevesmühlen Eine ganze Schule wehrt sich
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14:49 25.09.2018
Justin Fritz Magull (14, v.l.) und Melvin Kobialka (13) sind Schüler der 8. Klasse der Grevesmühlener Wasserturmschule. Gemeinsam mit vielen anderen Schülern positionieren sie sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus an ihrer Schule. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Einen Moment lang herrscht Stille, dann gibt es Applaus im Amtsausschuss Grevesmühlen-Land. Der Grund ist ein Kurzfilm, den Schüler der Grevesmühlener Regionalen Schule am Wasserturm gemeinsam mit dem NDR gedreht haben, der soeben den Bürgermeistern der Grevesmühlener Amtsgemeinden gezeigt wurde. Darin schildern die Kinder und Jugendlichen ihre Erlebnisse in Sachen Rassismus und Rechtsextremismus. Der Film geht weit über die üblichen Klischees hinaus, die befragten Schüler, teils Geflüchtete, teils auch in Deutschland aufgewachsene dunkelhäutige Jugendliche, erzählen, wie ihnen anfangs, als sie an die Schule kamen, Hass entgegenschlug. Wie sie beschimpft wurden. Und wie die Situation heute ist. Grevesmühlen und das Klima an seiner Schule, so berichtet ein dunkelhäutiger Schüler vor der Kamera, habe sich verändert.

Wiederholt waren vor einiger Zeit Hakenkreuze im Schulgebäude an den Wänden aufgetaucht, einmal eskalierte die Situation auf dem Schulhof, als ein Schüler mit einem Baseballschläger einen anderen bedrohte. Normaler Alltag an dieser Schule? Nein, sagten die Schüler, die sich an dem NDR-Projekt beteiligten und dem, was ihnen nicht gefällt, Widerstand entgegensetzen wollten. Kamerateams begleiteten die Kinder und Jugendlichen, sprachen mit Rassismus-Opfern und filmten den Alltag an der Schule.

Ausstellung von Schüler-Graffitis gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit im Rathaus von Bürgermeister Lars Prahler im Rahmen der Interkulturellen Woche 2018 feierlich eröffnet.

Das OZ-Video über das Fest der Kulturen zum Ende des letzten Schuljahres auf dem Schulhof ist ebenfalls Teil einer Präsentation der Wasserturmschule, die jetzt im Amtsausschuss vorgestellt wurde. „Denn unsere Schule ist nicht so, wie es einige wenige aussehen lassen wollen“, sagt Lehrer Egbert Marder, der zusammen mit der Sozialpädagogin Iris Hoffmann-Wiegand, das Projekt begleitete. „Dass wir Erfolg mit unserer Strategie haben, alltäglichen Rassismus oder auch nur einmalige Entgleisungen nicht hinzunehmen, zeigt die jüngste Vergangenheit. Wir haben deutlich weniger Vorfälle als zuvor.“

Das bestätigt auch Iris Hoffmann-Wiegand. „Natürlich gibt es immer noch Schüler mit einer rechten Einstellung, teilweise auch einer sehr extremen. Aber wichtig ist, dass wir ihnen nicht einfach das Feld überlassen, nicht kapitulieren.“ Sie berichtet von einem Vorfall, der sowohl Schüler und Lehrer nachdenklich gestimmt habe. Als eine dunkelhäutige Schülerin einmal nicht zum Unterricht erschienen sei und gefragt wurde, wo das Mädchen sei, antwortete einer der Schüler: „In Auschwitz, vergast.“ So etwas, so Iris Hoffmann-Wiegand, werde weder hingenommen, noch toleriert.

Die Mehrheit der Schüler der Wasserturmschule wollen sich von denen, die andere drangsalieren, einfach nicht mehr die Stimmung an ihrer Schule diktieren lassen. Gemeinsam mit ihren Lehrern unternehmen sie nach wie vor viel, um der Angst, die manche Schüler verbreiten wollen, immer wieder etwas entgegenzusetzen.

Eine Ausstellung mit von Wasserturmschülern gestalteten Graffitiwänden, die unter Anleitung des Rostocker Graffitikünstlers Christian Kleist im Rahmen eines vom Kreisjugendring geförderten Projekttages entstanden, wurde jetzt innerhalb der Interkulturellen Woche der Stadt Grevesmühlen (vom 23. bis zum 30. September) feierlich im Rathaus eröffnet. Die Graffitis der Schüler sind bunt und laut. Es geht darin um Respekt, vor allen Dingen aber um eine ganz eindeutige Botschaft: Wir sind viele – und wir halten zusammen.

Interkulturelle Woche Grevesmühlen

Die Interkulturelle Woche findet in Grevesmühlen noch bis zum 30. September statt. Viele Veranstaltungen (siehe Infokasten) laden die Grevesmühlener und ihre Gäste ein. Der Stadt geht es dabei darum einen interkulturellen Dialog zu pflegen. Denn auch in Grevesmühlen leben inzwischen viele Menschen anderer Herkunft und anderer Kulturen. Es geht dabei darum, Ängste und Vorurteile durch Kontakt und Austausch abzubauen. Einander zuhören, miteinander sprechen, voneinander lernen.

Die Interkulturelle Woche ist eine Gemeinschaftsaktion der Stadt Grevesmühlen, des Vereins Bleib Mensch, des interkulturellen Kunstprojektes „Das Eck“, des Sportvereins Blau-Weiß Grevesmühlen, des Behinderten- und Rehasportvereins Grevesmühlen, des Behindertenverbandes Grevesmühlens, der DRK Familienbildungsstätte und der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Grevesmühlen.

Veranstaltungen Interkulturelle Woche

Mittwoch, 26. September – Kreativ- und Spielangebote in der Familienbildungsstätte des DRK, 13 –16 Uhr, im Bürgerbahnhof, Am Bahnhof 1, Grevesmühlen – und von 14 –18 Uhr Kreativworkshop im „Das Eck“, Am Busbahnhof 4, Grevesmühlen Donnerstag, 27. September – Kino „Über den Tellerrand geschaut“, Kochen und Kino „Monsieur Claude und seine Töchter“, von 16 bis 20 Uhr, im Wartesaal des Bürgerbahnhofs, Am Bahnhof 1, Grevesmühlen Freitag, 28. September – Tag des Flüchtlings, ab 19 Uhr, „Sterben für das Paradies – Erlebnisse einer Rettungsmission im Mittelmeer“, Vortrag von Till Rummenhohl, im Wartesaal des Bürgerbahnhofs, Am Bahnhof 1, Grevesmühlen Samstag, 29. September – Sportfest „Lust auf Bewegung“ – in der Mehrzweckhalle Grevesmühlen, ab 10 Uhr: Mehrkampf für Jedermann mit 10 Stationen, Turniere im Soccer, Hallenboccia und Tischtennis – mit Anmeldung. Angebote ohne Anmeldung: Brettspiele und KreAktiv-Ecke. Anmeldungen über den Behinderten- und Reha Sportverein und SV Blau-Weiß, Mehrzweckhalle Am Ploggenseering 63, Grevesmühlen Sonntag, 30. September – 11 Uhr, Der „andere“ Gottesdienst mit Kindern im Taufraum der St. Nikolai-Kirche, Kirchplatz 4, Grevesmühlen und ab 16 Uhr bis 20 Uhr „Buntes Sommerfest“ mit dem Verein Bleib Mensch im Pfarrgarten der Ev. Kirchengemeinde, Kirchplatz 4, Grevesmühlen

Annett Meinke und Michael Prochnow

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