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Grevesmühlen Schülerverkehr im Landkreis: Bus-Engel passen auf
Mecklenburg Grevesmühlen Schülerverkehr im Landkreis: Bus-Engel passen auf
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00:00 14.07.2016
Die Klasse 1a aus der Regionalen Schule Gadebusch freut sich: Das Zeugnis für die bestandene Busschule haben sie in der Tasche. Quelle: Fotos: Annett Meinke

Auf dem Betriebshof der Nahbus GmbH in Gadebusch wurden Schüler für ihr Engagement im Schülerverkehr ausgezeichnet. Karla Krüger, 2. Beigeordnete der Landrätin Nordwestmecklenburgs, freute sich: „Es ist schön, Kinder und Jugendliche zu ehren, die dazu beitragen, dass der Schulweg im Bus eine sichere und angstfreie Angelegenheit ist.“ Zu den Ausgezeichneten gehörten Paul Diener (17) von der Regionalen Schule Insel Poel, Dorina Schnoor (18) von der Regionalen Schule Schlagsdorf und Niki Laura Vogt (18) von der Verbundenen Regionalen Schule und Gymnasium Dorf Mecklenburg. Alle drei beenden die Schule in diesem Jahr. Sie waren durch ihr besonderes Engagement im Präventionsprojekt „Bus-Engel“ aufgefallen und erhielten eine Urkunde und jeweils einen 25-Euro-Gutschein.

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Teilnehmer der Präventionsprojekte „Bus-Engel“ und „Busschule“ wurden bei Nahbus in Gadebusch ausgezeichnet / Um Schulwegsicherheit und Zivilcourage geht es

Bus-Engel achten auf die Sicherheit der Schüler beim Ein- und Aussteigen in den Bus und während der Fahrt. Sie greifen auch deeskalierend ein, wenn im Bus Konflikte entstehen. Sie müssen kommunikativ sein und Zivilcourage besitzen. Vor ihrem Einsatz erhalten sie ein Selbstsicherheitstraining und werden von Hans-Jürgen Schröder, Präventionsbeauftragter der Polizeiinspektion Wismar, über die rechtlichen Aspekte ihres Einsatzes aufgeklärt. Das Projekt läuft seit zwölf Jahren.„Anfangs ging es vorrangig um die Verkehrssicherheit der Schüler“, berichtet der Polizeibeamte. „Unfälle im Schülerverkehr gehen inzwischen zurück. Kriminalitätsprävention wird wichtiger. Bus-Engel sind schon so etwas wie ’Hilfs-Sheriffs’.“ Bei wirklich gefährlichen Situationen, also beim Auftreten von Gewalt und Vandalismus, sind Bus-Engel aber ausdrücklich angehalten, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben. In solchen Situationen müssen sie sofort den Busfahrer informieren, der dann die Polizei ruft.

Dass man als Bus-Engel tatsächlich Zivilcourage braucht, bestätigt Niki Laura Vogt: „Ich hatte mal den Fall, dass Sechstklässler hinten im Bus mehrfach Shisha (Wasserpfeife) geraucht haben. Es gab auch einmal einen Siebtklässler der eine Weile extrem aggressiv war. Aber die Zusammenarbeit mit unserer Schulsozialarbeiterin war ziemlich gut. Sie hat viele Gespräche mit den Betreffenden und ihren Eltern geführt. Und irgendwann war dann endlich Ruhe.“

Im Schuljahr 2015/16 mussten im Landkreis 29 klärende Schülergespräche geführt und in 14 Fällen die Eltern informiert werden. Ausschlüsse von der Schülerbeförderung gab es nicht. Doch auch Dorina Schnoor, dienstältester Bus-Engel – sie ist seit 2013 mit dabei – stellt fest: „Das Klima im Bus, auch schon unter den Kleinen, wird immer rauer.“ Für sie ist das ein Spiegel der Gesellschaft und dem, was zum Teil in den Familien passiert. „Da werden Ballerspiele am Computer gespielt und Erwachsene oder Ältere, in dem, was sie sagen, einfach ignoriert.“, sagt sie und meint dann: „Spaß

gemacht, hat es trotzdem und gelernt habe ich viel.“ Das sieht auch Paul Diener so: „Mir liegt das Soziale einfach. Deshalb hat mich unsere Lehrerin auch angesprochen und gefragt, ob ich bei den Bus-Engeln mitmachen will.“ Jetzt werden die drei „Engel“ aufhören, sie werden Ausbildungen anfangen. Mit der erlernten Zivilcourage werden sie auch dort etwas anfangen können.

Die Klasse 1a der Regionalen Schule in Gadebusch wurde von Nahverkehrsgeschäftsführer Jörg Lettau für ihre erfolgreiche Teilnahme an der „Busschule“ mit einer Urkunde und einem Gutschein für die Klassenkasse in Höhe von 100 Euro geehrt. Bevor die Erstklässler ihre Auszeichnung entgegennehmen konnten, wurden sie noch einmal geprüft. Die Antwort auf Karla Krügers Frage: „Was macht ihr mit dem Papier der Bonbons, die ihr im Bus esst?“, kam gleichzeitig aus allen Mündern der kleinen Verkehrsschüler: „In den Müll schmeißen!“ Auch die Frage, wie sie sich verhalten, wenn der Bus durch die Kurve fährt, sie keinen Platz ergattert haben, also im Gang stehen – ob sie sich dann vielleicht mit ihren Freunden richtig schön in die Kurve legen oder rumzanken, weil sie keinen Sitzplatz haben, beantworteten die jungen Verkehrsprofis glasklar: „Festhalten und den Schulranzen zwischen die Beine klemmen!“ Nach dieser Überprüfung bestand dann keinerlei Restzweifel mehr – die Erstklässler aus Gadebusch konnten die Urkunde plus Scheck in Empfang nehmen.

Prävention

106 „Bus-Engel“ waren in diesem Schuljahr in den Schulbussen des Landkreises im Einsatz.

Um Sicherheit auf dem Schulweg geht es bei dem Projekt „Busschule“. Es geht um das Verhalten im Straßenverkehr und im Bus, auch um schlecht erkennbare Gefahren. Das Projekt hilft, Wegeunfälle zu reduzieren.

Unterstützt werden die Projekte vom Landkreis, dem Innenministerium MV, der Nahbus GmbH, der Unfallkasse MV und der Verkehrswacht.

Annett Meinke

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