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Grevesmühlen Schüler schützen Natur im Grünen Band
Mecklenburg Grevesmühlen Schüler schützen Natur im Grünen Band
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11:53 13.02.2019
Lehrer Christian Geyer leitet Schüler bei Arbeiten im Grünen Band an. Die Jugendlichen helfen bei der Landschaftspflege. Quelle: Jürgen Lenz
Selmsdorf/Lübeck

Die Vielfalt der Natur an der ehemaligen innerdeutschen Grenze wäre bald Vergangenheit, würden sich nicht Menschen für sie einsetzen – so wie in diesen Tagen Jugendliche und Erwachsene unweit von Selmsdorf, Palingen und Lübeck. Hier greifen 16-Jährige und ihre Betreuer zu Kettensäge, Motorsense und Astschere. Sie schneiden zurück, was andere Pflanzenarten bedroht.

„Es wächst sonst ständig zu“, erklärt Christian Geyer, während im Hintergrund eine Kettensäge knattert und eine Motorsense surrt. Der 51-Jährige aus Palingen arbeitet als Lehrer an der Freien Waldorfschule in Lübeck. Ehrenamtlich engagiert er sich als Naturschutzwart im Grünen Band, das nach dem Ende des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West entstanden ist. „Hier ist eine große Artenvielfalt“, sagt Christian Geyer auf dem früheren Grenzstreifen zwischen Selmsdorf und Lübeck. Vom Stadtteil Schlutup aus machen sich Pflanzen breit, die andere Arten verdrängen. Brombeerhecken wuchern ins Grüne Band hinein. Wo sie wachsen, gedeiht kein Trockenrasen mehr.

Zwischen dem Gewerbegebiet in Selmsdorf und Lübeck-Schlutup erstreckt sich das Grüne Band. Bis 1989 verlief dort die Grenze zwischen Ost und West. Quelle: Jürgen Lenz

Doch auch andere Pflanzen bedrohen die heideähnliche Landschaft unweit von Selmsdorf und Palingen. „Auf beiden Flächen werden jetzt mit verschiedenen Werkzeugen wertvolle Flächen von nachwachsenden Kiefern, Birken und Pappeln befreit“, erklärt Christian Geyer. Der Hintergrund der Aktion: Die Schüler der Förderoberstufe absolvieren ein forstökologisches Praktikum. Ihr Lehrer erklärt: „Diese Arbeiten dienen der Schafbeweidung ab Mai.“ 20 Tiere setzt Christian Geyer im Grünen Band ein. Auch damit bewahrt er die Landschaft vor Wildwuchs.

Dem Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) gefällt das. Er sagt, er fände es gut, wenn die Schafkoppel erweitert würde. Kreft berichtet: „Derzeit klären wir das Thema mit den anderen Flächeneigentümern, unter anderem der BVVG.“ Nach einer ersten Anfrage lehnte die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH einen Verkauf ab. Sie verweist auf eine Initiative des Staates. Der Bund hat 156 000 Hektar eigenes Land nicht privatisiert, sondern in die Hände des Naturschutzes gegeben – als Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Davon betroffen sind auch Grundstücke im Grünen Band.

Größter Biotopverbund

Das Grüne Band ist eine Kette besonders artenreicher Lebensräume an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Auf der östlichen Seiten entstanden bis zum Fall der Mauer zahlreiche Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Ursache: Weite Teile des Grenzgebietes waren kaum menschlichen Einflüssen ausgesetzt. Erste Ideen für das Grüne Band entstanden bereits 1989. Vor allem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) griff sie auf. Heute sind 28 Prozent des Grünen Bandes als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 38 Prozent des größten Biotopverbunds in Deutschland stehen unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU.

Der Selmdorfer Bürgermeister hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Er argumentiert für Verkauf und Beweidung: „Die Einzäunung und Umsetzung beziehungsweise Erweiterung dieser Ökomaßnahme würde wieder durch die Gemeinde erfolgen.“ Sie erhalte dadurch Ökopunkte, die sie verkaufen könne. Marcus Kreft verspricht: „Ein Drittel der Einnahmen aus dem Verkauf der Ökopunkte fließt wieder in die Umsetzung weiterer ökologischer Maßnahmen.“

Vor Schülern aufgestellt: ein Hinweisschild auf ein Landschaftsschutzgebiet im Grünen Band. Quelle: Jürgen Lenz

Zwischen Schlutup und dem Selmsdorfer Gewerbegebiet gehen die Jugendlichen in diesen Tagen gegen Ginstersträuche vor. Das hat neben dem Schutz der Artenvielfalt einen weiteren Grund: die Gefahr bei Wald- und Flächenbränden. Trockener Ginster brennt wie Zunder. „Wir nehmen Brandlast weg“, sagt Christian Geyer. Er arbeitet in seiner Freizeit für die Feuerwehr in Palingen und den Verein „@fire – internationaler Katastrophenschutz“. Die Arbeiten der Jugendlichen im Grünen Band hat er mit der Naturschutzbehörde und der Gemeinde Selmsdorf abgesprochen. Ebenfalls mit behördlichem Segen stellen die Schüler zahlreiche Schilder auf, die auf Landschaftsschutzgebiete hinweisen. In den vergangenen Jahren sind dort alle Schilder verschwunden – sogar die mit Betonsockel. Die Polizei konnte die Diebe nicht ermitteln.

Jürgen Lenz

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