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Schwartauer Werke: Bedauern und Unverständnis in Lübeck

Lübeck Schwartauer Werke: Bedauern und Unverständnis in Lübeck

Politiker kritisieren das Verfahren – Hansestadt will die Flächen anderen Firmen anbieten

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„Schönberg hätte auf keinen Fall unsere Zustimmung gefunden.“Dirk Himmelmann (NGG)

Lübeck. „Wir bedauern, dass wir aus dem Rennen sind.“ Das sagt Dirk Gerdes, Chef des Koordinierungsbüros Wirtschaft in Lübeck (KWL), zur Entscheidung der Schwartauer Werke, ihr Werk am angestammten Standort in der Marmeladenstadt zu erweitern – und nicht im Gewerbegebiet südlich der Autobahn A 20 neu zu bauen (die OZ berichtete). Bad Schwartau, Lübeck und Schönberg in Mecklenburg hatten sich um das Traditionsunternehmen bemüht.

OZ-Bild

Politiker kritisieren das Verfahren – Hansestadt will die Flächen anderen Firmen anbieten

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Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der im Buhlen um den Konfitürenhersteller eigens eine „Task Force Strawberry“ (auf den Flächen im Lübecker Süden wuchsen früher Erdbeeren) gegründet hatte, bedauert ebenfalls die Entscheidung des Unternehmens, hat aber auch Verständnis. Im Gegensatz zu einigen Wirtschaftspolitikern. „Ich habe die Entscheidung mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen“, sagt Jörg Hundertmark (SPD). Das Unternehmen habe viel Wind gemacht, drei Kommunen hätten sich bemüht – und am Ende habe es ein laues Lüftchen gegeben. Hundertmark: „Das Verhalten der Firma finde ich merkwürdig.“ Auch Günter Scholz (BfL) kann die Unternehmensentscheidung nicht nachvollziehen. Erst sollte etwas Neues geschaffen werden, jetzt werde der Standort lediglich optimiert. Scholz: „Das ist nichts, was in die Zukunft gerichtet ist.“ Ulrich Krause (CDU): „Schade für Lübeck, Glückwunsch an Bad Schwartau. Immerhin bleibt das Unternehmen in Schleswig-Holstein.“

Die monatelange Kraftanstrengung von Verwaltung und Politik in der Hansestadt seien dennoch nicht umsonst gewesen, sind sich die Politiker einig. „Man hätte mich zu Recht aus der Stadt gejagt, wenn Schwartau tatsächlich einen neuen Standort gewählt hätte und Lübeck hätte sich nicht einmal beworben“, erklärt Bürgermeister Saxe. Die „Task Force Strawberry“ werde weiter tagen. „Wir erleben derzeit eine so große Nachfrage nach Gewerbeflächen, dass wir die für die Schwartauer vorgesehenen Flächen auch zumindest teilweise realisieren wollen und müssen“, sagte Saxe. 75 Hektar Gewerbeland will die Stadt südlich der A 20 ausweisen. KWL-Chef Gerdes: „Wir brauchen diese Flächen ganz schnell.“ Denn das Gewerbegebiet Genin-Süd auf der anderen Autobahnseite könnte schon bald ausgebucht sein, weil SLM Solutions noch mehr Flächen braucht. Auch am Flughafen sei bald alles ausgebucht, weil Euroimmun expandieren wolle, berichtet Gerdes. Lübeck habe wie viele andere Kommunen keine größeren zusammenhängenden Flächen mehr im Angebot.“ Gerade erst hat die Bürgerschaft beschlossen, dass das Gewerbelandkonzept der Stadt dringend aktualisiert werden muss.

Wirtschaft und Gewerkschaften begrüßen die Entscheidung der Schwartauer Werke. Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK): „Wichtig ist, dass Innovation, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und der Markenname in unserer Region bleiben.“ Dirk Himmelmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten: „Wichtig ist, dass es keinen Personalabbau gibt und dass das Unternehmen nicht nach Schönberg abgewandert ist.“ Dort wäre eine Lohnabsenkung möglich gewesen.

Aktuell prüft der Marmeladenhersteller, wo das Werk für Corny- Müsliriegel ausgebaut wird. Bürgermeister Saxe: „Dann werfen wir unseren Hut selbstverständlich wieder in den Ring.“

Kai Dordowsky

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