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Grevesmühlen Seit mehr als dreißig Jahren in Sachen Nistkästen unterwegs
Mecklenburg Grevesmühlen Seit mehr als dreißig Jahren in Sachen Nistkästen unterwegs
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07:44 04.04.2016

Der Himmel ist so blau an diesem Tag über dem Ploggensee, die Luft ganz klar. Auch wenn es noch ziemlich kühl ist, man kann es den Vogelstimmen deutlich anhören — der Frühling kommt mit Riesenschritten.

Hoch hinauf — kein Problem: Peter Neumann beim Austausch maroder Nistkästen am Ploggensee in Grevesmühlen. Quelle: Annett Meinke

Einer, dem die Vögel, die in und um Grevesmühlen leben, ganz besonders am Herzen liegen, ist Peter Neumann (67). Der Rentner will an diesem Tag ein paar Nistkästen um den Ploggensee herum erneuern.

Er hat deshalb eine Leiter im Auto mitgebracht, Hammer, Stahlnägel und Nistkästen aus Holzbeton. „Die sind super“, sagt Neumann, „wirklich sehr stabil. Die kann ein Specht zum Beispiel nicht so leicht aufhämmern und an die Vogelbrut ran“, erklärt er.

Seit bereits über 30 Jahren kümmert sich Peter Neumann darum, dass die kleinen und auch größere Vögel in und um Grevesmühlen genügend Möglichkeiten zum Nisten finden. „Die ersten Kästen habe ich im Jahr 1984 aufgehängt“, erzählt er und kramt ein kleines Büchlein hervor. Er zeigt auf eine Eintragung: 30 Kästen am 16. 9. 84.

Diese ersten Kästen hängte Peter Neumann zusammen mit Schülergruppen der Reuter-Schule im Park am Bahnhof, am Lustgarten und auf der Bürgerwiese auf. „Die hängen dort immer noch“, sagt er stolz. 1986 kommen dann die nächsten 30 Nistkästen hinzu. Sie finden ihr Zuhause auf dem Grevesmühlener Friedhof an der Malzfabrik. Im Laufe der Jahre kommen mehr hinzu, auch um den Ploggensee und den Vielbecker See herum — insgesamt sind es mittlerweile um die 100.

Die Stadt finanziert das ehrenamtliche Engagement des Pensionärs, der für die SPD Mitglied im Umweltausschuss von Grevesmühlen ist und außerdem auch Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) Nordwestmecklenburg. In diesem Jahr hat Neumann per Bürgermeisterbeschluss 500 Euro für die Anschaffung von 25 Nistkästen erhalten. Die sollen aber nicht zusätzlich angebracht werden, sondern dazu dienen, beschädigte Nistkästen aus dem Bestand auszuwechseln.

Peter Neumann weiß, dass das nicht jedem im Umweltausschuss gefällt. Ausgerechnet ein Nabu-Kollege, Martin Bauer (FWG), gehört zu Neumanns Kritikern. „Es ist vollkommen unnötig“, meint Bauer, „ständig neue Nistkästen aufzuhängen. Meisen finden inzwischen genug Höhlen zum Brüten und sind, was ihre Population angeht, nicht bedroht. Sie sind sogar eher aggressiv in ihrer Ausbreitung.“ Bauer findet, dass das Augenmerk auf den Schutz anderer, bedrohter Vogelarten gelegt werden müsste.

Peter Neumann sieht das ein wenig anders. „Zum einen geht es bei diesen Nistkästen nicht nur um Meisen, sondern auch um viele andere Vögel, die die Kästen nutzen. Zum anderen tausche ich nur die kaputten Nistkästen aus.“ Er zählt auf: Sechs Rotschwänze nisten am Bahnhof in sechs Kästen. Auch der sehr seltene Trauerschnäpper, der im Mai kommt, nutzt die Nistkästen am Ploggensee. Drei Kästen sind von diesem Singvogel, der zur Familie der Fliegenschnäpper gehört, im vergangenen Jahr belegt worden. Es gibt Nistkästen für Kleiber, die sind etwas größer. Am Friedhof erzählt Neumann, ist jetzt bereits wieder jeder Nistkasten belegt. Ausgetauscht werden die maroden Kästen deshalb nur, wenn sie nicht belegt sind.

Peter Neumann hat schon einiges erlebt, in all den Jahren, in denen er sich um die Nistkästen kümmert. „Manchmal beim Säubern und Reparieren kann es passieren, dass einem eine Haselmaus entgegenspringt. Oder ein Siebenschläfer hat es sich im Nistkasten gemütlich gemacht. Auch Bienen, Wespen und Hornissen bewohnen gerne mal Nistkästen.“

Auf die Frage, wie lange er sich noch um die Nistkästen in der Stadt kümmern will, hat Neumann eine klare und prägnante Antwort: „So lange ich kann.“ Dann nimmt er die Leiter, stellt sie an einen der Bäume am Ploggenseeufer, klettert flink hinauf und befestigt einen der neuen Nistkästen.

Nistkästen

Künstliche Nisthilfen, schreibt der Naturschutzbund (Nabu), auf seiner Webseite sind da sinnvoll, wo Naturhöhlen fehlen, weil alte und morsche Bäume nicht mehr vorhanden sind, oder weil an Gebäuden geeignete Brutnischen fehlen.

Ein voll ausgebuchter Nistkasten sei allerdings nur dann zu erwarten, wenn der Garten naturnah gestaltet ist und die Vögel entsprechend Nahrung finden.

Von Annett Meinke

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